Szenenfoto aus "Die Legende von Verdis Violetta"

© Ani Antonova

Dschungel Wien
05/19/2016

Schau- und Puppenspiel mit Live-Operngesang

"Die Legende von Verdis Violetta": Schau- und Puppenspiel mit live gesungenen Opernarien im Dschungel Wien.

von Heinz Wagner

Ein wunderbar fantasievolles Zusammenwirken von Schau- und Puppenspiel sowie Operngesang ist im kleineren Saal des Theaterhauses Dschungel Wien zu erleben. Live gesungene drei Arien aus „La Traviata“ (Die vom Weg Abgekommene) sind in die nicht ganz eineinhalb Stunden von „Die Legende von Verdis Violetta“ organisch eingebettet – als melodiöse Stimme der Puppe. Die Geschichte der Oper, die auf dem Roman „Die Kameliendame“ von Alexandre Dumas, dem Jüngeren, aufbaut, wird kompakt von drei Schauspieler_innen – über weitere Strecken mit Hilfe einer Puppe – Violetta/im Roman Marguerite – erzählt. Zusätzlich aber „verwandeln“ sich die drei Schauspieler_innen hin und wieder mit Hilfe großer Masken mit neonleuchtenden Augen und Mündern in Art kommentierende Partygäste.

Echte Liebe

Die Hauptfigur (der Roman nimmt Anleihen bei echten Personen der damaligen Zeit) lebt von käuflicher Liebe, ist Mittelpunkt der Pariser Partyszene in der Mitte des vorvorigen Jahrhunderts. Eines Tages taucht Alfredo auf, der meint, sie aber wirklich zu lieben. Daraus entwickelt sich doch eine Beziehung, sie gibt ihr mondänes Leben auf, zieht mit ihm aufs Land, sie leben bescheiden aber glücklich. Bis sein Vater die junge Frau heimlich bittet, seinen Sohn zu verlassen weil ihr Ruf die Ehre seiner Familie gefährde. Aus echter Liebe zu Alfredo verlässt Violetta ihn, zieht zurück nach Paris und gibt sich erneut dem wilden, ausschweifenden Leben hin. Erst in der Phase ihres Sterbens an einer schweren Lungenkrankheit, erfährt Alfredo, wie sein Vater der Fassade und des Ansehens wegen seine Liebe zerstörte.

Kritik an Schein- und Doppelmoral

Die tragische Geschichte wurde von Verdi – stärker oder sogar eher im Gegensatz zu Dumas‘ Roman – als Gesellschaftskritik an der Scheinmoral gesehen. Er gib dem Objekt der Begierde der „feinen“ vor allem männlichen Gesellschaft, die die von ihnen benutzten Frauen aber verachten, mehr Subjekt-Charakter. Auch wenn hier die Violetta als Puppe wieder zum von Menschenhand geführten Objekt wird, dominiert sie nicht nur das Geschehen. In manchen Momenten helfen ihr die Schauspieler_innen gleichsam aus ihrer Rolle zu treten und festzustellen, dass sie eine Puppe sei – besonders stark im Schluss-Dialog mit der zweiten Puppe, Alfredos Vater: „Sie sind nur eine Handpuppe!“

Was? Wann? Wo?

Die Legende von Verdis Violetta
Dschungel Wien & Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch“ Berlin (Deutschland)
Schauspiel, Puppen- und Musiktheater, 75 Minuten, ab 13 Jahren

Regie: Astrid Griesbach
Spiel: Viviane Podlich, Nataliya Stepanyak (Gesang), Mathias Lenz, Christian Pfütze
Puppe: Lisette Schürer
Bühne, Kostüm, Licht: Vanessa Achilles-Broutin
Regieassistenz: Melika Ramić
Dramaturgie: Marianne Artmann
Technik: Christopher Corsmann

Wann & Wo?
Bis 3. Juni 2016
Dschungel Wien; 1070, MuseumsQuartier
Telefon: (01) 522 07 20-20
www.dschungelwien.at