Kiku 08.01.2014

Bitterböse, doch sehr witzig: Habe die Ehre

© Bild: Anna Stöcher

Das Stück im Hamakom - Theater im Nestroyhof setzt sich sarkastisch-ironisch mit dem ernsten Thema Ehrenmorde auseinander. Und bekam nun den Nestroy für die beste Off-Theatert-Produktion! Nun Wiederaufnahme.

Habe die Ehre
© Bild: Anna Stöcher
Habe die Ehre – ein alter Wiener Gruß. Im Grund genommen wunderbar – die Begegnung mit der/dem anderen bedeutet für eine/n selbst, die Ehre zu haben. Und dennoch wird er, so überhaupt noch, recht oft (ein bisschen) herablassend gebraucht.

Und dann ist da noch etwas: Ehre und vor allem die (vermeintlich) verletzte hat nicht selten brutale Folgen, kann bis zum Mord führen.
Um Letzteren dreht sich das knapp mehr als einstündige Stück von Ibrahim Amir, das derzeit in einer Produktion der Wiener Wortstätten im Theater Nestroyhof Hamakom in Wien-Leopoldstadt zu sehen ist. Ein ernstes, hartes Thema, das hier satirisch gespielt wird. Eine Gratwanderung in der Tat. Rasch könnte es zu einem sich-drüber-lustig-machen kommen. Tut es aber nicht.

Nein, du!

Habe die Ehre
© Bild: Anna Stöcher
Ein Teil der sarkastischen Ironie liegt schon in der Grundgeschichte. Wohnzimmer. Vater sitzt eher starr und still auf der breiten Couch, Mutter kauert auf einem Hocker in einer, der Sohn auf dem Eiskasten in einer anderen, am Tisch sitzen der Schwiegersohn und sein Vater. Die beiden sowie der Sohn – alle ohne Namen – erzählen vom erledigten (vermeintlichen) Mord am Geliebten der Tochter des Hauses. Und nun soll diese auch dran glauben müssen. Jeder redete davon dass dieser Mord zur Wieder-Herstellung der Ehre notwendig sei, doch keiner will ihn ausführen, ein anderer soll’s tun. Der Vater, der schön langsam doch zu sprechen beginnt, meint, er hätte so starke Rückenschmerzen, dass der die danach folgenden Jahre im Gefängnis nicht ertragen könnte usw…

Schräg und schräger

Habe die Ehre
© Bild: Anna Stöcher
Mit Fortdauer des Stücks werden die Ausreden und das einander-zuschieben immer skurriler. Humorvolle Höhepunkte sind jedoch die beiden Auftritte der Polizistin und des Polizisten. Die Tochter und Ehefrau schreit im – nicht zu sehenden – Nebenzimmer, die Nachbarn riefen die Polizei. Alev Irmak und Oktay Günes haben intensiv Wiener Kieberer studiert. Ziemlich authentisch gehen sie mit den - vermeintlichen – Ruhestörern um. Ein bissl Angst einflößen und doch mit einem Schuss von Wiener Schmäh. Dabei fällt natürlich die Begrüßungsfloskel: „Habe die Ehre!“. Sie passen in die sarkastische Ironie des ganzen Stücks, sind dabei – obwohl ja nur in zwei kurzen Szenen – so etwas wie ein Schlagobershäubchen auf der Kirsche dieser doch bittersüßen Torte.

Überzeichnete Klischees

Habe die Ehre
© Bild: Anna Stöcher
Ansonsten lebt das Stück vom guten Zusammenspiel des bunt zusammen gewürfelten Ensembles, in dem jede und jeder die jeweilige überzeichnet klischeehafte Figur genau in der richtigen Dosierung spielt. Braucht das Stück vielleicht anfangs ein wenig bis es in die Gänge kommt, so hat dies auch den Vorteil, das Publikum zunächst ein bisschen im Ungewissen zu lassen, ob das nun bitterernst oder doch satirisch gemeint sein könnte. Am Ende allerdings droht die Satire dafür ein bisschen in Komödie abzugleiten.

Humorvolles Überleben

Ibrahim Amir, in Wien lebender fertiger Medizin-Student und Autor mit kurdisch-syrischen Wurzeln hatte schon 2009 mit seinem Text einen der exil-Literatur-preise gewonnen. Gemeinsam mit den Wiener Wortstätten wurde daraus das nunmehrige Stück erarbeitet. Zum KURIER meinte er: „Diese Art, brutale Geschichten in so eigenartigem Humor darzustellen entspricht völlig mir und meinem Umgang mit tragischen Situationen. Das hab ich von meinem Großvater gelernt. Der konnte in den verzweifeltsten Momenten - und von solchen hatten Kurde_innen auch schon früher in Syrien mehr als genug - auch drüber lachen. Das heißt nicht, dass ich das nicht ernst nehme, im Gegenteil. In dem Fall die Schauspieler müssen die Situation, die Rolle total ernst nehmen, nur durch die Konstellation ergeben sich dann Wendungen und lustige Momente."

Habe die Ehre
© Bild: Anna Stöcher
Habe die Ehre
von Ibrahim Amir
Eine Produktion der WIENER WORTSTAETTEN in Kooperation mit Theater Nestroyhof Hamakom

Der Vater: Michael Smulik
Die Mutter: Tania Golden/Paola Aguilera
Der Bruder: Boris Popović
Der Schwiegervater: Erol Ünsalan
Der Ehemann: Marcel Mohab
Die Ehefrau: Maya Henselek
Der Liebhaber: Astrit Alihajdaraj
Polizist: Oktay Günes
Polizistin: Alev Irmak
Geliebte des Ehemanns: Elisabeth Veit/Christina Laas

Inszenierung: Hans Escher
Ausstattung: Renato Uz
Dramaturgie: Wolfgang Stahl/Bernhard Studlar
Lichtgestaltung: Stefan Pfeistlinger
Regieassistenz/Inspizienz: Mirjam Erdem
Maske: Liane Baal
Produktionsleitung: Hans Escher/Bernhard Studlar
Technische Leitung: Stefan Pfeistlinger
Veranstaltungstechnik: Vedran Mandić/Daniel Reinthaller
Bühnentechnik: Moritz Cizek, Felix Jagg, Gernot Kauer, Heinz Leitner, Robert Niederdorfer

Aufführungsrechte: Per H. Lauke Verlag, Hamburg

Spieltage: 13., 14., 15., 16., 17. und 18. Jänner 2014, 20 Uhr
Theater Nestroyhof Hamakom, 1020, Nestroyplatz1
Karten: (01) 8900 314

www.hamakom.at

Erstellt am 08.01.2014