"Die Waffen nieder!" nach Bertha von Suttners Roman, Pygmaliontheater, Wien

© Pygmaliontheater

Theater
06/27/2014

Suttners Antikriegs-Roman auf der Bühne

"Die Waffen nieder!" nach dem Roman der Friedensnobelpreisträgerin im Wiener Pygmalion-Theater

von Heinz Wagner

Die Spielzeit geht zwar erst im Herbst über die Bühne, doch das Pygmalion-Theater in Wien-Josefstadt zog die Premiere von „Die Waffen nieder!“ vor. Die Erstaufführung fand nun zwischen dem 100. Todestag der Autorin des gleichnamigen Romans, Bertha von Suttner, und dem Jahrestag des Attentats von Gavrilo Princip auf Thronfolger Franz Ferdinand und Ehefrau Sophie in Sarajevo an.

Ein Kreuz mit dem Krieg

Ein schlichtes aus zwei ungehobelten Brettern mit einem Seil zusammen gebundenen Kreuz dominiert in diesem Stück die Bühne des – immer- in schwarz gehaltenen Kellertheaters in einem Hinterhaus an der Alserstraße. Davor eine Bank mit zwei Kerzen. An die Wand dahinter werden Videos mit Ausschnitten aus Kriegsfilmen projiziert. Immer wieder sind Schüsse zu hören. Aufgebracht wettert Vater Althaus gegen „die Katzelmacher“, die Italiener, die dem kaiserlichen österreichischen Heer eine Niederlage zugefügt haben. Und obwohl dabei auch sein Schwiegersohn getötet wird, tröstet er seine Tochter Martha (Constantina-Elisabeta Vanca) nicht, sondern freut sich auf einen frisch-fröhlich neuen Krieg, wo sicher Rache genommen werde.

Außenseiterin

Mindestens so überzeugend wie Reinhold Gugler (der auch die dramatisierte Fassung aus Suttners Roman erstellte) die Kriegslüsternheit des Adeligen spielt, so gibt auch Ingeborg Mammerler die fast kriegsgeile Tante Marie. Ihre (Selbst-)Ausrede: Alles nur göttliche Vorbestimmung. Immer mehr wird Martha zur Außenseiterin gedrängt. Ein Krieg nach dem anderen – und sie steht als einzige dagegen, wünscht sich Frieden, dass Staaten ihre Konflikte wie Menschen vor einem Gericht (so etwas wie die UNO und deren Vorläufer, den Völkerbund, gab es damals och nicht) austragen. Ihre alte adelige Offiziersfamilie „mit patriotischer Erziehung“ hingegen bejubelt jeden neuen Waffengang.

Hin- und hergerissen

Lediglich einer der Gäste der Familie, Baron Tilling (Philipp Kaplan - schön schwankend zwischen Soldat-sein und es nicht wirklich wollen), selbst ein Militär, weil er damit seinen Lebensunterhalt verdient, zweifelt auch an der Sinnhaftigkeit dieses Tuns. Er sei Soldat geworden, um sein Land zu verteidigen wie Feuerwehrleute einen Brand zu löschen, nicht um Länder zu erobern. Schon will er den Dienst quittieren, da lässt er sich doch noch einmal einberufen – in die Schlacht nach Königgrätz. Als Martha, inzwischen Frau Tilling, nichts von ihrem Ehemann hört, fährt sie an den Ort des Gemetzels und kommt angesichts der Gräuel die sie gesehen hat noch stärker Kriege hassend zurück.

Zerbrechlich und doch ungeheuer stark

Als kleine, zierliche Schauspielerin gibt Constantina-Elisabeta Vanca eine wunderbare Gräfin Martha Althaus zwischen schierer Zerbrechlichkeit und unbändiger Friedenskämpferin in einer Umgebung, wo (fast) alle hurra-patriotisch für den Krieg schreien.

Wandel

Ein wenig überraschend schließt sich Tante Marie am Ende doch ihrer Nicht und nicht den männlichen Verwandten, deren Position sie fast noch stärker vertreten hatte, an und ruft eine Variante von Maries dem Suttner Roman Titel gebenden Spruch aus: „Nieder mit den Waffen!“

Nebenrollen

Nicht unerwähnt bleiben sollen Philipp Lernbaß in der Rolle der Karikatur des Ministers Allerdings, der meist nicht viel mehr als dieses Wort und dazugehörige Gesten von sich gibt und Daniel Gavris als Althaus‘ Diener Franz. Letzterer tritt nur ganz selten auf, hat fast nichts zu sagen, trifft dies jedoch jeweils punktgenau.

Die Waffen nieder!
Dramatisierte Fassung von Reinhold Gugler nach dem Roman von Bertha von Suttner

Besetzung
Marie Ingeborg Mammerler
Tilling Philipp Kaplan
Minister Allerdings Philipp Lernbaß
Martha Constantina-Elisabeta Vanca
Vater Reinhold Gugler
Franz Daniel Gavris

Dramatisierung Reinhold Gugler
Regie & Bühne Geirun Tino

Alser Straße 43
A-1080 Wien
Telefon: (01) 929 43 43
www.pygmaliontheater.at

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