Schloss Artstetten, einst Sommerresidenz des Thronfolgers Franz Ferdinand, ist umgeben von einem historisch gewachsenen Park.

© /Schloss Artstetten

Schloss Artstetten
06/17/2014

Im Garten des Thronfolgers

Schlossherrin Anita Hohenberg möchte den Garten aus seinem Dornröschenschlaf wecken.

von Susanne Mauthner-Weber

Da soll noch einmal einer behaupten, die Habsburger seien nicht geerdet gewesen. Jeder, so lautete das Familien-Gesetz, muss ein Handwerk erlernen. Kaiser Franz I. entschied sich für den erdigsten Beruf – die Gärtnerei. "Die Familie nannte ihn Blumenkaiser. Seit er den Park übernommen hatte, war die ganze Anlage wunderschön gepflegt", erzählt Anita Hohenberg, die Urenkelin des Thronfolgers Franz Ferdinand und meint damit den Park von Schloss Artstetten, dessen Geschicke sie seit 30 Jahren leitet.

In den Wirren der beiden Weltkriege verwilderte der prächtige Garten immer mehr. Das will Fürstin Anita im Gedenkjahr zum Ersten Weltkrieg ändern: Die Parkanlage von Artstetten soll aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen.

Schließlich handelt es sich um einen der wichtigsten historistischen Parks Österreichs. Er steht mit 55 weiteren Gärten auf der Bundesdenkmalschutz-Liste höchst schützenswerter Anlagen. Und seine Geschichte ist mit vielen Berühmtheiten verbunden: Kaiser Franz I., Erzherzog Karl Ludwig oder Thronfolger Franz Ferdinand.

"Wir restaurieren jetzt die Mauern sowie Wege und bepflanzen neu", sagt Anita Hohenberg. Der Star der Anlage soll die Pfingstrose werden.

Gestern

Zurück zum Blumenkaiser: Franz I. übernahm die Anlage 1824, und man begegnet ihm genau wie seiner Frau Carolina Augusta auf Schritt und Tritt, wenn man durch den Garten schlendert: In der nach geomantischen Richtlinien angelegten Kastanien-Allee etwa oder an den Springbrunnen, die wieder in Stand gesetzt werden sollen. Die Schlossherrin verrät, dass der hohe Herr persönlich Hand im Garten anlegte. Man beschäftigte aber auch Gärtner, die durch sämtliche Gartenanlagen der Habsburger tourten.

Vier Jahrzehnte später – unter Erzherzog Karl Luwig – hielten neun Gärtner die Anlage in Schuss. Der Erzherzog war es auch, der für Artstetten einen Gartenplan erstellte. Ziel: Ein großräumig gegliederter Park mit Wegen, die Orientierung und Ordnung geben, sollte es werden. Als begeisterter Schwimmer ließ Karl Ludwig auf einer Anhöhe des Parks sogar ein Schwimmbecken errichten, das auch als Löschteich diente. Bade-Pavillon inklusive.

Als schließlich Erzherzog Franz Ferdinand die Anlage 1889 übernahm, baute er sie als Sommer- und Wochenendsitz aus. Er ließ eine repräsentative Vorfahrt und eine Automobilstraße sowie eine Garage errichten. Und er erweiterte den Garten nach Nordosten hin.

Ihr Urgroßvater habe einen innigen Bezug zu seinem Garten gehabt, verrät Anita Hohenberg: "Schon in seinem Schloss Konopiště in Tschechien hat er eine unglaublich tolle Anlage geschaffen. In Artstetten, dem Schloss seiner Kindheit, baute er die ursprünglich neun Hektar zu einem englischen Park aus." Weil er niemand war, der selbst die Gartenschere in die Hand nahm oder an verblühten Blättern herumzupfte, engagierte der Thronfolger den tschechischen Gartenkünstler Josef Molnar, der nach den Vorstellungen Franz Ferdinands einen modernen Garten anlegen sollte.

Im Februar 1914, nur vier Monate, ehe der Thronfolger und seine Frau dem Attentat in Sarajewo zum Opfer fallen sollten, legte Molnar einen Vorschlag zur Umgestaltung des Parks vor: Unterschiedliche Gartenräume auf verschiedenen Niveaus sollten entstehen, Sichtbezüge und beeindruckende Ausblicke in die umgebende freie Landschaft inklusive. Nutz-, Obstgarten, Kastanien-Promenade, Steingarten, Fasanerien, Terrassen und ein Wasserbassin mit Grotte sowie ein Gartenpavillon komplettierten die Anlage.

Die Höhenunterschiede wurden durch Mauern und Treppen überwunden, das Mittelparterre mit Rosen geschmückt und mit Taxus- und Thujenpyramiden dekoriert, die die Symmetrie der Anlage hervorhoben. Die kiesbedeckten, regelmäßigen Wege teilen die Anlage in Rasen- und mit Sommerblumen bepflanzte Blumenbeete.

Das neue Jahrhundert brachte erst die Enteignung der Anlage durch die Nazis, nach dem Zweiten Weltkrieg die Rückgabe an die Familie Hohenberg und schließlich eine schleichende Verwilderung.

Und das, obwohl beide Großmütter der aktuellen Schlossherrin "sehr, sehr gescheite Botanikerinnen waren." Damals hatte man aber wohl andere Sorgen, als den historischen Garten zu pflegen. Hohenberg: "Meine Großmutter väterlicherseits saß wirklich im Beet und hielt den Gemüsegarten hier am Laufen, während ihr Mann im KZ war."

Heute

Reste des ehemaligen Parks sind aber noch vorhanden, manche sind im Wald verschwunden oder ganz verloren. Franz Praskac jedenfalls schwärmt trotzdem vom Garten im Artstetten: "Schöner, alter Baumbestand, wunderbare Urwald-Mammutbäume, die größte chinesische Sichel-Tanne, die ich je gesehen habe. Teils stammen sie aus der Zeit des Thronfolgers Franz Ferdinand", sagt er. Und er kennt sich wirklich aus: "Sein Schwieger-Großvater war Gärtner sowie Rosenzüchter in Klosterneuburg. Franz Ferdinand stand in regem Kontakt mit ihm und bezog sämtliche Rosen für all seine Gärten bei Praskac", erzählt Anita Hohenberg und kauft – wie ihr Urgroßvater – sämtliche Pflanzen beim renommierten Tullner Gärtner.

Apropos: "Die Pfingstrosen blühen", sagt Praskac und erwähnt es nicht von ungefähr: "Vor einigen Jahren kam die Idee auf, eine Blume für Schloss Artstetten zu kreieren." Die Wahl fiel auf die Pfingstrose, weil sie selbst in dieser Höhenlage sehr gut gedeiht. Im Vorjahr hat er gemeinsam mit Anita Hohenberg den Garten begangen und Vorschläge gemacht, welche Pflanze man wo versuchen könnte. "Dann haben wir einen Plan gemacht, um der Pfingstrose noch mehr Raum zu geben." Heute freut sich die Schlossherrin über ein beachtliches Pfingstrosen-Sortiment von 50 bis 70 Sorten.

"Es gibt viele Wildformen und Tausende kultivierte", erläutert der Garten-Experte. "Ursprünglich kamen die meisten wohl aus dem vorderasiatischen Raum. Es gibt aber auch eine heimische Art. Sie gedeiht bis in die Südtiroler Alpen hinauf", ergänzt Praskac.

Morgen

Obwohl Schloss Artstetten seit der Eröffnung des Franz-Ferdinand-Museum 1982 touristisch genutzt wird, ist die wertvolle Gartenanlage weitgehend unbekannt geblieben. Jetzt geht die Schlossherrin daran, "sich durchzuschneiden", wie sie sagt: Mittels eines Parkpflege-Plans wird das zusammenhängende Konzept des Gartens wieder herausgearbeitet – damit die Besucher einen Eindruck bekommen, wie das ländlich-herrschaftliche Lebens des 19. Jahrhunderts ablief.

Doch das braucht seine Zeit, sagt Anita Hohenberg: "Eine Mauer lässt sich schneller aufbauen, ein Garten wächst langsam. Besonders, wenn man die historischen Bezüge respektiert."

1268 erstmals urkundlich erwähnt und im Kern ein Renaissance-Bau aus dem 16. Jahrhundert, blickt Schloss Artstetten als Familiensitz und Sommerresidenz der Habsburger auf eine wechselvolle Geschichte zurück. Heute ist dort das Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum untergebracht.
Die zum Schloss gehörende Gruft dient als letzte Ruhestätte für Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand und seine Frau, Sophie Herzogin von Hohenberg, die beide 1914 in Sarajevo einem fanatisierten Jugendlichen zum Opfer fielen.

Info: Das Erzherzog-Franz-Ferdinand-Museum ist täglich von 9 bis 17.30 Uhr geöffnet. Die Sonderausstellung 2014 trägt den Titel „Regieren & Verlieren: Kaiser Karl – Eine Herausforderung zum Frieden“. Der Schlosspark kann täglich zwischen 9 und 13 Uhr besichtigt werden. Eintritt 11 Euro (Museum, Sonderausstellung, Gruft und Park) www.schloss-artstetten.at

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