© GRUBER FRANZ

Eishockey-Torfrau
04/14/2014

First Lady auf dem Eis

Die Ausnahme-Athletin Theri Hornich ist die Wölfin im Tor der Wiener Wölfe.

von Uwe Mauch, Franz Gruber

Auffallend beim Training in der Eishalle in Kagran: Sie fängt selbst scharfe Schlagschüsse mit links oder wehrt sie furchtlos mit ihrem Schläger bzw. ihrem gut geschützten Körper ab. Ihre Bewegungen sind ebenso geschwind wie geschmeidig. Müssen sie auch sein. Sonst wäre sie gegen all die anstürmenden Männer chancenlos.

Theri Hornich ist dank einer Ausnahmeregelung die einzige Frau im österreichischen Männer-Eishockey.

Seit zwei Jahren spielt sie im Tor der Wiener Wölfe, und die sind immerhin die aktuell drittbeste Eishockey-Mannschaft in Wien. Außerdem hütet sie das Tor des Damen-Nationalteams. Und damit ihr nicht fad wird, trainiert sie auch die jungen Tormänner beim Profiverein Vienna Capitals.

Man braucht eine gute Hand-Auge-Koordination“, erklärt die 23-jährige Studentin für Sport und Psychologie nach dem Training. Dann befreit sie sich Stück für Stück von ihrer Schutzpanzerung. Immer mehr kommt dabei eine zierliche Frau mit kompakten Muskelpaketen an Armen, Schultern und am Rücken zum Vorschein.

Eishockey ist ihr Leben

Täglich trainiert sie Kraft und Koordination. Fünf Mal pro Woche übt sie auf dem Eis. Dazu kommen ein bis zwei Spiele am Wochenende.

Trotz ihres Alters kann die Torfrau auch auf ihre Erfahrung bauen: Schon mit fünf Jahren hat sie zum ersten Mal einen Eishockeyschläger in ihre Hand genommen. Obwohl es dafür keine Vorbilder in der Familie gibt.

„Ich war mit meinen Eltern auf dem Heumarkt beim Publikumseislaufen“, erinnert sich Theri, die eigentlich Theresa heißt. Das Rundenlaufen hat sie nicht elektrisiert, dafür das Spiel der Buben auf der abgetrennten Eisfläche.

Mit acht wechselte sie ins Tor. „Weil die Torleute die coolere Ausrüstung haben.“ Sie lächelt. Und erzählt auch, dass sie bei ihrem ersten Spiel elf Tore hinnehmen musste. „Es hat mir dennoch großen Spaß gemacht.“

Mit 18 wechselte sie vom WEV zu den Wiener Wölfen, die in der dritthöchsten nationalen Liga spielen. Dort sprechen die Mannschaftskollegen mit großem Respekt über ihre Torfrau. Einer sagt: „Solange sie so gut hält, ist es egal, ob sie ein Mann oder eine Frau ist.“ In der vollen Hockey-Montur könne man bei ihr eh kaum einen Unterschied ausmachen.

In der Kabine wird ebenso gescherzt wie in anderen Männersport-Kabinen. Das Motto des Wölfe-Trainers: „Eine Kabine bleibt eine Kabine.“ Dennoch ist sich der Leitwolf sicher: Die Anwesenheit einer Wölfin wirkt sich auf das allgemeine Niveau der Gespräche positiv aus.

Wolf im Schafspelz

Angst kennt die Torfrau nicht: „Wer im Eishockeytor Angst hat, hat schon verloren. Man muss sich auf seine Ausrüstung verlassen. Und das kann man auch. Ich war noch nie verletzt.“

Im Spiel sei aber auch keine Zeit für Glücksgefühle: „Egal, ob ich einen Schuss halte oder ein Tor bekomme, ich muss das sofort abhaken und mich wieder voll konzentrieren. Denn was hilft uns die schönste Abwehr, wenn ich schon im nächsten Moment arg daneben greife.“

Wann fällt dann die Anspannung ab? „Sofort, wenn ich die Schlusssirene höre.“ Ihr großes Ziel ist übrigens ein Profivertrag: „So wie die finnische Nationalteam-Torfrau.“ Und die Olympischen Spiele, 2018 in Südkorea. Dazu muss sich das Damen-Team gegen die stärksten Nationen der Welt behaupten und einen der acht begehrten Startplätze erobern. Eine große Aufgabe: Die Österreicherinnen sind Amateurinnen: Studentinnen, Schülerinnen oder berufstätig.

Gerne würde Hornich noch professioneller trainieren. Doch dazu müsste sie in eine der Hochburgen des Eishockeys nach Skandinavien, Russland oder Nordamerika wechseln. Immerhin konnte sie sich zuletzt dank des speziellen Trainings mit einem Trainer der Vienna Capitals deutlich verbessern.

Eine Frau im Tor, noch dazu in einem der schnellsten und härtesten Sportarten der Welt? Die Reaktionen ihrer Freunde und Bekannten sind durchwegs positiv. Die First Lady auf dem Eis sagt stolz: „Alle, die einmal zugeschaut haben, kamen wieder.“ Woraus sie auch einen Wunsch ableitet: „Schön wäre es, wenn wir die Chance bekämen, mehr Menschen unser Können zu zeigen.“

Freund und Vorbild

Dass sie bei den Wölfen seit zwei Jahren die Nummer eins ist und ein Mann die Nummer zwei, scheint kein grobes Problem zu sein. Im Gegenteil: „Mein Back-up ist ein fairer Sportler und darüber hinaus ein guter Freund.“

Auch nach der aktiven Karriere möchte Hornich beim Sport bleiben. Deshalb hat sie auch eine Ausbildung als Trainingstherapeutin absolviert. Ihre Arbeit mit den jungen Torleuten bereitet ihr viel Freude: „Sie sind fleißig und zielorientiert.“ Unter ihren Fittichen ist auch eine Siebenjährige: „Für sie bin ich ein großes Vorbild.“

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