Kiku
22.05.2015

Lieber Mensch sein als Häuflein Dreck

"Die Brüder Löwenherz" von Astrid Lindgren in einer Fassung des Theaters der Jugend in Wien.

Das wär doch nix für Kinder“, meinten viele, als Astrid Lindgren „Die Brüder Löwenherz“ veröffentlichte. Wurde sie schon von vielen Seiten für ihre mutige, selbstbewusste, freche, ja alle Herrschaft in Frage stellende „Pippi Langstrumpf“ anfangs angefeindet, so würde Tod im Kinderbuch gar nicht gehen, meinten nicht nur betuliche Erwachsene. Auch ein Psychologe bei einer Tagung äußerte der Autorin gegenüber Bedenken, schilderte sie einst in einem Interview und setzte mit einer weiteren Begebenheit fort: Tags darauf rief ein junges Mädchen bei Lindgren an und sagte: „Ich habe soeben Die Brüder Löwenherz gelesen. Vielen Dank, dass du so einen glücklichen Schluss geschrieben hast.“

Fantasieland

Das Theater der Jugend in Wien zeigt die Geschichte von Jakob und Karl, genannt „Krümel“, Löwe in einer eigenen Fassung. Letzterer hat nur mehr kurz zu leben. Der Bruder muntert ihn immer wieder auf, indem er mit ihm ausgelassen spielt. Aber er nimmt ihm auch die Angst vor dem Tod. Danach käme man in eine Art Schlaraffenland namens Nangijala. Dort landet Jonathan sogar noch vor Karl, weil der seinen kranken Bruder aus einem brennenden Haus befreit und dabei selbst ums Leben kommt. Als „Krümel“ bald danach stirbt, sind sie im Kirschtal des Fantasielandes vereint. Und weil Nangijala ja eine Geburt aus Jonathans Kopf ist, spiegelt sie auch die wirkliche Welt wider. Und so gibt’s nicht nur die gute Welt, sondern auch die böse in Form des Heckenrosentals und seines Diktators Tengil samt dessen Ungeheuer Katla.

Abenteuer

Also durchleben die beiden Brüder im Jenseits ziemlich viele Abenteuer. Immer und immer wieder stehen sie einander bei und füreinander ein. Auch in den schwierigsten Verhältnisse. Und so gilt bald auch für Krümel, was ihm sein Bruder Jonathan recht früh erklärt, als er ihn rund ums brennende Haus fragte, weshalb er sich selber in Gefahr begebe, „nur“ um ihn zu retten: „Es gibt Dinge, die man tun muss, selbst wenn es gefährlich ist.“ – „Aber warum bloß“ – „Weil man sonst kein Mensch ist, sondern nur ein Häuflein Dreck!“

Mut

Neben dem entspannten Umgang mit dem Tod sind die beiden Brüder, die sich einander ob ihres Mutes den erweiterten Nachnamen Löwenherz geben, vor allem Vorbilder in Sachen Kampf gegen Ungerechtigkeit und die Unterdrückung durch einen Tyrannen.

Die Brüder Löwenherz
von Astrid Lindgren
in einer Fassung des Theaters der Jugend von Wolfgang Türks
Ab 6; ca. 2 Stunden

Karl Löwenherz André Haedicke
Jonathan Löwenherz Jan Hutter
Sophia / Mutter Doris Prilop
Jossi Goldhahn / Orwar /
Lehrer Frank Engelhardt
Matthias Uwe Achilles
Fjalar / Tengil / Katla/
Wache an der
Katlahöhle /Taube Christian Pfütze
Hubert / Pjuke, Tengils
Berater / Wächter am
Tor / Grim Michael Schusser
Veder Emanuel Fellmer
Kader / Wache an der
Katlahöhle Nico Ehrenteit
Trauergemeinde /
Bewohner des Kirschtals/
Bewohner des
Heckenrosentals /
Soldaten Ensemble

Regie Michael Schachermaier
Dramaturgie Wolfgang Türks
Bühne und Kostüme Jan Meier
Licht Christian Holemy
Figurendesign und Bau Rebekah Wild
Assistenz und Inspizienz Felix Metzner
Hospitanz Elvira Rumetshofer
Assistenz Figurenbau Julia Jeulin, Nene Lazarić

Wann & wo?
Bis 27. Juni
Renaissancetheater, 1070, Neubaugasse 36
Telefon: (01)521 10-0
www.tdj.at