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© KURIER/Gilbert Novy

Generationen-Theater
06/24/2016

Wie Kinder und Altenheim-Bewohner einander bereichern

Im Haus der Barmherzigkeit stehen Kinder und alte Menschen gemeinsam auf der Bühne.

von Laila Daneshmandi

"Weißt du noch, wer ich bin?" 13 Kindergartenkinder wirbeln um "ihre" Pflegeheimbewohner und prüfen ihr Gedächtnis ab. Sie wissen, dass manche im Alter vergesslich geworden sind. Heute ist Generalprobe für ihren großen Tag: Beim Sommerfest des Hauses der Barmherzigkeit in Wien-Ottakring führen 13 Kinder aus dem Betriebskindergarten gemeinsam mit Bewohnern das Stück Karneval der Tiere auf. Seit Wochen proben sie die Szenen und basteln Kostüme.

"Herzlich willkommen zum Karneval der Tiere. Wir beginnen mit dem König der Tiere, dem Löwen", begrüßt eines der Sprecherkinder das Publikum. Und da krabbeln auch schon die Kinder auf die Bühne, fauchen die Zuschauer gefährlich an und schütteln ihre Löwenmähne aus goldenen, gekräuselten Geschenkbändern.

"Für alle machbar"

Sabine Dorner führt Regie und hat das Stück mit ihren Schauspielern im Alter zwischen vier und 93 Jahren einstudiert. Keine einfache Aufgabe, die herumwirbelnden Kinder und die ruhigen, nicht mehr ganz mobilen Altenheimbewohner unter einen Hut zu bekommen. Doch sie haben mehr gemeinsam, als man auf den ersten Blick meinen mag. "Die Herausforderung war, die Aufführung so zu gestalten, dass es auch für jene machbar ist, die sich keinen Text merken können. Oder für jene, für die jede Probe komplett neu ist." Auch die jeweiligen Erwartungen und Vorstellungen mussten respektiert werden – die Kinder wollten Verkleidungen, die Älteren nicht. Einer, Herr Franz, nickt immer wieder ein. Doch das stört weder ihn noch seine Schauspielkollegen.

In der nächsten Szene kommen die Hühner auf die Bühne. Die Kinder haben Flügel aus gelbem Krepp-Papier und wirbeln gackernd um ihre älteren Schauspielkollegen, die mit Rollstuhl oder Rollator nach vorne kommen, um sie zu füttern. Auch Herr Franz wacht pünktlich für seinen Einsatz auf. Die Kinder fressen ihm gierig aus den Händen.

Am spannendsten war für Dorner die musikalische Arbeit mit den Kindern und den Älteren. "Beim Zuhören haben wir uns Gedanken gemacht, ob das symbolisierte Tier klein oder groß ist, wie es sich bewegt, ob es wild ist wie Löwen oder langsam wie Elefanten. Im Alltag kann man in einer Angstsituation dann stark wie ein Löwe sein. Oder es gemütlicher wie ein Elefant angehen, wenn man zappelig ist." Die Musik zu Letzteren wird im Walzertakt gespielt – "damit sind die Älteren vertrauter".

Vertraute Freunde

Mit großen Elefantenohren kommen die Kinder wieder auf die Bühne, umringen ihre reifen Elefanteneltern und schwingen die Arme. Die Berührungen sind vertraut – immerhin sind die Älteren ein Mal pro Woche im Kindergarten und basteln oder malen gemeinsam mit den Kindern.

Niemand muss, jeder darf. "Und wenn Herr Franz beim Malen wieder einmal einnickt, nehmen die Kinder ihm den Pinsel vorsichtig aus der Hand", erzählt die Leiterin des Kindergartens, Christiane Danglmaier. Die Kinder sind aber auch ein Mal wöchentlich auf einer anderen Station bei den Älteren zu Besuch. Über ihren spielerischen Zugang plaudern und singen sie mit den Bewohnern – vor allem Kinderlieder sind vielen noch gut vertraut und sie singen mit.

"Es ist so eine große Freude. Und am Gang begrüßen sie uns immer freudig und sagen, dass wir Freunde sind", erzählen die Alten später. "Dabei testen sie immer, ob wir noch wissen, wie sie heißen. Das tut der Seele gut. Weil wir freuen uns auch, wenn sie sich unsere Namen merken."

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