© Laura Giesen

Gender-Kampagne
08/03/2016

HeForShe Vienna sucht männliche Feministen

Der Verein will zu einem Mit- statt eines Gegeneinanders aufrufen.

von Elisabeth Mittendorfer

Vor rund zwei Jahren verbreitete sich die flammende Rede von Schauspielerin Emma Watson über die noch immer bestehende Diskriminierung von Frauen wie ein Lauffeuer in den sozialen Medien. Sie rief damals in ihrer Funktion als UN Women Sonderbotschafterin und als Gesicht der Kampagne HeForShe Männer und Burschen dazu auf, sich aktiv für die Rechte von Frauen einzusetzen. Denn die Gleichstellung der Geschlechter sei eine Frage der Gerechtigkeit für alle Menschen dieser Welt.

Rede von Emma Watson:

Offen für alle

Genauso sieht das auch der 24-jährige Student Gerhard Wagner. "Tatsache ist, dass auch Männer unter der in unserer Gesellschaft verankerten Vorstellung von Männlichkeit leiden. Diese starren Genderkategorien endlich aufzubrechen wäre ein Gewinn für alle Beteiligten", sagt Wagner. Gemeinsam mit seiner Studienkollegin, der ebenfalls 24 Jahre alten Lisa Deutsch, hat er sich darum dazu entschieden, sich für die Gleichstellung der Geschlechter stark zu machen und mit ihr den Verein HeForShe Vienna gegründet. Während sich die Mutterkampagne seit ihrer Gründung im Juli 2014 zunächst ausschließlich an Männer richtete, können sich seit Jänner 2016 alle Menschen bei HeForShe beteiligen.

Das sind die Männer von HeForShe Vienna:

"Wir haben von der UN lediglich den Namen und das Logo übernommen, finanziell gibt es keine Unterstützung", sagt Wagner. Trotzdem habe man sich dazu entschieden, unter dem Namen HeForShe tätig zu werden. "Die Idee der Kampagne ist, Menschen aller Geschlechter und somit auch Männer, zu ermuntern sich für gleiche Rechte zu engagieren. Dies deckt sich genau mit unserer Vorstellung, wie Gleichberechtigung erreicht werden kann. Der Bekanntheitsgrad der UN Kampagne ist natürlich auch ein Pluspunkt für einen jungen Verein", sagt Deutsch. Die Ansicht, dass die Namensgebung der Kampagne die binäre Geschlechterordnung aufrechterhalten würde, teilen Deutsch und Wagner nicht. "Bei uns ist wirklich jeder willkommen; es ist uns wichtig, uns für eine Vielfalt von Identitäten einzusetzen", sagt Deutsch.

Mit- statt Gegeneinander

Der Verein HeForShe Vienna hat seine Website am Internationalen Frauentag, dem 8. März, in diesem Jahr gelauncht. Derzeit gibt es 44 Mitglieder, wobei sich das Geschlechterverhältnis derzeit in zwei Drittel Frauen und einem Drittel Männer teilt. Mehr Männer für das Projekt begeistern zu können, sei bestimmt die größte Schwierigkeit, sind sich Deutsch und Wagner einig. "Viele Männer glauben, dass es sich um ein Frauenthema handelt und sie deswegen nicht betroffen sind. Andere wiederum haben das Gefühl, nichts beitragen zu dürfen, eben weil sie keine Frauen und sich falsch verhalten würden, egal was sie tun", sagt Wagner.

Diese Ängste seien jedoch völlig unbegründet, denn letztlich gehe es um die Solidarität der Geschlechter, um ein Mit- statt eines Gegeneinanders. Davon überzeugen können sich Interessierte zum Beispiel bei der ersten Infoveranstaltung des Vereins am Donnerstag, dem 4. August, um 19.00 am Wiener WU-Campus. Aktivitäten des Vereins sind derzeit ein regelmäßig stattfindender interner Buchclub sowie Filmscreenings mit anschließender Diskussion. In Graz hat sich bereits ebenfalls eine HeForShe-Gruppierung formiert.

>> Website von HeForShe Vienna

>> Alles über die Infoveranstaltung