Leben 13.03.2013

Die soziale Wasserratte

Der KURIER-Tiercoach stellt die häufigsten Irrtümer über Katzen richtig. Sie sind weder Einzelgänger noch absolut wasserscheu

Kreuzt eine schwarze Katze den Weg, droht Unglück. Quert dagegen ein dreifarbiger Vierbeiner den Pfad, bringt das Glück. Putzt sich das Tier gegen den Haarstrich, folgt Regen. Das passiert auch, wenn die Katze Gras frisst. Kratzt sie am Tischbein, zieht bald Wind auf. Geht sie länger nicht außer Haus, so wird es kalt: Rund um Katzen rankt sich reichlich Aberglaube. Doch auch Irrtümer halten sich hartnäckig.
Katzen leben schon seit dem alten Ägypten mit Menschen zusammen. Trotzdem gibt es immer noch viel Unwissen. Es betrifft vor allem das Sozialverhalten der Heimtiere und ihre Ernährung“, sagt KURIER-Tiercoach Dagmar Schratter. Die Direktorin des Tiergarten Schönbrunn kennt die weitestverbreiteten Fehlinformationen und stellt sie richtig.
Irrtum 1 Katzen sind Einzelgänger: Studien und Erfahrungen von Haustierbesitzern zeichnen ein anderes Bild. Katzen sind zwar keine Rudeltiere, das liegt in der Natur der Hunde. Doch die Jahrtausende währende Domestikation hat die Stubentiger zu sozialen Tieren gemacht. Ist genug Futter vorhanden, schließen sich sogar Streuner zu Gruppen zusammen. Kommen zwei Jungtiere gleichzeitig in einen Haushalt, werden aus ihnen die besten Spielgefährten. Gerade für eine Wohnungskatze ist ein Artgenosse Bereicherung.
Irrtum 2 Katzen schnurren, wenn es ihnen gut geht: Tatsächlich legen Vierbeiner ihr rhythmisches Brummen vor allem bei Wohlbefinden an den Tag. Doch das Geräusch kann auch auf Stress hinweisen oder Angst ausdrücken. Zudem schnurren Katzen, wenn sie Schmerz empfinden. Das menschliche Ohr nimmt die feinen Untertöne nicht wahr. „Man muss das Schnurren immer in Kombination mit dem Verhalten des Tieres beurteilen“, sagt Schratter.
Irrtum 3 Katzen landen immer auf vier Beinen: Katzen sind hervorragend im Klettern. Trotzdem sind sie nicht immer trittsicher, mitunter stürzen sie ab. Ein Stellreflex sorgt dann dafür, dass sich die Akrobaten im Fall drehen und auf den Pfoten landen. Allein: Das Wendemanöver funktioniert nur, wenn ausreichend Zeit ist. Beim Aufprall aus großer Höhe führt die Wucht zu Knochenbrüchen – vier Beine hin oder her. Die sagenhaften sieben Leben gibt es nicht.
Irrtum 4 Alle Katzen sind wasserscheu: Katzen kommen ursprünglich aus trockenen Gegenden. „Wasser ist nicht gerade ihr Element“, sagt der KURIER-Tiercoach. Viele Vierbeiner bleiben bei Regen lieber zu Hause, die meisten laufen davon, wenn sie angespritzt werden. Fast alle bevorzugen es, sich selbst zu putzen, anstatt gebadet zu werden. Aber: Es gibt auch Katzen, die gerne mit den Tropfen aus der Wasserleitung spielen. Es kommt immer wieder vor, dass Vierbeiner am Rand der Badewanne sitzen und ins Wasser pratzeln. Und es gibt Tiere, die im Fischteich fischen. Die Vankatze, eine seltene Rasse aus dem Osten der Türkei, ist auch als Schwimmkatze bekannt. „Hauskatzen sind in Bezug auf Wasser sehr unterschiedlich“, fasst Schratter zusammen.
Irrtum 5 Satte Katzen jagen nicht: Katzen können nicht widerstehen, das Jagen liegt in ihren Genen. Visuelle und akustische Reize verlocken Vierbeiner, auch mit vollem Magen auf Beutefang zu gehen. Vogel und Maus sind eine allzugroße Verlockung. „Man kann den natürlichen Trieb durch Spiel ein bisschen kompensieren, aber Katzen bleiben in Summe immer Jäger“, sagt die Expertin. Sie ist überzeugt, dass Freigänger erfüllter leben als Stubentiger, und dass die ausgeräumte Landschaft dem Vogelbestand mehr zusetzt als Katzen.
Irrtum 6 Katzen wissen, was giftig ist: Katzen sind keineswegs allwissend, dazu aber sehr neugierig. Immer wieder müssen Vierbeiner mit Vergiftungserscheinungen wie Erbrechen, Durchfall, Krämpfen, Speicheln, Zittern, Gleichgewichtsstörungen, Atemnot oder Bewusstlosigkeit tierärztlich behandelt werden. Katzenhalter sollen u.a. auf Dieffenbachie und Prachtlilie verzichten sowie auf Buchsbaum und Seidelbast. Schneckenkorn kann tödlich sein.
Irrtum 7 Katzen kann man nicht erziehen: „Katzen sind sehr wohl lernfähig“, betont Schratter. Die Vierbeiner sind mitunter eigensinnig. Sie haben im Gegenteil zum Hund nicht den Willen, dem Rudelführer zu gefallen. Doch mit positiver Verstärkung, Belohnung in Form von Leckerlis und Streicheleinheiten sowie mit der nötigen Konsequenz funktioniert Erziehung auch bei Katzen. Wer sein Heimtier nicht am Tisch oder im Bett haben will, kann das mit der richtigen Methode verhindern bzw. abstellen.
Irrtum 8 Katzen trinken am liebsten Milch: „Milch gehört nicht in den Ernährungsplan von ausgewachsenen Katzen“, sagt die Expertin. Sind Katzenbabys von der Mutter entwöhnt, verlegen sie sich aufs Fleischfressen. Nur Tiere, die ihr ganzes Leben kontinuierlich Milch konsumieren, vertragen das fette Kuhprodukt. Bei z. B. Bauernkatzen, die ihre tägliche Schüssel Milch bekommen, bleibt das für die Laktose-Aufspaltung zuständige Enzym aktiv. Gelegenheitstrinker verlernen die Verdauung. Bei ihnen verursacht Milch Blähungen und Durchfall. Spezielle Katzenmilch ist nährstoffreich und Teil des Futters, das gilt auch für gewässerte Kondensmilch. Katzen stillen ihren Durst am Besten mit Wasser.
„Wissen und Aufklärung schützt vor Tierleid“, ist der KURIER-Tiercoach überzeugt. Mit dem Aberglauben kann es jeder halten, wie er will.

( Kurier ) Erstellt am 13.03.2013