Leben 29.01.2015

Große Bühne für kleine Künstler

© Bild: bühne baden

Sophie Graf, 13, schreibt über das Theaterspiel in Schulen. Und über eine Vorstellung, bei der nicht alles rund gegangen ist.

Zwei Schüler stehen sich gegenüber. Der eine hebt die Hand - der andere tut es ihm gleich. Der Erste senkt die Hand in einer Drehbewegung – ebenso der Zweite: eine alltägliche Übung im Schauspielkurs der AHS Fichtnergasse. Neueinsteiger sind immer willkommen, da sich neue, oder unbesetzte Rollen schnell finden.

Workshops, in denen die Jugend ihr Talent zur Schau stellt, gibt es in ganz Österreich. Ausgewählte Schulen haben dafür sogar ein eigenes Unterrichtsfach – so einige BORG mit entsprechendem Schwerpunkt - und viele Gymnasien bieten „darstellendes Spiel“ als unverbindliche Übung an.

Zurück zu unserem Kurs: Bei der Aufwärmübung - genannt „der Spiegel“ – versucht ein Schüler die Bewegungen des anderen zur gleichen Zeit so ident wie möglich nachzuahmen und so den Eindruck eines Spiegelbildes zu vermitteln. So lernen die jungen Darsteller, mit ihren Schauspielkollegen zu interagieren und kein Soloprogramm abzuliefern.

"Auf keinen verzichten"

In den Workshops werden nicht nur deutschsprachige, sondern auch englische Stücke aufgeführt. Ein Beispiel dafür ist der English Drama Club.

Hier werden die Szenen unter der Aufsicht von Elisabeth Mayer einstudiert und bearbeitet. Von ihr bekommen die Schüler immer wieder Tipps, wie sie ihre Rolle besser verkörpern können. „Es ist unwichtig, ob du die Hauptfigur, oder „nur“ eine Nebenrolle spielst, denn alle Teilnehmer sind unersetzlich".Darum ist es oft ein Drama, wenn ein Teilnehmer krank ist, weshalb die Schüler versuchen, an Probeterminen nicht krank zu werden.

Auch hinter den Kulissen wird fleißig gearbeitet. Viele sind kreativ und kümmern sich um das Bühnenbild, aber auch um die technischen Einstellungen.

Lampenfieber und anderer Ärger

Kleine Pannen sind auch bei bester Vorbereitung nicht ausgeschlossen. Anna, eine Schülerin des Drama Clubs, erinnert sich noch daran, dass ein anderer Darsteller bei einer Vorstellung einen großen Teil ihres Texts einfach übersprungen hat, ohne es zu merken. Als sie sich danach zwanzig Minuten lang bei ihm darüber beschwerte, dass sie nur mehr zwei, statt zehn Sätzen sagen konnte, wusste er nicht, dass er das tatsächlich getan hatte.

Das große Finale ist meist am Ende eines Semesters. Die jungen Künstler führen ihr Stück vor Verwandten, Bekannten und Theaterfreunden auf. Davor plagt allerdings das Lampenfieber die Schüler. Panik breitet sich aus, Texte werden hektisch wiederholt, Frisuren gemacht, Make-Up aufgetragen und alle laufen gestresst herum. Aber auf der Bühne verflüchtigt sich das Lampenfieber schnell und die Jugendlichen zeigen, was sie gelernt haben.

Fischers Fritz im Burgtheater

Schauspielen ist aber genauso für die mentale Stärkung der Jugendlichen gut, und auch Sprecherziehung ist ein sehr wichtiger Bestandteil des Theaterspielens. Zu diesem gehören vor allem Atem-, Sprech- und Artikulationsübungen, sowie Training zur Stimmbildung. Mit dem bekannten Zungenbrecher „ Fischers Fritz fischt frische Fische. Frische Fische fischt Fischers Fritz“, müht sich hier jeder angehende Bühnenstar ab.

Neben Schulen bieten auch Theaterhäuser Workshops für Kinder und Jugendliche, in denen diese spielend die Bühne erobern. So zum Beispiel das Theater der Jugend, aber auch das Burgtheater, das Dschungel Wien und diverse Volkshochschulen tun dies. Die Junge Burg hat ebenfalls vielfältige Angebote, sowohl für einzelne Talente, als auch für ganze Schulklassen.

Weitere Informationen und Links auf: http://www.jugendinfowien.at/fileadmin/daten/jugendinfo/PDF/Infoblaetter/Freizeit/Infoblatt_Schauspielkurse.pdf

Erstellt am 29.01.2015