Glücklich – auch ohne Prinz

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Foto: Walt Disney Pictures

Filmheldinnen wie Belle in "Die Schöne und das Biest" sollen mutige Vorbilder für Mädchen sein.

Als Freundin von Harry Potter wurde US-Schauspielerin Emma Watson berühmt, jetzt stürmen die Zuseher die Kinos, um sie als Belle in "Die Schöne und das Biest" zu sehen. Seit dem Filmklassiker aus dem Jahr 1991 hat sich einiges verändert, denn Disney hat der aktiven Feministin Watson ein moderneres Rollenverständnis auf den Leib geschrieben. Ihre Belle ist frech und mutig und will die Welt bereisen.

Im Original ist der Vater Erfinder und die Tochter hat – wie die meisten Frauen – keinen Beruf, im neuen Film hat sie selbst ein Produkt entwickelt. Mit dem Biest führt sie tiefgründige Gespräche und begeistert sich für seine Bibliothek. "Jetzt ist sie eine Frau, die ich als Rollenvorbild spielen kann", argumentierte Watson im Vanity-Fair-Interview. Andere Hauptrollen wie die "Cinderella" lehnte die Schauspielerin, die Literatur an der US-Eliteuni Brown studierte, und UN-Sonderbotschafterin für Frauenrechte ist, als "zu passiv" ab.

Merida Foto: ap Die Disney-Klischees wurden früher nur selten durchbrochen: Die Chinesin Mulan (1998) verkleidete sich als Mann und kämpfte als Soldat in der Armee. Die schottische Hochland-Prinzessin Merida (2012) widersetzte sich ihren Eltern und forderte die Männer im Bogenschießen heraus. Auch bei der "Eiskönigin" folgte Disney nicht seinem klassischen Drehbuch Prinzessin-Prinz-Happy End: In diesem Blockbuster stand keine romantische Beziehung im Mittelpunkt, sondern das Schwesternpaar Elsa und Anna.

vaiana.jpg Foto: Disney Jetzt sagt auch die kecke Titelfigur "Vaiana" auf der Kinoleinwand "Ich bin keine Prinzessin!" und macht sich auf ein waghalsiges Segelabenteuer. Auch sonst entspricht die dunkelhäutige Polynesierin mehr dem neuen Rollenverständnis junger Frauen als den alten Disney-Vorgaben und begeistert damit Mädchen und Buben gleichermaßen.

Vorbild-Funktion

Die Bedeutung solcher Leinwand-Mädchen für die kleinen Zuschauerinnen zeigte eine englische Studie: Fast alle befragten Mädchen kannten Disney-Prinzessinnen, sechs von zehn spielen regelmäßig mit den Figuren. Auch die Kulturwissenschaften beschäftigen sich mit Disney-Filmen, etwa in einer Diplomarbeit an der Uni Wien über deren moralische und pädagogische Wirkung.

Mädchen mit lauter Stimme

Für Kindertheater-Macherin Nina Blum ist die Auswahl der Themen essenziell: In ihrem "Märchensommer" folgen Kinder zwischen vier und zwölf Jahren den Figuren durch die Handlung. Heuer geht es um "Peter Pan und Tinkerbell": "Ich wähle archaische Themen wie den Kampf zwischen Gut und Böse. Aber ich stelle die Mädchenfiguren nicht so stereotyp dar. Meine Wendy wird nicht das brave Hausmütterchen, das die Mutter ersetzt. Und Buben sind bei mir nicht automatisch mutig und schwierig. Ich bekomme dafür gute Rückmeldungen vor allem von Müttern, denen das wichtig ist." Im Kino fand sie zuletzt "Die Insel der verlorenen Kinder" sehr berührend: "Dort werden Kinder gezeigt, die anders sein dürfen. Das ist wichtig. Es geht um die Frage: ,Was ist normal?’", so die Regisseurin, deren neugeborene Tochter nur zufällig wie die Disney-Stars Elsa Violeta heißt.

Der Mangel an literarischen Vorbildern für Mädchen regt viele Eltern auf: 23 Millionen Mal wurde ein Youtube-Video angeklickt, in dem sich Mutter und Tochter in einer Buchhandlung einen Kasten voll Kinderliteratur vorknöpfen. "Zuerst haben wir die Bücher herausgenommen, in denen gar keine Mädchen vorkommen. Dann jene, in denen sie nichts sagen. Dann jene, in denen sie nur Prinzessinnen sind. Und dann ist nicht mehr viel übrig geblieben." Am Ende des Videos ruft das Mädchen nach dem Buchhändler und fragt: "Ich möchte später zum Mars fliegen. Haben Sie ein gutes Buch für mich?"

Für genau diese Mädchen haben jetzt zwei Italienerinnen einen Bestseller geschrieben (derzeit nur auf englisch): "Good Night Stories for Rebel Girls" (Gute-Nacht-Geschichten-für Rebellinnen). Die 100 Geschichten beeindruckender Frauen von Malerin Frida Kahlo über Tennisstars Venus und Serena Williams bis zu Hillary Clinton sollen einen Gegenpol zur rosa Kitsch-Lektüre sein und Mädchen zu großen Plänen inspirieren – statt zum Warten auf den Prinzen.

(kurier) Erstellt am
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