Leben | Kiku 05.12.2011

Baby-Scheiße führte zum Erfolg

© Bild: Heinz Wagner

Schüler probieren zu Wirtschaften. Und entwickeln für einen Wettbewerb von BCG eine Geschäftsidee samt Businessplan.

Update: 5. September 2017: Auf Ersuchen der Familie wird der Name der - damals - kleinen Schwester aus dem Artikel entfernt.

Ach wie gut, dass Alexei Z. aus dem Wiener Theresianum eine ganz junge Schwester hat. Sie verrichtet ihre Geschäfte wenn nicht in Windeln, dann ins Töpfchen. "Nicht angenehm zu putzen, unhygienisch und stinkt", meinte der große Bruder. Und dachte sich gemeinsam mit drei Schulkollegen Abhilfe aus - und machte daraus eine Geschäftsidee. Er sowie Andy Wang, Han Sung Kim und Marcus Schmid entwickelten im Wahlpflichtfach Wirtschaft 2 einen businessplan für Pot Pants.In den Topf kommt eine Art Windeleinlage - flexibel und passend auf unterschiedliche Fabrikate. Reingemacht, weggeworfen.
Der Idee folgte die Recherche, wer die Einlagen wo zu welchem Preis herstellen könnte. Nächster Schritt: Entwicklung eines Businesskonzepts - inklusive Marktforschung, SWOP-Analyse, drei verschiedenen Szenarien usw. Damit gewannen die vier Jungs diese Woche das Regionalfinale (Österreich, Schweiz, Italien) des Bewerbs business@school. Der wird seit 13 Jahren von der Boston Consulting Group (BCG) organisiert.
Der Heimsieg (diesmal wurde das Regionalfinale im Theresianum ausgetragen, die anderen sechs fanden in Deutschland statt) bringt den Topf-Windel-Verkäufern die Teilnahme am Europa-Finale in München Anfang Juni ein.

Zwei Mal Rad

Jubelnde Schüler aus dem Wiener Theresianum: Mit ihrer Topf-Einlagen-Idee gewinnen sie das Business@School-Regionalfinale.
© Bild: Heinz Wagner

Den zweiten Platz teilen sich die anderen drei Regionalfinal-Teams - aus Zürich (Kantonsschule Enge), Mailand (Istituto Leone XIII) und Wien (Gymnasium Döbling). Die beiden letztgenannten Teams punkteten mit Business-Ideen rund um Fahrräder.
Die Crew aus Italien wollte im Trockenen radeln - allerdings nicht auf dem Hometrainer, sondern auch bei Regen draußen Strecken zurücklegen. Die Online-Recherche führte sie auf - Regenschirme mit stabilen Speichen samt entsprechender Halterung. "In China, Japan, Südamerika aber auch Großbritannien wird dieses System schon eingesetzt. Wir würden es importieren und verkaufen", erläutern die jungen ItalienerInnen, die in Ferrara eine Markterhebung dazu durchgeführt haben. Und auch die potenziellen Vertriebskanäle untersucht haben.
Der weite Weg von ihren elterlichen Wohnungen zur U-Bahn veranlasste die Döblinger Jugendlichen über eine Rad-Öffi-Kombination nachzudenken. "Mit normalen Falt- oder Klapprädern schaust aber komisch aus", meinten sie. So gruben sie eine mittlerweile lizenzfreie Erfindung aus. Das 24-Zoll-Vorderrad lässt sich ins 28-Zoll-Hinterrad reinklappen - groß und doch sehr flach.

Griller im Zwerg

Jubelnde Schüler aus dem Wiener Theresianum: Mit ihrer Topf-Einlagen-Idee gewinnen sie das Business@School-Regionalfinale.
© Bild: Heinz Wagner

Xenia Boulamatsis klappt den kleinen Gartenzwerg in der Leibesmitte nach hinten -und zum Vorschein kommt ein Gitter. "Das ist unser Gartenzwerg-Griller", beginnt sie mit Schwyzerdütsch vor der Präsentationstafel am Gang zu erklären. Drinnen vor der Jury aus hochrangigen Wirtschaftsleuten (u. a. Micrososft-Österreich-Geschäftsführerin Petra Jenner, Martin Winkler von Oracle u. a.) wird natürlich Englisch vorgetragen und mit den Fachleuten diskutiert. Sophia Zgraggen, Virginia Borruso, Alexandra Brunner und Dunladda Moragon und ihre Kollegin können nicht nur alle Kalkulationen schlüssig erläutern. Die rund 70 Zentimeter großen Zwergengriller würden auch einem Trend zur "Vermenschlichung" des Designs von Haushaltsgeräten entsprechen. Sie entkräften auch humorvoll die skeptische Haltung des BCG-Vertreters, wonach Grillen doch eher ein Männer-Hobby wäre. "Bei uns in der Schweiz gehen vor allem Studierende gern zum Grillen an den See, auch viele Frauen. Außerdem wollen wir mit unserer Linie Niemand ist lustiger als wir vielleicht osgar mehr Frauen zum Grillen bringen."

Mehr als 2000

Jubelnde Schüler aus dem Wiener Theresianum: Mit ihrer Topf-Einlagen-Idee gewinnen sie das Business@School-Regionalfinale.
© Bild: Heinz Wagner

In diesem Schuljahr reichten mehr als 2.000 Jugendliche aus mehr als 70 Schulen Projekte ein und beteiligten sich an regionalen Ausscheidungen. Sie werden von rund 500 Unternehmensvertretern ehrenamtlich betreut. Begonnen hatte die Sache 1998 mit zwei Schulen. Seit 2005 findet auch ein eigener Bewerb in Singapur statt.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011