Warum Dänen so glücklich sind

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Foto: AP/Yun Jai-Hyoung  

Dänen zählen zu den glücklichsten Menschen der Welt. Forscher fanden nun heraus: Es steckt im Erbgut.

Lykkelig – glücklich, so bezeichnen sich die Dänen bei diversen Rankings zu Glück und Zufriedenheit. Zum Beispiel beim "World Happiness Report", der jährlich von den Vereinten Nationen in Auftrag gegeben wird. Wissenschaftler des Earth Institute der Columbia University erheben Daten von Sozialsystemen bis Arbeitsmarkt und befragen Menschen zu ihrer Selbstwahrnehmung. Zwei Jahre in Folge führten die Dänen diese Studien an – nur 2015 wurden sie von den Schweizern überholt und landeten auf Platz drei. Weiters in den Top Ten vertreten: Norwegen, Finnland, Island und Schweden. Österreich landete auf Platz 13 von 160.

Biologischer Faktor

Warum sind die Skandinavier so glücklich? Es sind nicht nur soziale oder wirtschaftliche Faktoren, sondern auch biologische, fand ein Forscherteam um Michael Minkov von der Universität Varna in Bulgarien heraus. Sie sind überzeugt, dass das Glück in den Genen liegt. Im Springer Journal of Happiness Studies berichten sie von auffälligen Übereinstimmungen: Das A-Allel (Allel ist die Funktionsweise eines Gens, Anm.) des Gens für das Enzym "Fettsäure-Amid-Hydrolase" ist bei Menschen besonders verbreitet, die bei Umfragen des "World Value Surveys" angegeben haben, sehr glücklich zu sein. Das A-Allel hemmt den chemischen Abbau eines Botenstoffes, der Schmerzen lindert und Sinneseindrücke intensiviert. Laut Forschern tragen Schweden und Dänen dieses Allel häufiger in sich. Bei Mittel- und Südeuropäern sind diese Gen-Variationen kaum vorhanden. Das könnte erklären, warum sie sich als weniger glücklich einschätzen.

Die Zufriedenheit der Nordeuropäer beschäftigt die Wissenschaftler schon seit einigen Jahren. Soziologe Ruut Veenhoven von der Erasmus Universität Rotterdam sagte bei einem Symposium in Wien, dass 30 Prozent des Glücks in den Genen liegt. Der Rest hänge von den Lebensumständen und Wahlmöglichkeiten in einem Land ab. Einkommensverteilung, sozialer Status und Bildungsgrad haben kaum Einfluss. So fand Veenhoven heraus, dass sich die Dänen auf einer Skala von 1 bis 10 mit 8,3 zu den glücklichsten Menschen weltweit zählen dürfen.

Serotonin

Eugenio Proto von der University of Warwick verglich wiederum Meinungsumfragen zur Zufriedenheit mit genetischen Informationen aus den jeweiligen Ländern. Das Ergebnis: Je größer der genetische Abstand zum Durchschnittsgenom der Dänen abwich, desto unglücklicher waren auch die Nationen im Mittel. Plus: In Dänemark und den Niederlanden kam häufiger eine Genvariante vor, die die Serotoninaufnahme begünstigt - Glücksgefühle und Selbstzufriedenheit werden dadurch erleichtert. Im Umkehrschluss gibt es auch eine Mutation, die dafür sorgt, dass der Neurotransmitter Serotonin schlecht an die Rezeptoren im Gehirn andocken kann. Das führt zu depressiver Stimmung. Um sicherzugehen, führten er und sein Team einen dritten Test durch: Sie untersuchten die Glücksgefühle von Amerikanern und rekonstruierten ihre Abstammung. Die glücklichsten Menschen stammten von Vorfahren ab, deren genetische Ausstattung jener der Dänen glich. Wer keine dänischen Vorfahren hat, sollte dennoch nicht verzweifeln – Glücklichsein lässt sich üben.

Tipps

5 Gewohnheiten, die glücklich machen

Neurowissenschaftler haben gezeigt, dass es einfache und leicht erreichbare Dinge gibt, die bei uns Glücksgefühle im Alltag auslösen können.

1. Hören Sie Musik Bestimmte Melodien und Lieder können Erinnerungen auslösen, da das musikalische Gedächtnis sehr stabil und eng mit Emotionen verknüpft ist. Manche Musikstücke sind an konkrete Erfahrungen geknüpft – etwa an das erste Verliebtsein – und können diese emotional wiederkehren lassen. Musik, die emotional bewegt, aktiviert das Glückshormon Dopamin im Gehirn. Der Botenstoff hemmt Angst und die Ausschüttung von Stresshormonen. Blutdruck und Puls sinken und beruhigen sich.

Woman listening to music in headphones in park Foto: Maridav - Fotolia/Maridav/Fotolia

2. Mehr lächeln Gewisse körpereigene Signale können Glücksgefühle auslösen. Es funktioniert nicht nur so, dass wir lächeln, wenn wir glücklich sind, sondern auch umgekehrt: Wir sind glücklich, wenn wir lächeln. Diese Technik entstammt dem Biofeedback, das häufig zur Entspannung und therapeutisch angewandt wird. Körpereigene Signale werden bewusst eingesetzt, um gewisse Empfindungen auszulösen oder zu verhindern. Eine Studie hat sogar gezeigt, dass Lächeln dem Gehirn gleich viel Glücksgefühl verschafft wie die Aussicht auf viele Schokoriegel.

3. Ziele setzen Fühlt man sich gestresst oder überfordert, kann es helfen, an längerfristige Ziele zu denken. Das signalisiert dem Gehirn einen gewissen Grad an Kontrolle und kann die Dopaminausschüttung anregen, was für Glücksgefühle und Motivation sorgen kann. Hält man sich vor Augen, welche Schritte man erreicht hat, fühlt man sich besser.

4. Guter Schlaf Wer schlecht schläft, ist eher unglücklich. Studien zeigen, dass Menschen mit chronischen Schlafproblemen eher Depressionen entwickeln. Guter Schlaf für das Gehirn gelingt, wenn man untertags hellem Sonnenlicht ausgesetzt ist. Zur Schlafenszeit sollte es hingegen dunkel sein. Rituale vor dem Einschlafen sowie ähnliche Zu-Bett-geh-Zeiten erleichtern es dem Gehirn, sich auf die Nacht vorzubereiten.

Beautiful brunette woman in pajamas sleeping in a … Foto: Ljupco Smokovski/istockphoto

5. "Drei-Sätze-Übung" Dabei nimmt man sich 14 Tage jeden Abend Zeit und reflektiert, was gut war, was einen berührt hat und was Spaß gemacht hat. Das kann der Weg ins Büro bei schöner Herbstluft gewesen sein. Oder ein Arbeitskollege, der etwas Nettes gesagt hat. Es geht darum, die Wahrnehmung zu schärfen. Die Übung kann verstärkt werden, wenn man seine Eindrücke teilt.

(KURIER) Erstellt am
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