Die Fähigkeit Glück zu empfinden, liegt bis zu 40 Prozent in den Genen, aber wie ein Instrument kann es auch geübt werden.

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Leben
08/26/2014

Was macht Menschen glücklich?

Die Fähigkeit, Glück zu empfinden, liegt bis zu 40 Prozent in den Genen, aber wie ein Instrument kann es auch geübt werden.

von Laila Daneshmandi

Es muss nicht gleich ein Lottogewinn oder der Sieg der Lieblings-Fußballmannschaft sein. Auch ein schöner Sonnenuntergang oder eine gute Nachspeise können glücklich machen. In Innsbruck diskutieren dieser Tage rund 1000 Psychologen aus 61 Ländern über die neuesten Erkenntnisse aus der Glücksforschung.

„Man kann keinem Menschen auf den Kopf zusagen, was ihn glücklich machen wird“, erklärt Kongresspräsident Prof. Stefan Höfer von der MedUni Innsbruck gleich vorweg. „Es gibt keine Checkliste, die man abarbeiten kann damit man danach glücklich ist.“ Essenziell sei es, in den Dingen, die man tut, einen Sinn zu sehen – sie mit Freude zu machen.

Am wichtigsten sind nicht Gesundheit oder Geld

„Oft steht bei der Frage nach Glück die Gesundheit im Zentrum – Glück und Wohlbefinden sind aber mehr als die Abwesenheit von Krankheit. Ein Leben ohne Schmerzen ist noch lange kein glückliches Leben“, sagt Höfer. Das wichtigste für Menschen sei nicht Gesundheit oder etwa Geld, sondern andere Menschen.

So konnte etwa eine Studie zeigen, dass Lottogewinner und Menschen, die nach einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen sind, nach einer gewissen Zeit wieder genauso zufrieden mit ihrem Leben waren wie vor den Ereignissen. Ob hohe Glücksgefühle, oder große Krisen – das Wohlbefinden pendelt sich nach einer gewissen Zeit wieder auf den sogenannten „Set-Point“ ein. „Menschen haben so eine Regenerationsfähigkeit, dass wir uns wieder bei einem bestimmten Level einpendeln.

Langfristige Effekte

Dieser Theorie widerspricht wiederum der renommierte Glücksforscher Ruut Veenhoven von der Erasmus Universität Rotterdam. „Es stimmt, dass wir uns von gewissen Dingen wie etwa einer Ehescheidung erholen können – aber wenn jemand sein Kind verliert, hat das einen langfristigen Effekt.“ So habe eine Studie mit australischen Soldaten, die im Korea-Krieg waren gezeigt, dass sie bis heute weniger glücklich sind als ihre Mitbürger, die nicht im Krieg waren.

Glück ist gesund

Was den Gefühlen gut tut, ist übrigens auch gut fürs Herz. Eine Langzeitstudie an der Columbia University hat gezeigt, dass Menschen, die mit ihrem Leben nicht sehr zufrieden waren, zehn Jahre später eine viel höhere Wahrscheinlichkeit für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten.

Übung macht den Meister

Glücklichsein kann man üben – es gibt drei Faktoren, die das Gefühl beeinflussen: Zum einen hängt es von der Umwelt ab, in der wir leben. So sind Menschen in einem geregelten Staat etwa glücklicher als in einem korrupten Staat. Zweitens beeinflusst Genetik die Bandbreite des Glücks – die Gene machen sogar bis zu 40 Prozent aus. Vergleichbar ist das mit dem musikalischen Gen: jemand, der weniger musikalisch ist, muss zum Erlernen eines Instruments länger üben als jemand, der musikalisch ist.

Drittens können wir selbst zu unserem Glück selbst beitragen, indem wir unser Verhalten steuern. Dazu gibt es eine „Drei-Sätze-Übung“: Dabei nimmt man sich über 14 Tage jeden Abend Zeit, etwa beim Zähneputzen, und reflektiert, was an dem Tag gut war, was einen berührt hat, was Spaß gemacht hat. Das kann auch einfach der Weg ins Büro bei schöner Herbstluft gewesen sein. Oder ein Arbeitskollege, der etwas nettes gesagt hat. Es geht darum, die Wahrnehmung zu schärfen.

Die Übung kann verstärkt werden, wenn man seine Eindrücke abends mit jemandem teilt. Eine Studie hat gezeigt, dass Menschen, die diese Übung machen, schon nach einem halben Jahr mehr Wohlbefinden verspürt haben als eine Vergleichsgruppe, die einfach nur Eindrücke vom Tag aufgeschrieben hat.

"Der Glücksweiser"

Veenhoven, der auch die „World Database of Happiness“ gegründet hat, stellt bei dem Kongress sein Projekt „Der Glücksweiser“ vor: In den Niederlanden hat eine Krankenkassa sein Online-Glückstagebuch finanziert, wo die Teilnehmer jeden Tag rekonstruieren konnten. Danach wurden sie gefragt, wie sie sich dabei gefühlt haben. Die Leute, die daran teilgenommen haben, haben sich mit der Zeit glücklicher gefühlt.

„Wir müssen jetzt erforschen, warum das Tagebuch hilft“, sagt Veenhoven. Seine Theorie ist, dass die Menschen dadurch bewusster wahrnehmen, was sie glücklich macht. Heißt: ob sie etwa besser gelaunt sind, wenn sie mit dem Bus oder mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren. „Es hilft einen Lebensstil zu kreieren, der für einen selbst besser passt.“

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