Szenenfoto aus "kartOOOn"

© Toihaus Theater

Schachteln, die zu „leben“ beginnen ;)
03/12/2017

Schachteln, die zu „leben“ beginnen ;)

„kartOOOn“ vom Bim-Bam-Festival-Veranstalter Toihaus Theater und „under construction“: Tanz, Spiel und Live-Musik für Publikum ab 18 Monaten.

von Heinz Wagner

Lange schmale, würfelförmige kleinere und größere Kartons unterschiedlich hoch aufgestapelt stehen wie eine städtische Skyline ganz am hintersten Ende der Bühne – den Zuschauerinnen und Zuschauern gegenüber. Links davon, ungefähr zwischen den Schachtelhäusern und dem Publikum ein 3er-Turm aus Kartons. Der beginnt sich plötzlich zu bewegen, wird von einer Darstellerin in die Bühnenmitte getragen.

Nachdem sie den Turm abgestellt hat, greift sie zur bereitstehenden Geige und während sie spielt beginnt nach fast zehn Minuten einer der Kartons im Hintergrund zu wackeln, fängt an zu gehen. „ kartOOOn“, ein Stück für Publikum ab rund 18 Monaten ist eine Produktion des Toihaus Tehaters, das das nunmehr 6. BimBam-Festival organisiert, und der Gruppe „under construction“.

Musik, Tanz, Spiel

Bald nachdem der ersten Karton wackelt, bewegt sich eine weitere der Schachteln, bei einer sind nur Hände, bei der anderen nur Füße zu sehen – als würden sie zu den Kartons gehören. Doch nach und nach „wachsen“ die braunen eckigen Dinger in die Höhe, ist mehr und mehr von einer Frau und einem Mann zu sehen. Irgendwann entledigen sie sich ihrer eckigen anfänglichen Behausungen. Die beiden und die Geigerin, die sich zwischenzeitlich in einen anderen Karton, bei dem ein Kabel zu sehen ist, zurückzieht, spielen in der Folge mit den papierenen Kisten und der begleitenden Musik. Die Geigerin entlockt nun einem kleinen, handlichen Keyboard (Kabel!) Töne und Klänge, taucht dazwischen – ganz ohne Instrumente – ins Spiel mit kleinen silbergrauen Würfelchen ein. Was sie damit baut, versuchen die beiden Mitspieler_innen mit den großen Kartons nachzubauen. Steigen aus dieser Anordnung erst aus, als die Musikerin nun etwas wilder musiziert.

Das Spiel zwischen Kartons und Musik, zwischen Tanz und Spiel würde allerdings genauso gut funktionieren, wenn die Frau nicht aus einer innen rosa und der Mann aus einer innen blau ausgekleideten Schachtel aussteigen würden und in Hosen mit ebendiesen Farben tanzen würden ;)

Compliance-Hinweise: Fahrt und Aufenthalt in Salzburg werden vom Veranstalter, dem Toihaus Theater bezahlt.

Musik liegt in der Luft ...

Eine Sängerin, die selbst wenn sie eine Brücke über einer Badewanne macht, noch klar, rein, hell und kräftig singt und so „Geschenke“ bringt ist eines der Stücke des Theaterfestivals für sehr, sehr jungen Publikum (ab 1 Jahr). „BimbBam“ heißt es, wird vom Toihaus Theater organisiert und bringt von 4. März bis 1. April elf Gruppen aus fünf Ländern nach Salzburg und in angrenzende Regionen (OÖ und Bayern). Das Festival für Klein(st)Kinder findet zum sechsten Mal statt (alle zwei Jahre) und hat heuer nicht nur eine neue Leiterin, sondern mit ihr auch einen Schwerpunkt: „Musik liegt in der Luft...“. Möglichst Live-Musik war das Ziel von Katharina Schrott. Das Zusammenspiel von Tanz, Theater, Malerei und Musik in so manchen Stücken, laden zum Fliegen von Gedanken und Fantasie ein. Wichtig ist der neuen Leiterin genauso wie ihren Vorgängerinnen, professionelle, künstlerisch qualitativ hochwertige Produktionen für das jüngste Publikum, konkret für 1- bis 6-Jährige einzuladen.

Früh auf ganz junges Publikum gesetzt

Der Kinder-KURIER führte mit der neuen Leiterin, Katharina Schrott, vorab ein Telefoninterview. Die langjährige Theaterfrau – bislang allerdings AUF der Bühne (des Salzburger Toihaus Theaters) – ist schon in den vergangenen Jahren schrittweise in dieses Festival hinein gewachsen. „Aber die Gesamtleitung zu übernehmen, ist dann doch noch einmal ganz was anderes, fast wie ein Sprung ins kalte Wasser“, gesteht Schrott eine gewisse Verunsicherung, die sich gleich auch wieder relativiert, denn „das Bim Bam Festival ist wichtiger Teil des Toihauses und ich bin auch schon sehr lange hier.“

Die Gründerin und Leiterin dieses Theaterhauses in der Stadt Salzburg, Myrto Dimitriadou, hat schon sehr früh auch auf Produktionen für sehr junge Kinder gesetzt. „Unter dem Tisch“ war die allererste Produktion für die jüngsten Theaterbesucher_innen, es folgte „Und wer bist du?“ sowie „Hin und her“. Ausgehend von dieser Arbeit erfolgte auch die Suche nach internationalen Kontakte, Theatergruppen und -häusern die auch in diesem nicht gerade dicht beackertem Segment tätig waren und daraus entwickelte sich schließlich das Festival, das einzige seiner Art in Österreich – gegründet und bis zuletzt geleitet von Helga Gruber, die vor allem im Bereich Kulturvermittlung im Toihaus tätig war. Womit sich so „nebenbei“ aber seit 2007 „BimBam“ auch zu einem internationalen Treffpunkt entwickelte.

Möglichst Live-Musik

Katharina Schrott wuchs zunehmend in die Programmierung des Festivals hinein, übernahm im Vorjahr die Leitung und begann einen neuen Akzent einzubringen, erstmals steht das Festival unter einem Motto: „Musik liegt in der Luft...“ Auf dieser Basis gab es eine internationale Ausschreibung mit Bewerbungen bis hin nach Israel und Brasilien. Aufgrund des begrenzten Budgets reisen nun Gruppen nicht von allzu weit her an. Zu sehen – und hören! - sind Produktionen aus Österreich, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland... Viele davon hat die Festivalleiterin vor Ort oder bei anderen Festivals live erlebt, bevor sie sie eingeladen hat. „Ganz wichtig war mir bei der Ausschreibung und dann der Auswahl, dass es sich nach Möglichkeit um Live-Musik handelt. Das ist nun – mit Ausnahme von zwei Stücken – bei allen anderen der Fall. Bei „Fliegen & Fallen“ aus Berlin gibt es sogar erstmals Live-Musik – durch die Toihaus-Musikerin Yoko Yaghiari. Im Original spielt Theater o.N. das Tanzstück ohne Live-Begleitung.“

Analoges Erlebnis für Generationen

Da es ja – wie generell im Kulturbereich für Kinder - die Erwachsenen sind, die entscheiden, ob dies oder jenes besucht wird, muss bei der Programmierung immer auch, so Schrott, „darauf geachtet werden, alle anzusprechen. Außerdem ist diese Rückkoppelung der jungen und nicht ganz so jungen Besucher_innen total spannend und eine schöne Möglichkeit für Familien, etwas gemeinsam erleben zu können. Und bei Theater handelt es sich um ein analoges, ein direktes Erleben. Mit vielen verschiedenen Sinnen.“

Das Festival hat sowohl beim Publikum als auch bei den Künstler_innen in der internationalen Szene einen guten Ruf. Die Gründe dafür nennte Schritt: Gute Qualität zu günstigen Eintrittspreisen – dem Toihaus ist immer wichtig, keine elitäre Einrichtung zu sein/werden – zum einen sowie gute, vernetzende Atmosphäre für die Künstler_innen andererseits.

Begleitprogramm

Viel Wert legt das Festival und seine Leiterin auf ein umfangreiches Begleit- und Rahmenprogramm – für Kinder selbst, aber auch für Erwachsene mit künstlerischem Hintergrund. Für junge und jüngste Besucher_innen eröffnen die Impuls-Workshops zum Festivalmotto spielerisch-kreatives Herantasten an die Stücke. So erkunden Kinder etwa wie fällt was, eine Feder, zerknülltes Papier, ein Stein..., was ist fallen und was der Unterschied zu fliegen... („Fliegen und Fallen“). In einem weiteren Workshop – im Spielzeugmuseum – steht die Kombination von Sandmalerei und Musik auf dem Programm.

Die Master Class für Profis (Musik, Tanz, Performance) gab es schon bisher beim Festival, heuer war sie aber erstmals ausgeschrieben. Die Teilnahme an dieser Master Class bekommen jedenfalls auch zwei junge Künstler_innen, die in den Genuss des ausgeschriebenen Stipendiums kommen. Neben der Master Class können sie alle Vorstellungen kostenlos besuchen und direkten Kontakt zu den auftretenden Künstler_innen haben. Ganz neu beim nunmehr 6. Festival sind Hospitanzen für Studierendes des Mozarteums, die damit in die verschiedenen Berufsfelder des Theaters reinschnuppern dürfen.

Manches beim Festival wird finanziell erst durch die europäische Zusammenarbeit – www.smallsize.org – ermöglicht. 17 Partner aus 15 europäischen Ländern sind an diesem internationalen Kooperationsprogramm beteiligt, das Toihaus von Anfang an und wird international sowohl wegen seiner Kontinuität als auch der künstlerischen Impulse geschätzt.

Was? Wer?

kartOOOn (1,5 bis 5 Jahre)TOIHAUS THEATER in Kooperation mit Under Construction

Idee, Entwicklung: Mirjam Klebel Tanz, Performance, Musik: Julia Schwarzbach, Nic Lloyd, Gudrun Raber-Plaichinger

Künstlerische Begleitung: Myrto Dimitriadou Choreografische Begleitung: Katharina Schrott Komposition: Gudrun Raber-Plaichinger Bühne, Kostüm: Ragna Heiny Technik, Licht: Alexander Breitner und Robert Schmidjell Mit Unterstützung von Small Size, darstellende Kunst für die Allerkleinsten

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