Leben 05.12.2011

Google+ hadert mit "Common Name"-Politik

© Bild: rts

Social-Network-Chef sieht übereifriges Vorgehen gegen Fake-Profile als Fehler. Verbesserungen angekündigt.

Googles Social Network Google+ sorgte am Wochenende für eine gewisse Aufregung, als eine Vielzahl von Nutzer-Konten aufgrund von Verstößen gegen die "Common Name Policy" gesperrt wurden. Diese besagt, dass sich Nutzer von Google+ einen Namen verpassen müssen, mit dem sie auch tatsächlich bekannt sind. Google war bei einer Überprüfung der Einhaltung dieser Regel allerdings etwas voreilig. Zahlreichen Nutzern, die guten Gewissens bestimmte Spitznamen verwendeten, wurde der Zugang zu Google+ verwehrt. Die meisten erhielten ihr Profil aber mittlerweile zurück.

Vic Gundotra, Googles Senior Vice President (SVP) für die Social-Sparte, gestand nun in einem Interview ein, dass das Unternehmen einen Fehler damit begangen hat, vermeintlich falsche Profile auszuheben. Am Montag meldete sich Bradley Horowitz, Googles Produkt-SVP zu Wort: "Wir haben bemerkt, dass viele Verstöße gegen die Common Name Poliltik von Google+ im Grunde versehentlich und ohne böse Absicht passierten und unser Prozess für diese Nutzer frustrierend und enttäuschend sein kann."

Google kündigt Verbesserungen an

Bessere Zeiten seien aber laut Horowitz in Sicht. In Zukunft werden Google+-Nutzer, die gegen die "Common Name"-Politik verstoßen, gewarnt, bevor ihr Profil geschlossen wird. Der Anmeldeprozess wird verbessert werden, um zu verhindern, dass die Profile neue Nutzer aufgrund ihrer Namensgebung später revidiert werden. Drittens werden Nutzer darauf hingewiesen, bei der Anmeldung das Eingabefeld "Andere Namen" für Spitznamen etc. zu verwenden. Diese können im Profil angezeigt werden. Für Freunde macht man sich damit leichter auffindbar.

Anonymität oder echte Namen

Mit der Debatte über die "Common Name"-Politik ist Google an einem Punkt angelangt, der auch Hauptkonkurrent Facebook in der Vergangenheit viel beschäftigt hat. Die Grundfrage besteht darin, ob es besser ist, Anonymität zu erlauben oder zu verbieten. Die Vorteile der Anonymität liegen in freier Meinungsäußerung, ungehemmten Diskussionen und der Verschleierung wahrer Identitäten in einer Krisensituation. Für Dissidenten ist Anonymität überlebenswichtig.

Der Zwang zu realer Namensgebung bei Facebook oder Google+ wird meist mit einer Verbesserung des allgemeinen Umgangstons auf den Social Networks begründet. Dahinter stehen jedoch auch konkrete wirtschaftliche Interessen. Mit echten Namen kann man eindeutige Nutzerprofile für Werbungs- und Marketingzwecke erstellen.

Erstellt am 05.12.2011