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Ein Kabarettist als Gemüsebauer: Von wegen Bio-Schmäh
07/27/2015

Ein Kabarettist als Gemüsebauer: Von wegen Bio-Schmäh

Pepi Hopf ist im Hochsommer mehr Bauer im Marchfeld denn Kabarettist auf der Bühne.

von Uwe Mauch, Jeff Mangione

Es ist wieder einmal so weit: In der Republik hat sich der Schritt verlangsamt. In den Büros und Amtsstuben ist es deutlich ruhiger geworden. Dafür wird es auf Autobahnen, Flughäfen und in Fernreisezüge eng. Es ist die Zeit der Urlaubsvertretungen und der Ferialpraktikanten. Es ist wieder Saure-Gurken-Zeit.

Der Biobauer und Kabarettist Pepi Hopf hat dagegen alle Hände voll zu tun. Mit der Gurke. Der 45-jährige Spross einer Simmeringer Gärtnerfamilie steht in diesen Tagen öfter auf dem Feld als auf der Bühne. Seine Gurken wachsen in der Großgemeinde Haringsee im Marchfeld. In einem seiner Programme verortet Hopf seine zweite Heimat so: "Wenn Sie zum Ende der Welt wollen, sind Sie in Haringsee schon zu weit."

Schnupfen im Traktor

Bald nach Sonnenaufgang zieht es den Quereinsteiger zu seinen Gurken, Paradeisern, Paprika, Zucchini, Melanzani, Erdäpfel. Ernte-Zeit! "Ich hole mir hier ein Stück meiner Kindheit zurück", erzählt Hopf, der vor vier Jahren für sich ein zweites Standbein neben dem Kabarett (www.pepihopf.at) entdeckt hat.

Die Feldarbeit habe ihm zu mehr Bodenhaftung verholfen. "Es wird dir als Bauer schnell klar, wie viel du für zehn Cent rennen musst." Anders als im Kabarett kann der gelernte Gärtner wieder unter freiem Himmel mit den Jahreszeiten arbeiten.

Da kommt man leicht auf andere Gedanken. Zum Beispiel kann man sich fragen, warum alle Paradeiser im Supermarkt gleich rot sind und die Konsumenten dort auch für das Gewicht der Rispen zur Kasse gebeten werden. Oder man fragt sich, wohin all die Gurken-Bauern verschwunden sind.

Stoff für ein neues Programm? Pepi Hopf läuft zwischen seinen rasant reifenden Gurken zur Hochform auf: "Einen Bauern erkennst du bei uns daran, dass er auch im Hochsommer kaasweiß ist und dass er von der Klimaanlage in seinem Traktor einen Schnupfen hat."

So wie Fernfahrer würden die zur großen Fläche Getriebenen ihre Felder auf- und abfahren. Der zugereiste Biobauer aus Simmering wirkt mit seinen drei Feldern, die in etwa so groß wie drei Fußballplätze sind, wie ein Delikatessgurkerl neben ausgewachsenen Zucchini-Bomben. Das Verschwinden der Bauern würde auch der ÖVP schaden, sorgt sich der Kleine unter den Riesen: "Irgendwann wird man sich wundern, dass die fünf Großbauern, die übrig geblieben sind, nur fünf Wählerstimmen einbringen."

Am Freitag verkauft Pepi Hopf sein Gemüse vor seinem Haus in Haringsee, am Samstagvormittag vor einem seiner Felder in Fuchsenbigl. Außerdem beliefert er zwei Mal pro Woche fünf Bioläden in Wien. Dabei ist er auch als Euphoriebremser und Volksaufklärer gefragt: "Ich bin immer wieder erstaunt, wenn jemand im April frische Paradeiser kaufen möchte."

Seine gerade Art gefällt nicht allen in Haringsee und Umgebung. Einer, der sich zuerst um die Einrichtung seines Hauses und dann um die Fassade kümmert (weil ihm das Wohlbefinden seiner Familie wichtiger ist als die Nachrede der Nachbarn), wird weder in Simmering noch im Marchfeld zum Establishment gezählt.

Saures aus Österreich

Sauer stößt dem aufmerksamen KURIER-Leser auch der Umgang seiner Landsleute mit den Flüchtlingen auf: "Man kann sich eigentlich nur genieren, wie sich diese Regierung von den Blauen vor sich hertreiben lässt. Dass wir keine Menschen mehr aufnehmen können, ist lächerlich." Es wäre nicht der Hopf, hätte er nicht längst Haringsees Bürgermeister bedrängt, die leer stehende Gemeindewohnung für eine Flüchtlingsfamilie zu öffnen.

Inzwischen wachsen die Gurken ins Unermessliche. Auf die Frage, warum er als Biobauer derart entspannt wirkt, sagt Pepi Hopf mit einem Achselzucken: "Im Prinzip mach’ ich nichts anderes als mein Großvater. Mit einer Ausnahme: Dass der Opa vom Gemüse leben musste."

Ehrlich währt am längsten, weiß auch der Gemüsebauer. Persönlich, gibt er ganz offen zu, hält er es mit dem Bullen von Tölz: "Das beste G’müs is a Fleisch."

Der Gärtnersohn

Pepi Hopf wurde 1970 in Wien geboren und wuchs als Sohn einer Gärtnerfamilie in Simmering auf. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Friedhofs- und Ziergärtner.

Der Kabarettist

Seit dem Jahr 1996 arbeitet Hopf als Solokabarettist, er tritt v. a. in Österreich und Deutschland auf. Derzeit läuft sein elftes Programm: Anonymer Optimist. Mehr Infos: www.pepihopf.at.

Der Biobauer

Ursprünglich wollte er nur ein Feld für die Familie beackern. Doch dann waren da so viele Gurken, Paradeiser und Zucchini. Der gelernte Gärtner fand so zurück zu seinen Ursprüngen.

Der Fußballgott

Sein langjähriger Bühnenpartner Klaus Eckel und Hopf-Fan Michael Hybl haben sich zum 40er mit einem aufmunternden Präsent eingestellt: Sie befestigten an der Einfahrt von Haringsee ein großes Schild mit der Aufschrift „Pepi Hopf, Fußballgott!“ Der nimmer- müde Marchfeld-Messi performte jahrelang beim SV Haringsee, in der 2. Klasse Marchfeld Süd.

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