Kiku
02.02.2017

"Ich philosophiere gern übers Leben"

Telefon-Interview mit 14-jähriger Verfasserin eines sehr reifen Textes mit Lebensweisheiten aus Orhei (Republik Moldau).

„Um Erfolg im Leben zu haben, sollten Sie immer drei Schätze mit sich tragen: Der erste Schatz ist die Sanftmut, denn damit gestalten Sie das Leben schöner.
Der zweite Schatz, um erfolgreich im Leben zu sein, ist die Ehrlichkeit. Mit dieser Eigenschaft werden Sie der Welt helfen können und sie einfacher machen.
Als dritten Schatz sollten Sie Bescheidenheit besitzen. Die Bescheidenheit ist sehr wichtig. Wenn Sie mit dieser Begabung ausgestattet sind, werden Sie keinen Luxus mehr brauchen, um glücklich zu sein...“

Das schrieb die damals 13-jährige (nennen wir sie) Albena aus der Republik Moldau, genauer aus der rund 30.000-Einwohner_innen-Stadt Orhei (rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Chișinău entfernt). Das Mädchen lebt seit zwei Jahren in einem Sozialprojekt von Concordia. „Vorher hab ich in einem großen Kinderheim mit 300 Kindern gelebt“, erzählt sie dem Kinder-KURIER.

„Ich philosophiere gerne über das Leben, über alles und nichts“, bekennt die junge, mittlerweile 14-jährige Autorin auf die Frage, wie es zu dem doch sehr reflektierten Text kam. „Ich lese auch sehr gerne und über die drei Schätze hab ich ein Zitat in einem Buch gefunden. Das hat genau die Gefühle und Gedanken, die ich spürte und hatte, ausgedrückt. Es war das, was ich irgendwie gesucht habe.“

Weihnachtsbrief

Ausgehend von den eingangs zitierten Sätzen formuliert Albena viele weitere kluge Lebensweisheiten. Die Sozialprojekte-Organisation, die vor 25 Jahren von Österreich ausgehend mit der Betreuung von Straßenkindern in der rumänischen Hauptstadt Bukarest begonnen hatte, betreibt heute Einrichtungen in den genannten beiden Ländern sowie in Bulgarien und Österreich selbst. „Concordia“ versandte die – ins Deutsche übersetze – sehr reife, wunderschöne Geschichte vor zwei Monaten als „Botschaft“ an Unterstützter_innen.

Der Kinder-KURIER wollte mehr über die junge Autorin, die hinter diesem Text steckt, erfahren. Ende Jänner wurde der Kontakt hergestellt, es kam zu einem Telefon-Interview, bei dem der junge zweisprachige Österreicher Livian Enachescu, der seinen Zivildienst bei Concordia-Orhei leistet, übersetzte. Er war übrigens im Schuljahr 2012/13 einer der Sieger_innen des mehrsprachigen Redebewerbs „SAG’S MULTI!“, hat im Jahr darauf am Programm „Konnex“ teilgenommen und war dabei mit einigen seiner mehrsprachigen Kolleg_innen bei einem Zeitungs-Workshop im Kinder-KURIER – wo er über Glück geschrieben hat.

Zurück zu Albena: In ihrem jungen – und durch Schicksalsschläge doch auch schon sehr erfahrenen Leben – „hat mich aber noch eines sehr fasziniert: Die Erkenntnis, dass es wichtig ist, nach Möglichkeit immer die Wahrheit zu sagen, aber auch möglichst niemanden zu verletzen.“ Auch das kommt in ihrem Text vor:
Die - auf Deutsch übersetzte - Vollversion anbei als .pdf-Datei gibt's

hier zum Runterladen
.
Und die rumänische Version
hier

Suche nach Lebensweisheiten

Bis zum Herbst, so gesteht Albena, „habe ich nicht so viel geschrieben, nur für die Schule. Aber dann habe ich angefangen, auch das, worüber ich nachgedacht und philosophiert habe, aufzuschreiben.“ Auf Nachfrage berichtet Albena: „Ich schreibe mit einem Stift auf Papier und korrigiere immer wieder, schreibe was dazu, aber die wichtigsten Inhalte, die vorkommen sollen, überlege ich mir schon vorher. Diesen Text über die Lebensweisheiten aber habe ich in einem durchgeschrieben.“

Auf die Frage nach ihren liebsten Freizeitbeschäftigungen antwortet Albena: „Ich schau gern im TV und im Internet nach Musik-Videos, mag auch Horrorfilme, weil die auch oft starke Gefühle spiegeln. Und wenn ich lese, dann am liebsten auf Russisch, weil mir diese Sprache besser gefällt als Rumänisch. Dafür gehört in der Schule Rumänisch neben Mathematik zu meinen Lieblingsfächern.“

Abschließend sei noch einmal aus Albenas Text zitiert: „Hören Sie niemals auf zu lächeln, nicht einmal dann, wenn es Ihnen miserabel geht, weil man niemals weiß, wem sie damit helfen können. Indem sie lächeln.“

www.concordia.or.at