Ex-Sprint-Star: "Zwei Wochen vor Olympia abgetrieben"

Track and Field: 2016 U.S. Olympic Team Trials - T
Foto: USA Today Sports/James Lang Sanya Richards-Ross

Das Thema Abtreibung gilt im Spitzensport noch immer als tabu. Die US-Athletin Sanya Richards-Ross möchte das ändern und berichtet in ihrem neuen Buch und einem Interview offen über ihre eigenen Erfahrungen.

Die 32-jährige Sanya Richards-Ross, mehrfache Olympiasiegerin und Weltmeisterin, blickt auf eine Karriere mit unzähligen sportlichen Höhepunkten zurück. Im Frühsommer vergangenen Jahres gab sie schließlich ihren Rücktritt bekannt. Die Zeit seit diesem hat sie beispielsweise dafür genutzt, an ihrem Buch "Chasing Grace" (Auf der Jagd nach Gnade) zu arbeiten, das nun erschienen ist. In diesem schreibt sie offen über das Tabuthema Abtreibung im Spitzensport und ihre eigenen Erfahrungen damit. Denn Richards-Ross hat selbst zwei Wochen vor den Olympischen Spielen 2008 in Peking einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen.

U.S. Sanya Richards-Ross, center, crosses the fini… Foto: AP/Remy de la Mauviniere Sanya Richards-Ross (Mitte)

Fehlinformationen unter Sportlerinnen

Im Interview mit der Sendung Now bei Sports Illustrated TV erzählte Richards-Ross nun, dass das im Spitzensport häufig vorkomme. "Ich kenne keine einzige Leichtathletin, die nicht abgetrieben hat", sagte Richards-Ross. Grund dafür seien Fehlinformationen und zu wenig Aufklärung unter den Athletinnen. So würden zum Beispiel viele Sportlerinnen nicht mit der Pille verhüten wollen, weil sich dadurch Wasser im Körper einlagere und sie dadurch an Gewicht zulegen würden. Außerdem sei in diesen Kreisen der Mythos verbreitet, dass Spitzensportlerinnen nicht schwanger werden könnten, weil ihr Zyklus kürzer ist oder teilweise ganz aussetzt. Grund dafür ist das harte Training.

Öffentliche Diskussion und Aufklärung

Mit ihrer Offenheit will sie nun anderen Sportlerinnen helfen und zu einer öffentlichen Diskussion über das Thema anregen. Sie hofft, dass junge Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation wie sie damals befinden, nicht das gleiche durchmachen müssen.

SPO-RUN-2016-U.S.-OLYMPIC-TRACK-&-FIELD-TEAM-TRIAL Foto: APA/AFP/GETTY IMAGES/Patrick Smith

Bei ihrem eigenen Schwangerschaftsabbruch war ihr damaliger Freund und heutiger Ehemann, der Football-Profi Aaron Ross, selbst auf einem Trainingscamp gewesen, das er nicht verlassen konnte. Sie ging also alleine mit ihrer Mutter zum Doktor, der ihr zwei Wochen Ruhe verordnete. Aufgrund der bevorstehenden Olympischen Spiele war diese Pause für Richards-Ross aber nicht möglich. Der Vorfall sei für das Paar damals schwer zu verkraften gewesen, doch heute sagt Richards-Ross, dass er ihre Beziehung gestärkte habe und sie in dieser Zeit viel über sich und Aaron gelernt habe. Nun erwartet Richards-Ross gemeinsam mit ihrem Mann das erste Baby, das noch im Sommer zur Welt kommen soll.

(kurier / elmo) Erstellt am
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