Kiku
05.12.2011

Die "Wahnsinnigkeiten" des Vaters der Psychoanalyse

"Freuds Neurosen" im Wiener 3-Raum-Theater

Reisefieber, Reiselust, aber Angst den Zug zu verpassen. Darmerkrankung. Darmerkrankung vorbei... Manche der Einträge lesen sich, als könnten sie heute Statusmeldungen von Facebook-User_innen sein. Aber sie waren nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Obwohl dem Verfasser, wie er seinem Tagebuch, den "Ausseer Notizen" anvertraute, schon früh daran gelegen war, berühmt zu werden. Überzeugt der Welt mehr geben zu können als umgekehrt notiert er. Aus manchen Schilderungen (siehe auch Portrait) wird der herrschende Antisemitismus ersichtlich. Aus vielen Einträgen geht aber auch hervor, dass der "Vater" der Psychoanalyse zwar viele seiner eigenen Neurosen reflektiert erkennt, aber dennoch nicht bewältigen konnte.

Gekonntes Schauspiel

Mit wenigen vordergründigen Mitteln - einigen wenigen Projektionen, einem Podest sowie einem immer wieder ein- bzw. ausgerollten Teppich - spielt Christian Spatzek den berühmten Professor, lässt dessen Aura im Hörsaal des ehemaligen Anatomie-Instituts der Tierärztlichen Hochschule, seit Jahren Teil des 3-Raum-Theaters, unprätentiös entstehen. Hintergründig ist es die textsichere Zitierung der Ausseer Notizen Freuds ohne sie vorzulesen. Untermalt mitunter von eigens dafür von Roman Grinberg zusammengestellten Musik, mitunter im Kletzmer-Stil.
Die oft verqueren, aber durchaus nachvollziehbaren Ängste und "Wahnsinnigkeiten" des Dr. Freud entzaubern ihn, machen ihn eigentlich - trotz frühem "Sendungsbewusstseins" wohl viel menschlicher als geschönte, überhöhte Biographien.

Infos

Der "Vater der Psychoanalyse" war offenbar selbst ein "Psycherl". Sigmund Freud wurde von Ängsten und Phobien geplagt und geschüttelt. Durch Selbstanalyse versuchte er, seine Neurosen in den Griff zu bekommen.
Behandelt werden in dieser szenischen "Lesung" (auswendig gespielte Tagebucheinträge Freuds) die Zeitpunkte, wo Sigmund Freud längere Ferienaufenthalte im Ausseerland hatte. Es sind dies die Jahre 1896 bis 1898, 1905 und 1930. Diese Jahre spielten eine große Rolle in Freuds Schaffen - in Aussee wollte Freud (unter anderem) die Ursachen seiner Neurosen ergründen.

Freuds Neurosen
Uraufführung

Autor: Helmut Korherr
Regie: Brigitte Swoboda
In der Rolle von Sigmund Freud:Christian Spatzek
Musik: Roman Grinberg
Bühne: Team Braunsteiner
Kostüme: Barbara Langbein
Technik: Ali Holy
Eine Produktion des Kulturvereins SABA

Wann?
29., 30. November
1., 2. Dezember
Jeweils 19.30 Uhr

Wo?
3-Raum-Theater
(Hörsaal)
A-1030 Wien; Beatrixgasse 11
Information und Karten:
Tel. 0650/32 33 377
Eintritt: € 18,-- / € 15,--