Ratten und Mäuse zählen zu den meistverwendeten Tieren.

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Kosten-Nutzen-Ethik
10/17/2015

Forschung braucht Tierversuche

2014 wurden 209.183 Tiere bei Versuchen verwendet. Vetmeduni Wien setzt auf interne Vorbegutachtung und Ethik.

Im Vorjahr wurden 209.183 Tiere bei Tierversuchen verwendet, 83 Prozent davon waren Mäuse. Die aktuelle Zahl liegt geringfügig über dem Niveau von 2013, damals mussten sich 208.559 Tiere in den Dienst der Wissenschaft stellen. Nach einem Höchststand von mehr als 220.000 Versuchstieren im Jahr 2008 ist die Zahl der Tierversuchs bis 2012 (184.610) kontinuierlich gesunken, steigt aber aufgrund von Änderungen in der Erfassung im neuen Tierversuchsgesetz seither wieder an.

Das neue Tierversuchsgesetz sieht vor, dass Tierversuche in vier Schweregrade eingeteilt werden:
  • 57 Prozent bzw. rund 120.000 der 2014 durchgeführten Tierversuche wurden mit dem Schweregrad „gering“ eingestuft. Das bedeutet „kurzfristig geringe Schmerzen, Leiden oder Ängste“, oder Versuche ohne wesentliche Beeinträchtigung des Wohlergehens oder des Allgemeinzustands der Tiere. Ein Beispiel: Ohr- oder Schwanzspitzenbiopsien.
  • Bei rund einem Drittel (30 Prozent bzw. 63.000 Tiere) wurde der Schwergrad „mittel“ genannt. Das sind Versuche, die „kurzzeitig mittelstarke Schmerzen, Leiden oder Ängste oder lang anhaltende geringe Schmerzen“ verursachen. Dies ist etwa bei chirurgischen Eingriffen unter Narkose mit mittelschweren postoperativen Schmerzen der Fall.
  • Als „schwer“ wurden rund zehn Prozent (21.000 Tiere) der Tierversuche eingestuft, das bedeutet „starke Schmerzen, schwere Leiden oder Ängste oder lang anhaltende mittelstarke Schmerzen, Leiden oder Ängste“. Dazu zählen z.B. Verpflanzungen artfremder Gewebe oder die vollständige Isolierung geselliger Tiere über einen längeren Zeitraum.
  • Von den Als Schweregrad eins stuft das Gesetz sogenannte Terminalversuche ein, die gänzlich unter Vollnarkose durchgeführt werden, aus der das Tier nicht mehr erwacht. 2014 wurden drei Prozent aller Tierversuche (rund 5.000 Tiere) so bewertet.
"Für medizinische Forschung auf höchstem Niveau sind Tierversuche notwendig", rechtfertigt Sonja Hammerschmid (Bild), Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, die Zahlen. Und betont: Tiergesundheit sei eines der expliziten Ziele der VetmedUni – und das bedinge medizinische Forschung für deren Weiterentwicklung, was letztendlich auch der Menschengesundheit zu Gute komme. Es gibt keine Alternativmethoden, die den lebenden Organismus ersetzen können. Jedes Humanmedikament habe einen Tierversuchs-Hintergrund.

Tierschutz und Tierwohl sollen auf der VetmedUni nicht zu kurz kommen. Uni-Angehörige haben sich daher zu einer "Ethik- und Tierschutzkommission" zusammen geschlossen und führen eine interne Vorbegutachtung von Anträgen durch, noch bevor das vorgeschriebene behördliche Verfahren für die Genehmigung von Tierversuchen angegangen wird. Die zentrale Frage dabei ist, welche Belastungen in Kauf genommen werden dürfen, um den erwarteten Nutzen zu erreichen.

Nicht zuletzt versuchen die Forscher die Dimensionen zurecht zu rücken und verweisen im Vergleich zu den rund 200.000 Versuchstieren, die jährlich in Österreich verwendet werden, auf die rund 80 Millionen Tiere, die hierzulande für die Lebensmittelproduktion geschlachtet werden. Damit kommen im Laufe eines 80-jährigen Lebens im Schnitt auf jeden Österreicher etwa 1000 Schlachttiere, aber nur zwei Labortiere.

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