YouTube-Star Cameron Dallas bei der D&G-Show am Samstag

© APA/AFP/GIUSEPPE CACACE

Social Media
01/17/2017

Die neuen Meinungsmacher aus dem Netz

Sie modeln, singen und sitzen in TV-Jurys: Warum Blogger und YouTuber plötzlich überall sind.

von Julia Pfligl

Ein vorzeitiges Resümee des Jänners könnte so aussehen: Die eine Hälfte der westlichen Welt spricht über die Influenza – die andere über die Influencer. Die "Meinungsmacher mit einer reichweitenstarkten Community" (© onlinemarketing.de) sind neuerdings überall: Die deutsche Beauty-Vloggerin (Video-Bloggerin) Shirin David sitzt in der Jury von Deutschland sucht den Superstar. Heiko und Roman Lochmann, besser bekannt als "Die Lochis", schafften es von ihrem höchst erfolgreichen YouTube-Blödel-Kanal auf die Bühne des ausverkauften Gasometer. Und in Mailand lief am vergangenen Wochenende eine ganze Reihe Social-Media-Stars über den Laufsteg.

Die Designkapazunder Dolce & Gabbana hatten sich für ihre Männermodenschau nämlich bewusst gegen professionelle Models entschieden und stattdessen bekannte Blogger und YouTuber entsandt. Beim letzten Mal hatten diese noch in der Front Row Platz genommen – nun sind sie endgültig ins Scheinwerferlicht gerückt.

Eines der Neo-Models ist Caro Daur (21), eine der erfolgreichsten Modebloggerinnen im deutschsprachigen Raum. Alles begann damit, dass sie vor einigen Jahren Fotos von ihren Outifts auf Instagram stellte. Heute erreicht sie über das Fotoportal knapp 900.000 Fans, etwa 250.000 lesen monatlich ihren Blog (www.carodaur.com). Ihr Instagram-Foto von der Fashion Week wurde 70.000-mal geliked. Der Umgangston mit den Followern ist trotz steigender Professionalität amikal: "Ich bin so nervös. Brauche Unterstützung", postete die hübsche Blondine vor der Fashion Show. Und danach: "Diesen Tag werde ich niemals vergessen."

Kein Wunder also, dass Blogger wie Caro Daur als Sprachrohr der Millennials gehandelt werden. Laut einer Twitter-Studie vertrauen 49 Prozent der Internet-User auf die Empfehlungen von "Influencern". "In den 2000er-Jahren ging es vor allem um Blogger, vielleicht noch Twitter-User, heute vermehrt um YouTube und Instagrammer bzw. Snapchat-Influencer", weiß Social-Media-Expertin Judith Denkmayr. "Unternehmen versuchen, durch reichweitenstarke Influencer an eine bestimmte Zielgruppe heranzukommen. Viele TV-Sender haben bereits eigene Agenturen, die YouTuber vermarkten. Damit verlängert man die Wertschöpfungskette der eigenen Vermarktung um eine junge, schwer erreichbare Zielgruppe. Außerdem haben YouTuber eine sehr treue Community, meist zwischen 13 und 20 Jahren - wie eben die Lochis."

Glaubwürdigkeit

"Die Zusammenarbeit mit Bloggerin ist mittlerweile Mainstream-Marketing", sagt auch Michael Beresin, Direktor der digitalen Werbeagentur Labelium. "Als Werbeträger erfüllen sie zwei wichtige Funktionen: Weil sie ihre Follower regelmäßig an ihrem Alltag teilhaben lassen, haben sie eine höhere Glaubwürdigkeit. Und sie erreichen eine hohe und exklusive Zielgruppe." Die Glaubwürdigkeit stehe dann auf dem Spiel, wenn Kooperationen nicht gleich als solche – gerne mit dem Hashtag #sponsored – gekennzeichnet werden. "Im deutschsprachigen Raum ist das aber ohnehin meist der Fall", sagt Beresin. "Und die Leser unterstützen das – nach dem Motto, der muss ja auch von etwas leben können."

Leben können Influencer wie Caro Daur oder die österreichische Lifestyle-Bloggerin DariaDaria aufgrund diverser Kooperationen gut. Über Zahlen sprechen sie nicht – Schätzungen zufolge sollen Blogger mit einer Reichweite von einer Million Leser einen fünfstelligen Betrag pro Instagram-Posting bekommen. Madeleine Alizadeh alias DariaDaria bloggt mittlerweile hauptberuflich. Caro Daur studiert nebenbei BWL. Zur Sicherheit.