Die Erde ist ständig im Wandel

Museum, NHM…
Foto: /NHM Wien, Kurt Kracher Das NHM zeigt, wie das Leben auf der Erde und das Klima entstanden

Von der brodelnden Kugel zum Schneeball: Eine Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Wien zeigt den Planet 3.0.

Am Anfang war sie ein brodelnder, schnell rotierender Feuerball. Nichts und niemand hatte dort eine Chance, zu überleben. Erst als sich die Erde abkühlte, eine Kruste und damit auch eine Atmosphäre entstand, avancierte der Planet zu einem bewohnbaren Lebensraum. Dennoch sollte es fast eine Milliarde Jahre dauern, bis die Zelle, das Grundelement des Lebens, entstehen konnte. Die Zeugen der ersten Lebewesen waren sogenannte "Stromatolithen" – Sedimentgesteine, die durch Lebewesen gebildet wurden.

Die Sonderausstellung "Planet 3.0" des Naturhistorischen Museums (NHM Wien) wirft einen Blick weit zurück in die Klimageschichte der Erde und wagt eine Prognose für unsere Zukunft. Die Forscher des NHM Wien und des Senckenberg Museums in Frankfurt haben ein Bild entworfen, wie die Erde vor Milliarden von Jahren ausgesehen haben könnte. Der Blick zurück zeigt aber auch, „dass die momentan stattfindende Änderung auf völlig anderen Zeitskalen passiert als in der Vergangenheit“, sagt der Generaldirektor des NHM Wien, Christian Köberl, – nämlich in wenigen Jahrzehnten statt in Jahrtausenden und -millionen. Die Schau läuft bis 3. April 2016.

Geschichte

Die Erde ist heute etwa 4,6 Milliarden Jahre alt – im Laufe der Geschichte hat sie sich immer wieder dramatisch verändert. Zum Beispiel in eine Art Schneeball. Vor mehr als 600 Millionen Jahren waren Land und Ozeane – von den Polen bis zum Äquator – von einer teils Kilometer dicken Eisschicht bedeckt. Warum es so ungemütlich wurde? Nun, französische Klimaforscher fanden heraus, dass damals mehrere Phänomene aufeinandertrafen: Die Sonne war um sechs Prozent schwächer, gleichzeitig sank die Konzentration des Treibhausgases Kohlendioxid in der Atmosphäre. Das CO2wirkte zuvor wie eine Art Glasdach. Es speicherte die Wärme und verhinderte, dass sie in den Weltraum entwich. Nun war kein CO2 mehr da und damit wurde es kälter. Dazu kam, dass der älteste bekannte Superkontinent "Rodinia" kollabierte – riesige Landmassen, auf denen sich heute Nordamerika befindet, brachen auseinander. Der Kollaps führte zu mehr Regen, wodurch Kohlendioxid gebunden wurde. Und er ließ Basaltgestein verwittern, dessen Brocken auch wieder CO2 aufnahmen.

Aus dem Dauerschlaf erlöst

Trotz ihres Frostmantels blieb die Erde weiterhin in Bewegung. Erdplatten bewegten sich, Bodenkrusten brachen auf – Vulkane spien Lava. Forscher vermuten, dass diese vulkanischen Aktivitäten den Planeten wieder aus seinem frostigen Dauerschlaf erlöst haben. Denn dadurch gelangte genügend Treibhausgas in die Atmosphäre, so dass es wieder zu einer Erwärmung kam. Nach Abschmelzen des Eises setzte vor 510 Millionen Jahren tropisches Klima ein. Und damit auch die Artenvielfalt.

Klimawandel und Massensterben hat es also schon weit früher gegeben. Insgesamt fünf große Ereignisse – aufgrund massiver klimatischer Veränderungen. Dabei zeigte sich, dass Arten immer wieder verschwanden, aber auch wieder neue entstehen konnten. Die Lebensbedingungen von Organismen änderten sich regelmäßig, genauso wie das Ökosystem, das immer wieder Platz für neue Entwicklungen schuf. Einmal war es um 50 Grad kälter als heute, einmal um 20 Grad wärmer.

Veränderungen

Was all diese Veränderungen eint, ist, dass sie sich über Tausende oder gar Millionen von Jahren erstreckten. Während sich heute alles in einem Zeitraum von wenigen Jahrzehnten abspielt. Der Mensch greift in das Klima ein, weil er sich fossile Brennstoffe wie Erdöl, Gas und Kohle holt. Der dabei freigesetzte Kohlenstoff, der zum Beispiel beim Fliegen entsteht, beeinflusst das Klima. Die Mobilität hat auch andere Folgen: Sie machte es möglich, dass sich Arten verbreiten, sogenannte invasive Arten. "Neobiota" heißen die neuen Nachbarn. Und sie sind, wie die asiatische Tigermücke, fähig, Krankheiten zu übertragen. Oder die pazifische Auster, die –eingeschleppt ins Wattenmeer– mit anderen Miesmuscheln konkurriert. Die Austern-Schale ist wiederum für Vögel und Krebse problematisch, da sie nicht aufzubrechen ist.

Das Dasein der Menschen auf der Erde ist zeitlich begrenzt – egal, was passiert. Ob wir versuchen, das Klima zu stabilisieren oder Biodiversität und Leistungen von Ökosystemen zu schützen. Die Verantwortung sollten wir trotzdem nicht einfach abgeben.

(kurier) Erstellt am
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