Kiku
24.01.2013

Buckel, Warze & Kartoffelbrei

Heute sind sie Heldinnen in Buch & Film, früher wurden sie verfolgt und verbrannt

Eene meene mei, flieg los Kartoffelbrei! Wenn Bibi Blocksberg auf ihren Besen aufsteigt und durch die Lüfte schwingt, hat sie Schabernack im Sinn. Sie gehört zur Kategorie der guten Hexen. Das war nicht immer so. Mit Buckel, Warzennase und bösen Gedanken – so beschrieben die Gebrüder Grimm ihre Hexe für das Märchen „Hänsel und Gretel“. Die Vorstellung von Hexen, die Schaden anrichten, war damals schon seit hunderten Jahren fest in den Köpfen der Menschen verankert. Tatsächlich wurden zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert in den deutschsprachigen Ländern des Heiligen Römischen Reichs Frauen als Hexen verdächtigt, verfolgt und umgebracht.

Kindervorlesung

Die Historikerin Marija Wakounig vom Institut für osteuropäische Geschichte, erläutert im Rahmen der Wiener Kindervorlesungen (www.kindermuseum.at) , wer als Hexe galt und warum die Frauen, aber auch Männer, verfolgt wurden. „Es konnte jeden treffen. Alte, Junge, Rothaarige, Hübsche, Alleinstehende, Vermögende, Gelehrte, Naturverbundene, Kräuterkundige, vor allem Hebammen, weil die an der Schwelle zum Leben standen.“ Warum waren die Menschen überzeugt, dass es Hexen gibt? „Es gab viele Kriege, schlechte Ernten, kurze Sommer und lange, kalte Winter, die kleine Eiszeit, dazu religiöse und gesellschaftliche Krisen, die sich die Menschen nicht erklären konnten. Sie suchten nach Schuldigen“, sagt die Historikerin. Der Glaube an Magie war weit verbreitet, aber erst die Überzeugung, dass Hexen mit dem Satan einen Pakt geschlossen hatten, führte zur Hexenverfolgung.

Verfolgung

Während man im Mittelalter mit der kirchlichen Inquisition versuchte, Irrglauben und Magie zu bekämpfen, übernahmen ab dem 16. Jahrhundert weltliche Gerichte die Verfolgungen und Verbrennungen, die theoretische Grundlage lieferte ein Werk namens „Hexenhammer“ (siehe unten). Bevor es zu einem Prozess kam, musste bewiesen werden, dass jemand eine Hexe ist. Für einen Verdacht reichten Gerüchte von Nachbarn, aber auch die Verwandtschaft mit einer bereits verurteilten und verbrannten Hexe.

Beschuldigte wurden verhört und gefoltert, um Geständnisse zu erzwingen, im Mittelalter eine übliche Vorgangsweise. Die Frauen mussten die so genannte „Hexenprobe“ erdulden. Dabei warf man sie mit Gewichten an den Beinen ins Wasser. Tauchte sie wieder auf, galt sie als Hexe, weil sie zu leicht war, um unterzugehen. Wer leicht war, stand im Verdacht, eine Hexe zu sein und auf einem Hexenbesen durch die Luft zu fliegen. Menschen, die eine Hexenprobe überstanden, wurden so lange weiter gequält bis der Tod am Scheiterhaufen wie eine Erlösung erschien. Der letzte Hexenprozess fand 1782 in der Schweiz statt.

Ein Buch als Anleitung zur Verfolgung

Der Dominikaner-Mönch Heinrich Kramer (1430-1505) sammelte sein Wissen über Hexen und Zauberer und veröffentlichte es unter dem Titel „Hexenhammer“ (lat. Malleus Maleficarum). In diesem Buch beschrieb er, was man unter einer Hexe versteht, wie man sie erkennt, wie man sich vor ihrem Zauber schützt und wie man sie vernichtet. Jene Menschen, die die Hexenjagd ablehnten bezeichnete er als Häretiker (Menschen, die an etwas glauben, dass im Widerspruch zur kirchlichen Lehrmeinung steht) und rief dazu auf, diese zu verfolgen.
Offiziell wurde sein Werk weder von hohen weltlichen noch kirchlichen Vertretern anerkannt. Trotzdem wurde es viel gelesen und trug zur Verbreitung der Hexenjagd bei.
Schon 500 Jahre vor Kramer gab es eine einschlägige Vorschrift der Kirche, den „Canon episcopi“. Dieser bezeichnete die Vorstellung, dass Frauen auf Besen reiten als Aberglaube und Einbildung. Kramers Schrift war also in Wahrheit ein Rückschritt hinter das, was in der Kirche herrschende Lehrmeinung war. Kramer setzte sich durch, weil er den Nerv der Zeit traf.