© APA/dpa/Frank Leonhardt

Leben
07/08/2015

Kinderbetreuungsmodell gefordert

Mit der niedrigsten Geburtenrate weltweit, ist in Deutschland der Wunsch nach mehr Unterstützung für Kinderbetreuung groß.

Jedes zweite deutsche Elternpaar wünscht sich von der Regierung mehr Unterstützung für partnerschaftliche Kinderbetreuungsmodelle. Obwohl viele Männer gerne mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen, sieht die Realität oft anders aus.

Deutschland hat weltweit die niedrigste Geburtenrate der Welt. Laut Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) liegt der Grund bei den Unionspolitikern in Westdeutschland, die berufstätige Frauen mit Kinderwunsch mit ihrem „Rabenmutter“-Klischee abschrecken.

Auch Renate Köcher vom Meinungsforschungsinstitut Allensbach meint, dass Frauen mehr Lust auf Kinder hätten, wenn man sich an den Franzosen orientieren würde. Frankreich gilt nämlich als das Vorbildmodell schlechthin, wenn es um Kinderbetreuungspolitik geht.

Frau Köcher fand in der Studie „Weichenstellungen für die Aufgabenteilung in Familie und Beruf“ heraus, dass die klassische Arbeitsteilung in der Familie nicht wegen den jungen Vätern so beharrlich anhält. Laut Studie, würden 52 Prozent aller befragten Väter von Kleinkindern, gerne die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. In der Realität sieht es allerdings anders aus: Lediglich 18 Prozent der jungen Väter teilen sich die Verantwortung für ihren Nachwuchs mit ihrer Partnerin 50:50 auf.

Ein weiteres Ergebnis beweist, wie groß die Kluft zwischen den Wünschen und der Wirklichkeit der jungen Familien ist. 28 Prozent der befragten Mütter und Väter erklären, dass ihr Idealmodell aus einer Teilzeitbeschäftigung beider Elternteile, bestehe. Gelebte Praxis war das aber nur in vier Prozent der Fälle.

Nur woran liegt das? Laut den Wissenschaftlern, gibt es vier Gründe: Im Schnitt verdienen Frauen rund 22 Prozent weniger als Männer. Deswegen sind junge Familien aus finanziellen Gründen schnell mal gezwungen, an dem traditionellen Modell festzuhalten: Der Vater geht arbeiten und die Mutter bleibt zuhause und versorgt die Kinder. Weitere Gründe könnten die fehlende Flexibilität vieler Betriebe bei der Gestaltung von Arbeitszeiten und die mangelnde Anzahl von Kindergärten darstellen. Abgesehen davon, übt noch immer das vorherrschende „gesellschaftliche Leitbild“ einen großen Einfluss auf die Ansichten der Familien aus.

Bei der Untersuchung dieses Leitbildes, stellt man fest, dass etwa die Hälfte der jungen Eltern findet, „dass ein Kind in den ersten Jahren von der Mutter betreut werden sollte.“ Das traditionelle Hausfrauenmodell wird allerdings nur von einer Minderheit befürwortet – im Westen 18 Prozent, im Osten gerade einmal 9 Prozent.

Konservative Politiker werfen Schwesig gerne vor, dass sie als vollzeitarbeitende Mutter, andere Mütter mit ihrem Lebensentwurf zwangsbeglücken will. Dies lässt sie nicht auf sich sitzen und meint: "Wir können diese Entscheidung den Familien nicht abnehmen. Was wir aber tun können, ist, ihnen Unterstützung zu geben bei der Umsetzung ihrer Wünsche."

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