Letztlich, so die kleine Theater-Performance, ergibt sich: MENSCHENRECHTE SIND FĂśR ALLE DA

© Heinz Wagner

Aktionstag
12/03/2015

Auch ALLE muss rein!

Kleine Theaterperformance zum Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung.

von Heinz Wagner

Ein mit schwarzem Klebeband gekennzeichnetes Viereck ist die „Bühne“ bei der „Stock-im-Eisen-Platz“ benannten Ecke des Wiener Stephansplatzes. Hier fand am 3. Dezember, dem Internationalen Tag der Menschen mit Behinderung, eine öffentliche Aktion der Selbstvertreter_innen statt. Nicht (nur) andere sollen für sie sprechen, nein Betroffene wollen das auch selber tun, als Expertinnen und Experten für ihre eigene Situation. Jahr für Jahr mit einem andere Schwerpunkt und an einem anderen Ort.

Kleine Theaterperformance

Christian, Gerhard, Michaela, Sabine und Lucia begaben sich mit Kartontafeln mit verschiedenen Wörtern auf diese Bühne: SIND DA, MENSCHEN, FÜR, RECHTE. Das Geviert wird von Edith immer wieder umrundet. Sie geht die „Bühne“ mit dem Schild ALLE um den Hals ab. Sie will auf die Bühne zu den anderen. Und wird immer wieder mit Schirmen, die die anderen aufgespannt haben, abgehalten, daran gehindert, sich zu den anderen zu begeben. Eben be-hindert. Ein schönes Bild dafür, dass manche Behinderungen sich dadurch ergeben, dass Hindernisse auf- oder zumindest nicht abgebaut werden.
Nach einigem szenischen Hin und Her, stellen sich die fünf zusammen zu MENSCHENRECHTE SIND FÜR DA – und lassen endlich auch die sechste Mitwirkende mit ALLE auf ihre „Bühne“, natürlich zwischen sind und für.

Forderungen

Die Selbstvertreter_innen wählten dieses Motto für ihre diesjährige Aktion und wiesen in Ansprachen, gehalten von Ossi Föllerer, auch darauf hin, „weil wir brauchen
* mehr Bewusstsein fĂĽr Behinderungen und verschiedene Kulturen
* gegenseitiges Verständnis und Respekt
* mehr Dienstleistungsangebote
* mehr Unterstützung in verständlicher Sprache
* mehr Informationszentren schaffen
* mehr Informationen und UnterstĂĽtzung bei der Arbeitssuche
* gute Freizeitmöglichkeiten
* umfassende Hilfe fĂĽr Menschen mit Behinderungen, die auf der Flucht sind und nach Ă–sterreich kommen
* verantwortungsvolle Medien, um Infos zu bekommen und austauschen zu können“.

Lebkuchen

Mit dem „Ja zur Inklusion“-Lebkuchen überreichen SelbstvertreterInnen der Lebenshilfe ihre Forderungen für mehr Teilhabe und Selbstbestimmung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung an politische Entscheidungsträger in ganz Österreich. Auf Bundesebene werden Sozialminister Rudolf Hundstorfer, Innenministerin Mikl-Leitner und Behindertenanwalt Erwin Buchinger sowie VertreterInnen von Gesundheits- und Justizministerium und der Volksanwaltschaft die aktuellen Anliegen der SelbstvertreterInnen übergeben. Ziel ist die Einbindung von Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung (auch Schutzsuchende/ Menschen mit Migrationshintergrund) bei allen wichtigen, die eigene Lebensweise betreffenden Entscheidungen.

rechtleicht.at

Die Inklusive Lehr-Redaktion des KURIER, die in leichter Sprache Beiträge für die Website rechtleicht.at bzw. eine Facebookseite verfasst, wurde auch über die Aktion berichtet.

Hier geht's zum Bericht der Inklusiven Lehrredaktion

Mehr Fotos vom Aktionstag, siehe "Bilder"!

.... vom Aktionstag

Internationaler Tag der Menschen mit Behinderung

Seit 1993 dient dieser von der UNO ausgerufene Tag zur Sensibilisierung für die Anliegen von Menschen mit Behinderung weltweit. Im Forum Selbstvertretung setzen sich seit der Gründung im Jahr 2011 Selbstvertreterinnen und Selbstvertreter der Organisationen Caritas, Diakonie, Jugend am Werk, Lebenshilfe sowie von Vienna People First – gemeinsam ans Werk, aktiv für die Anliegen von Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung ein. Koordiniert und unterstützt wird das Forum Selbstvertretung von der ÖAR, der Österreichischen Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, als Dachorganisation der Behindertenverbände über 75 Mitgliedsorganisationen mit insgesamt über 400.000 Mitgliedern in Österreich.

Viele Flüchtlinge mit Behinderungen werden entweder gar nicht oder nicht als Menschen mit Behinderungen registriert. Sie scheinen daher in Statistiken nicht auf und bleiben von Hilfe abgeschnitten. Laut Weltgesundheitsorganisation leben derzeit 15 Prozent der Weltbevölkerung mit einer Form von Behinderung. Umgelegt auf die Zahl der Flüchtlinge ist davon auszugehen, dass mehrere Millionen Menschen mit Behinderungen weltweit auf der Flucht sind.

SelbstvertreterInnenInnen fordern „Leichte Sprache“

Für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung ist es wichtig, Zugang zu Informationen in leicht verständlicher Sprache zu haben. „Texte in leicht verständlicher Sprache gibt es noch immer viel zu wenige, nicht einmal das Regierungsprogramm. Wie sollen wir uns denn informieren? Ob beim Arzt, wenn ich wählen gehe, oder etwas im Internet suche, ich bin auf Texte in Leichter Sprache angewiesen“, so Andreas Zehetner, Selbstvertreter der Lebenshilfe Niederösterreich. Piktogramme und einfache Sätze sind auch für Menschen mit wenigen Deutschkenntnissen leicht verständlich und können bei der Integration von Flüchtlingen helfen.

Weitere Forderungen betreffen bundeseinheitliche Mindeststandards, Informationen in Leichter Sprache, den personenzentrierten Ausbau von Unterstützungsangeboten sowie Rechtsanspruch auf persönliche Assistenz und Lohn statt Taschengeld für die Beschäftigung in Werkstätten.

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