Kiku
21.12.2017

Denkmal für eine bessere Zukunft

Ausstellung aus Yad Vashem über Träume und Hoffnungen von Kindern im Holocaust derzeit im Wiener Hamakom (Theater Nestroyhof)

„Ach, aus dieses Tales Gründen
Die der kalte Nebel drückt
könnte ich doch den Ausweg finden
Ach wie fühlt ich mich beglückt“

(Nicht nur) diese Zeilen dichtete Anni Hazkelson in ihrem Tagebuch, das sie im Alter von elf bis 16 Jahren führte. Dem vertraute sie auch an, dass sie ihre Gedichte gern in der Kinderecke einer Zeitung veröffentlicht sehen würde. Später wolle sie in einer Zeitung und als Schriftstellerin arbeiten.

Dazu konnte es nicht kommen. Das Mädchen, das mit seiner Schwester und den Eltern in der lettischen Hauptstadt Riga lebte, wurde nach der Besetzung durch die Truppen Nazi-Deutschlands wie alle Jüdinnen und Juden vertrieben und wie rund eineinhalb Millionen Kinder und Jugendliche ermordet.

Annis Tagebuch wurde nach dem 2. Weltkrieg auf dem Dachboden eines Hauses in Nürnberg gefunden. Es wird angenommen, dass es ein deutscher Soldat aus Riga mitgenommen hatte. Kopien einiger Seiten ihres Tagebuches sind in einer Vitrine auf einer Schultafel zu sehen und dazu Fotos von ihr und ihrer Schulklasse.

Leere Klasse, Tafeln mit Bildern, Texten, Fotos echter Kinder

Diese grüne Schultafel ist – so wie zwölf weitere – derzeit im Kellergewölbe des Hamakom (Theater Nestroyhof, Wien) zu sehen – rundherum knapp vor den Wänden hängend womit sich im Inneren sozusagen ein leeres Klassenzimmer ergibt. Die im Gedenkzentrum Yad Vashem (Israel) erstellte Ausstellung „Ein Denkmal guter Taten - Träume und Hoffnungen von Kindern während des Holocaust“ stellt einzelne Kinder und Jugendliche, ihr (kurzes) Leben, ihre Wünsche, Träume und Hoffnungen vor. Etliche der Kinder und Jugendlichen – von denen die meisten ermordet wurden und nur wenige den Holocaust überlebten – drückten ihre Gedanken und Gefühle kreativ, künstlerisch aus – von Gedichten der genannten Anni Hazkelson über Zeichnungen und Gemälde. Was zeigt, dass durch das mörderische Nazi-Regime nicht nur Leben zerstört, sondern der Gesellschaft auch viele weitere Kunstwerke vorenthalten wurden.

Notiz auf einem Zettel im Wald

Der Ausstellungstitel geht auf die zehnjährige Donya Rosen zurück, die als sie im Wald versteckt lebte, auf ein Stück Papier schreib: „Ich möchte, dass ihr uns ein Denkmal baut – ein Denkmal, das bis zum Himmel reicht, ein Zeugnis, das die ganze Welt sieht: Nicht aus Marmor oder Stein, sondern aus guten Taten. Ich bin mir sicher, dass ihr nur durch solch ein Denkmal eine bessere Zukunft für euch und eure Kinder schaffen könnt.“

Was? Wann? Wo?

„Ein Denkmal guter Taten - Träume und Hoffnungen von Kindern während des Holocaust“
Ausstellung aus Yad Vashem

Bis 31. Januar 2018 (geschlossen vom 23. Dezember 2017 – 7. Januar 2018)
Montag bis Freitag, 10 – 16 Uhr
1020, Nestroyplatz 1
Telefon (01) 890 88 36
www.hamakom.at

Für Schulklassen gibt es spezielle Führungen.
Anmeldungen: info@millisegal.at