Leben
21.04.2013

Junge bejahen private Vorsorge

75 Prozent der Jungen rechnen mit zu kleiner Pension. Eine Privatvorsorge scheint für manche nicht leistbar.

75 Prozent der jungen Arbeitnehmer zwischen 14 und 30 Jahren haben kein Vertrauen in eine ausreichende staatliche Pension. 54 Prozent sorgen daher bereits privat vor, 15 Prozent können sich das aber nicht leisten, so eine vom Fachverband der Pensionskassen in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) beim Meinungsforschungsinstitut meinungsraum.at in Auftrag gegebenen Umfrage. Für den ÖGB hat das "Krankjammern des öffentlichen Pensionssystems" bei den Jungen eingeschlagen, die SPÖ will das Umlagesystem mit mehr älteren Arbeitnehmern sichern.

Der Umfrage zufolge rechnen 56 Prozent der jungen Österreicher mit einer Pension, die 60 Prozent oder weniger des zuletzt bezogenen Einkommens ausmacht. Nur sechs Prozent glauben an über 80 Prozent des Letztgehalts.

"Massives Problem"

"Wenn wir nicht heute ergänzende Altersvorsorge fördern, dann steuert Österreich auf ein massives Problem zu", so Andreas Zakostelsky, Obmann des Fachverbandes, vor Journalisten. Für nur 20 Prozent der befragten jungen Arbeitnehmer zahle der Arbeitgeber in einen Pensionstopf ein, drei Viertel der nicht in diesen Genuss kommenden Beschäftigten würde sich aber einen solchen wünschen. Er plädiert daher für einen nationalen Schulterschluss aller relevanten Gruppen, darunter den österreichischen Seniorenrat.

"Ein guter Ansatz wäre die stärkere Verankerung von Firmenpensionen in Kollektivverträgen oder in Betriebsvereinbarungen", so Zakostelsky. Mittelfristig könnten so 80 Prozent der Arbeitnehmer in den Genuss einer Firmenpension kommen. Als Ziel gibt er einen 25-Prozent-Anteil an der gesamten Pension an. Der staatliche Anteil kommt bei seiner Modellrechnung auf 60 Prozent, die individuelle private Vorsorge auf 15 Prozent.

ÖGB pocht auf gesetzliche Pensionsversicherung

Das sieht der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) nicht so. Angesichts der Anfälligkeit der Zusatzpensionen für Kapitalmarktkrisen - 2010 haben beispielsweise die 17 Pensionskassen 32,2 Prozent Aktien im Gesamtportfolio gehalten - sei die gesetzliche Pensionsversicherung der einzige Garant für eine Existenzsicherung im Alter, so deren leitender Sekretär Bernhard Achitz.

Ähnlich sieht das SPÖ-Sozialsprecherin Renate Csörgits: "Die Bundesregierung arbeitet mit Hochdruck daran, das faktische Pensionsalter dem gesetzlichen anzugleichen, um die Pensionen nachhaltig zu sichern", sagte Csörgits. Sie appelliert an die Wirtschaft, ältere Arbeitnehmer länger zu beschäftigen und auch älteren Arbeitslosen vermehrt die Chance geben, sich zu bewähren.

Die Pensionskassen wünschen sich aber auch steuerliche Anreize für die individuelle private Vorsorge. "Die jungen Arbeitnehmer erwarten von der Politik entsprechende Handlungen", so Zakostelsky. 59 bzw. 49 Prozent der jungen Männer und Frauen sorgen laut Umfrage privat vor. Unter den 25- bis 30-Jährigen steigt dieser Wert sogar auf 69 Prozent.