Gerste wurde schon viel früher geplant angebaut als bisher angenommen.

© APA/dpa-Zentralbild

Steinzeit
07/22/2015

Getreide bereits vor 23.000 Jahren kultiviert

Menschen experimentierten mit Ackerbau schon 11.000 Jahre vor der Entwicklung der Landwirtschaft.

Menschen haben schon mehrere Tausend Jahre vor der Entwicklung des Ackerbaus mit dem Anbau von Getreide experimentiert. Das schließen Wissenschaftler aus der Untersuchung einer 23.000 Jahre alten Siedlung im heutigen Israel. Sie fanden nicht nur Reste von Wild-Getreide, sondern auch von Unkräutern, die sich bevorzugt in der Nähe bewirtschafteter Flächen ansiedeln.

Vermutlich stellten die Menschen das Experiment Ackerbau in der Region aber zunächst wieder ein, berichtet die Forscher im Fachblatt "PLOS ONE". Den Beginn der Landwirtschaft legen Wissenschaftler in die Jungsteinzeit vor etwa 12.000 Jahren. Damals wurden Jäger und Sammler im Gebiet des fruchtbaren Halbmondes, das sich in einem Bogen vom östlichen Mittelmeer bis zum Persischen Golf erstreckt, allmählich sesshaft und begannen mit dem Anbau von Pflanzen. Wie die Forscher um Ehud Weiss von der Bar Ilan University in Ramat-Gan/Israel berichten, erprobten Menschen in der Siedlung Ohalo II am See Genezareth schon etwa 11.000 Jahre früher die Kultivierung von Getreide.

Siedlung

Ohalo II war vor etwa 23.000 Jahren besiedelt, wurde später aber überflutet. Die Siedlung wurde 1989 entdeckt, als der Wasserspiegel des Sees nach massiver Wasserentnahme und einigen Dürre-Jahren dramatisch gesunken war. Dabei kamen etliche Hütten zutage, mit pflanzlichen und tierischen Überresten, Werkzeugen, Perlen und Holzobjekten. Diese Reste waren sehr gut erhalten, da sie unter den Sedimenten des Sees vor äußeren Einflüssen geschützt waren.

Getreidesorten

Unter den Pflanzen fanden die Forscher Wildvarianten verschiedener Getreidesorten, wie Hafer, Gerste oder Emmer. Die Pflanzen wurden geerntet und die Körner verarbeitet, wie Spuren an Steinklingen und an einem Mahlstein belegen. Ein überdurchschnittlich hoher Anteil dieser Getreidepflanzen wies Veränderungen an der Ähre auf, die die Forscher auf längerfristige Kultivierung zurückführen.

Urkräuter

Besonders aufschlussreich sei der Fund von Pflanzen, die mit der Anlage von landwirtschaftlichen Flächen auftauchen, weil sie sich gut an ein Leben in der vom Menschen gestalteten Umwelt angepasst haben. Zumeist stören solche Pflanzen den Anbau und werden als Unkräuter bezeichnet. Die Forscher sprechen bei ihrem Fund von "Proto-Unkräutern", von denen sie 13 verschiedene Arten fanden. Möglicherweise hätten die Menschen einige dieser Pflanzen zum Verzehr gesammelt, da sie zum Teil essbare Teile besäßen.

Planung

"Bereits vor der Entstehung eines voll entwickelten Landbaus hatten Menschen grundlegende Kenntnisse von Landwirtschaft und, noch bedeutsamer, sie handelten vorausschauend und planten", erläutert Weiss. "Die gegenwärtigen Ergebnisse von diesem Standort, in der Wiege der Zivilisation gelegen, belegen, dass unsere Vorfahren schlauer und geschickter waren, als wir angenommen haben. Obwohl sich die eigentliche Landwirtschaft erst sehr viel später entwickelte, hatte der Versuch schon begonnen."

Kulturtechnik

Wie landwirtschaftliche Kulturtechniken vor etwa 12.000 Jahren ihren Durchbruch erlebten und immer weiter verfeinert wurden, hatten Archäologen um Simone Riehl von der Universität Tübingen 2013 im Fachjournal "Science" beschrieben. Sie hatten im Iran am Rande des Fruchtbaren Halbmonds Pflanzenreste aus einer mindestens 2200 Jahre langen Siedlungsepoche entdeckt. Die Funde zeigten, wie die Menschen vor gut 11.700 Jahren mit einer rudimentären Landwirtschaft begannen, dann im Laufe der Jahrhunderte immer professionellere Anbaumethoden entwickelten und die Pflanzen nach ihren Bedürfnissen züchteten.

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