© Ani Antonova

MQ-Zoll
09/18/2013

"Amtskappl" wirkt

Was selbst eine Pseudo-Uniform, ein Amtskappl und ein schroffer Ton bewirken (können)

Wo woll ma denn hin?“
„Nur da durch zur U-Bahn!“
„Aber Sie wissen scho, dass des a Kunstareal is. Aus Steuergeldern, Da geht’s um den Kunstgenuss!“
„I will nur da schnell durch!“
„Aber halten’s a biss inne und atmen’S wenigsten a bissl Kunst ein!“

Dienstag Abends steht im Rahmen des Passagen-Projekts im Wiener MuseumsQuartier beim Eingang von der Mariahilfer Straße ein Kobel mit Kamera, Zoll-Schranken und ein beinahe martialisch dreinschauender Wachter – mit Pseudo-uniform-Jacke, Amtskapperl, dunkler Brille und Stopp-Kelle.

Die im kleinen Hof stehenden Besucher_innen des Passagenprojekts ahnen: „Das ist eine Performance“.
Doch Menschen, die von draußen kommend in den Hof wollen, reagieren höchst unterschiedlich. Da sind nicht wenige, die den Schranken und den Wächter sehen und gleich von vornherein umdrehen, um bei einem anderen Eingang zu versuchen, ins MQ zu gelangen.
Andere reißen freiwillig und ungefragt ihre Taschen auf, um zu zeigen, dass sie ja nix Gefährliches oder Illegales drin haben.
Hin und wieder fragt der „Uniformierte“ nach einem „Kunstvisum“. Ein älteres Paar bleibt verwundert stehen, die Dame: „Aber wir sind im Museum angemeldet“, sagt artig ihren Namen, mit Betonung auf dem Dr.-Titel davor, lauscht dem (fiktiven) Handytelefonat des „Kunst-Zöllners“ mit dem Museum, um nach der Erlaubnis erleichtert zu passieren.

Kunstgenuss

Doch gleichzeitig steht die ganze Zeit Futurelove Sibanda, in Wien lebender Schauspieler, Tänzer, Performer aus Bullawayo (Simbabwe) vor dem Schranken, immer wieder vom Wächter angeherrscht, „na, ham’S ein Kunstvisum, zeign’S ma den Pass…!“

Darauf reagiert das ältere akademische Kunstgenießerpaar ebenso wenig wie die meisten anderen. Nur eine Radlerin, die zu einem Bekannten will, der auf der anderen Seite des Schranken steht, meint, „na, da nehma den Herrn aber auch gleich mit rein!“
Als der Zöllner verweigert, kommt ihr Bekannter raus und das junge Paar verlässt das MQ.

Lediglich ein langhaariger, bunter Mann versucht, dem Dunkelhäutigen beizustehen. Es gelingt jedoch praktische niemanden auf ihrer beiden Seite zu ziehen.

Steigerungsfähig

Zum Glück war’s nicht immer so, der „Kunst-Zöllner“ Stephan Rabl, Direktor des MQ-Kinder- und Jugendtheaterhauses Dschungel Wien, weiß zu berichten, dass es schon auch Abende gegeben habe, wo er von Passant_innen wegen seines offensichtlich rassistischen Aussortierens Passierwilliger angegangen worden sei.
Doch Zivilcourage selbst kulturinteressierten Publikums erweist sich hier als doch noch ziemlich verbesserungswürdig!

Kunst-Visum im MQ

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