Google+: Revolte gegen Klarnamenzwang

Auch "Captain Kirk" wurde gezwungen, seinen realen Namen, William Shatner, auf Google+ preiszugeben.
Foto: Screenshot

Netzaktivisten und deutsche Bundestags-Abgeordnete fordern per offenem Brief Zulassung von Pseudonymen.

Nur gegen Angabe des echten Namens Zutritt zum sozialen Netzwerk Google+. Mit diesem Klarnamenzwang mache Google "die Vernetzung mit Menschen im Web mit der Vernetzung von Menschen in der realen Welt ähnlicher", so die Begründung des Konzerns. Diesen Kurs fährt auch das weltgrößte Online-Netzwerk Facebook: "Für Facebook sind Authentizität und Sicherheit von höchster Priorität. Nicht zuletzt deshalb verfolgt Facebook eine Klarnamen-Politik, der alle Nutzer bei der Anmeldung bei Facebook zustimmen", so eine Sprecherin.

Allerdings erzwingt Google regelrecht die Einhaltung der Bestimmungen. Nutzerkonten wurden suspendiert, auch jenes der amerikanischen Bloggerin Violet Blue. "Nach Überprüfung Ihres Profils haben wir festgestellt, dass der von Ihnen angegebene Name gegen unsere Community-Standards verstößt", hieß es in der Begründung, die von Blue veröffentlicht wurde. Tatsächlich ist das aber ihr realer Name.

Offener Brief

Nun fordern Gegner des Klarnamenzwangs auf Google+ in einem offenen Brief an Google-Europachef Philipp Schindler: "Die Nutzung eines Pseudonyms ermöglicht es Bürgern, im Einzelfall und nach ihrem eigenen Dafürhalten eine Meinung frei artikulieren zu können, ohne Ächtung und Nachteile befürchten zu müssen. Dies ist essentiell für die freie Meinungsbildung in einer Demokratie" - und entspreche auch der "natürlichen Begegnung in der Realität, wo sich Menschen zunächst ohne Namensnennung begegnen und einander dann vorstellen, wenn sie selbst es für geboten halten".

Initiator des Briefes ist der Hamburger Unternehmer Christoph Kappes. Unterstützung wird er durch die deutschen Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär (CSU), Peter Tauber (CDU), Manuel Höferlin (FDP), Jimmy Schulz (FDP), Lars Klingbeil (SPD) und Konstantin von Notz (Grüne).

Auch in den USA hat die Vorgehensweise von Google schon für Unverständnis gesorgt. Es wird vermutet, dass Google mit dieser Regelung das Interesse verfolgen könnte, den Werbekunden von Google künftig noch raffiniertere Angebote für gezielte Werbung machen zu können. Google selbst dementiert das.

(dpa,KURIER.at / gun) Erstellt am
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