Clowntheater: Die Wirrfahrten des Odysseus

Die Wirrfahrten des Odysseus im Theater Olé
Foto: Marion Scholz Die Wirrfahrten des Odysseus im Theater Olé

Eine Meisterklasse spielt die bekannte Homer-Sage sehr witzig, angelegt als offene Probe.

Zwar nicht Sonne, aber Meer, blau-weiß, kulinarisch und musikmäßig zaubert das Theater Olé ein Stück Griechenland in das Kellertheater in Wien-Landstraße (Ecke Barmherzigengasse/ Kaisergartengasse). Nach der ersten Aufführungsserie stehen zwei weitere Vorstellungen gegen Ende September auf dem Spielplan. Zehn Mitglieder einer der Clown-„Meisterklassen“ spielen die „Wirrfahrten des Odysseus“.

Die Wirrfahrten des Odysseus im Theater Olé Foto: Marion Scholz Vor der ersten Aufführungsserie ging’s – so berichten Teilnehmer_innen – sogar bis wenige Stunden vor der Premiere ein wenig wirr zu. Das ist dem Stück nicht wirklich anzumerken, greift es doch auch zu einem Kunstkniff – präsentiert wird sozusagen nicht ein perfekt fertiges Stück, sondern dasselbe in einer Art offener Probenszenerie. Wobei dies noch die höhere Kunst ist, gekonnt und bewusst ein wenig patschert zu agieren – sozusagen einer der großen Wesenszüge guter Clownerie.

Schon zu  Beginn driften immer wieder Segel und Boot über dem blauen Tuch, das das Meer darstellt, auseinander. Obendrein wird das Tuch dazwischen fallen gelassen, die Figurenspieler_innen mit ihren roten Nasen  kommen zum Vorschein. Geschickt gespielt wird nicht nur mit körperlicher Ungeschicklichkeit, auch mit Sätzen, Wörtern, oftmals auch nur Präpositionen wie um/auf/an...

Wer kriegt den Platz an der Sonne?!

Die Wirrfahrten des Odysseus im Theater Olé Foto: Marion Scholz Ein weiteres immer wieder kehrendes Element ist der „Kampf“ darum, wer denn nun gerade im Fokus stehen soll/kann/darf/muss. Als running Gag wird zwischen einer der Akteurinnen und einem der Akteure eine Mutter-Sohn-Geschichte erfunden. Die Mutter meint ständig dem Sohn sagen zu müssen, wann er jetzt wie aufzutreten habe. Der zaubert einen völlig verschüchterten jungen Mann auf die Bühne, der die Sätze nur mit Müh und Not herauspresst – bis er sich endlich in einer Szene emanzipiert und ausbricht. Andere Figuren finden für ihr Agieren die Ausrede, der Regisseur namens Ludwig – der natürlich nie in Erscheinung treten wird - habe das so gesagt/angeordnet. Um dessen Gunst wird obendrein noch ein kleines Eifersuchtsdrama inszeniert.

Die Wirrfahrten des Odysseus im Theater Olé Foto: Marion Scholz In die Rollen von Odysseus als auch die von Penelope (seiner Ehefrau) schlüpfen immer wieder andere der Meisterklassen-Clown_innen. Nicht ganz zwei Stunden – ohne Pause – unterhalten die zehn Darsteller_innen das Publikum köstlich. Und transportieren dazu noch die eine oder andere Botschaft: Weshalb sollte Penelope nun noch länger als die 20 Jahre warten, wo doch die anderen aus dem Krieg um Troja schon zurückgekehrt waren, wäre es nicht endlich an der Zeit, ein eigenes Leben zu leben, es lustig zu haben...?

Jene im Publikum, die die Akteur_innen auf der Bühne aus dem realen Leben kennen, erzählen danach, so manchen Wesenszug der jeweiligen Bühnenfigur aus dem realen Leben ihrer Bekannten erkannt zu haben. Die Kunst des Regie-Duos – zwei der Direktor_innen des Theaters -  ist es, in der Meisterklasse mit den Mitwirkenden so zu arbeiten, dass sie aus ihrer eigenen Persönlichkeit eine Bühnenrolle entwickeln – egal ob sie dieser genau entspricht und diese eher das Gegenteil oder „endlich einmal etwas anderes“ spielen zu wollen.

Infos

Was? Wer? Wann? Wo?

Die Wirrfahrten des Odysseus im Theater Olé Foto: Marion Scholz Die Wirrfahrten des Odysseus
Meisterklasse: Brigitte Cwikl, Fabian Kotschwar, Barbara Pfeiffer, Edouard Raix, Michael Reiter, Gerda Rohsmann, Marion Scholz, Gabriele Schwarz, Rudolf Stipsits, Michaela Zirg

Regie Hubertus Zorell und Verena Vondrak

Wann & wo?
22. und 23. September 2017; 19 Uhr
Theater Olé, 1030 Barmherzigengasse 18
Telefon: 0699/18 81 17 71
www.theater-ole.at

(kiku) Erstellt am
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