Kiku
05.09.2017

Von Gott, der Welt und der kleinen Hexe

Die neue Saison des Theaterhauses Dschungel Wien im MuseumsQuartier stellt u.a. Fragen wie „Wer rettet die Welt“ und was wurde aus der Revolte im Mai 1968.

Sind es Superhelden, die Mächtigen oder Geldigen oder ist es vielleicht gar das Theater, das die Welt rettet?, fragte die künstlerische Leiterin des Theaterhauses für junges Publikum im Wiener MuseumsQuartier bei der Pressekonferenz zur neuen Spielsaison, die am 21. September mit „Gott und die Welt“ bzw. „Groove“ sowie Schnupper-Werkstätten startet.

Ersteres philosophiert – für Kinder ab 6 Jahren – eben über Gott und die Welt, in „Groove!“ folgen sechs Tänzer_innen und Musiker_innen ihrem Herzschlag und stellen (sich) die Frage, wie viel Freiheit das Leben und wie viel Gemeinsamkeit der Groove der Welt braucht.

In der neuen Dschungel-Wien-Saison setzen sich viele Stücke für verschiedene Altersgruppen und auf vielfältige Art – mit gesellschaftspolitischen Themen auseinander. Im Mai folgt dann sogar ein Schwerpunkt 50 Jahre Revolte des Mai 1968. Dabei reicht die Bandbreite von der fast sarkastischen Frage: Stell dir vor, es ist Revolution und keine/r geht hin bis zur gemeinsamen Entwicklung von Utopien junger Schauspiel-Schüler_innen aus dem diverCITYLAB - „Gaudiopolis – Stadt der Freude“.

"Nur" musikalisch?

Zurück zum Beginn, zu den ersten drei Monaten der neuen Saison: Beim Tanztheaterstück „Disastrous“ (SILK Fluegge) ab 11 Jahren geht es um den Zustand der Welt und seine Folgen. Dabei treten drei junge Menschen und drei Erwachsene mit der explosiven Kreativität des Zukunft-Erschaffens eine Reise der Befreiung an – in jeder der vier Städte spielen und tanzen jeweils drei Kinder/Jugendliche aus der jeweiligen Stadt – nach Prag, Linz nun auch in Wien (ab 4. Oktober).

„Bumm, krach, peng!“ (ab 5 Jahren, werk89 und Zavod Federacija Ljubljana, ab 6. Oktober) erzählt die Geschichte eines ungewöhnlichen Buben, der nicht sprechen lernen will, sondern sich mit Musik und Klängen ausdrückt. „Ein Känguru wie Du“ (von Ulrich Hub, theater ISKRA, ab 3. November, ab 8 Jahren) nimmt witzig Vorurteile aufs Korn. Im Musiktheaterstück „Atlas der abgelegenen Inseln“ von makemake produktionen reisen zwei Musiker, eine Tänzerin und eine Schauspielerin sozusagen ans Ende der Welt jenseits unserer Aufmerksamkeit.

„Gretel“ (Theater Ansicht) wirft Blicke auf die erwachsene Frau, die immerhin gemeinsam mit ihrem Bruder eine alte Frau in den Ofen. Gemeinsam mit dem Publikum wagt Gretel den Weg in den Wald, den Weg zum Neuanfang und lebt glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende? Oder?

Jugendliche Blicke aur die Welt

In „DREIHUNDERTFÜNFUNDSECHZIG+ - Mein dokumentiertes Leben im Jahr 2016“ Theater foXXfire! & theaternyx*) haben Jugendliche gemeinsam mit Profis schon für das Schäxpir-Festival in Linz (Juni 2017) ihre Tagebuchnotizen auf markante politische Geschehnisse wie ebenso auf Alltagssituationen performt.

„Solange wir klein sind, nehmen wir die Welt ungefiltert wahr: Wir erleben den Moment in jenem Moment, in dem er passiert. Im Laufe unseres Lebens wirken immer mehr Stimmen auf uns ein: Eltern, die uns sagen, was wir anzuziehen haben oder ob unser Berufswunsch der richtige ist; Lehrer_innen, die uns vorgeben, wie Aufgaben zu lösen sind; die Gesellschaft, die uns beurteilt und kategorisiert...“ So beschreibt die Tanztheatergruppe Körperverstand ihre zweite Produktion „Brain Game“.

Zum 60. Geburtstag von Otfried Preußlers „Die kleine Hexe“ will Grischka Voss mit ihrer Darstellung dieser weltbekannten Kinderbuchfigur (in vier Dutzend Sprachen übersetzt) Kindern Mut machen, die Welt zu erforschen und sich nicht zu sehr von Helikoptereltern aus „Sicherheitsgründen“ einschränken zu lassen. Der Mix aus weisen Frauen, die jene waren, die als Hexen verfolgt wurden, und einem Schuss Anarchismus passt selbst bei dieser Dschungel- „Weihnachtsgeschichte“ in den Rahmen der Frage nach der Weltrettung bzw. Revolution/Revolte.

Mehr Chancen zum Mit-/Selber-machen

Dazu passend weitet der Dschungel Wien in dieser Saison auch sein Angebot an Partizipation aus. Zu den bisherigen „Wild:Werkstätten“ gesellt sich noch eine „Theaterwild:Company“ (16 bis 22 Jahre), der „Theaterwild:Klub“ (ab 16 Jahre) sowie die „Offene Wild:Werkstatt“ für alle.

Weitergeführt wird selbstverständlich „OPEN STAGE - Dschungel puts on the red shoes“ wo schon bisher mehr als 100 junge Künstler_innen ihre unterschiedlichsten Künste vorführten. Mit „TRY OUT!“ geht das theaterhaus für junges Publikum Auftretende einen Schritt weiter und bietet 3 Gruppen / Performer_innen eine residency an.

Und weil sich nicht alle Kinder und Jugendliche einen Theaterbesuch leisten können, gibt es am 16. Dezember einen Tag zugunsten der Kulturpatenschaft, an dem nachmittags bekannte Schauspieler_innen ihre Lieblingsweihnachtsgeschichten lesen und abends Konzerte stattfinden.
Zahlen zur neuen Saison: 26 Premieren und Uraufführungen, 16 Wiederaufnahmen und 5 Gastspiele.
In der Bilderstrecke ein kurzer Einblick in die Stücke der ersten drei Monate.

www.dschungelwien.at

... zu den Dschungel-Stücken im Herbst

... der DschungelWien-Spielsaison 2017/18

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Sujetfoto: Gott und die Welt

Sujetfoto: Groove

Szenenfoto aus einer früheren Disastrous-Aufführung andernorts

Sujetfoto: Bumm, Krach, Peng!

Sujetfoto: Die Bewegung

Sujetfoto: Hüpfen

Sujetfoto: Ein Känguru wie Du

Sujetfoto: Atlas der abgelegenen Inseln

Sujetfoto: Gretel

Sujetfoto: Disastrous

Sujetfoto: BrainGame

Sujetfoto: Die kleine Hexe