Grabende Eichhörnchen haben besseres Gleichgewicht

Futtersuche im Garten
Foto: APA/dpa-Zentralbild/Stefan Sauer   

Wiener Biologen stellten fest: Der Gleichgewichtssinn von Eichhörnchen hängt von der Bewegungsart ab.

Je rasanter sich ein Hörnchen fortbewegt, desto ungenauer funktioniert sein Gleichgewichtsorgan, fand die Wiener Biologin Cathrin Pfaff heraus. Durch diese Anpassung wird das Gehirn selbst bei rasanter Geschwindigkeit nicht mit Informationen überflutet, erklären die Forscher im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B" ihre Vermutung für den Grund der Unterschiede zwischen den Arten.

Die Wissenschafter haben die Bogengänge des Gleichgewichtsorgans im inneren Ohr von Eichhörnchen und ihren engen Verwandten mit Computertomographie (CT) vermessen. Diese Tiere haben trotz ihrer nahen Abstammung sehr unterschiedliche Lebensweisen: Manche Arten graben Tunnel, andere krabbeln, laufen, klettern auf Bäume und springen oder gleiten von einem Ast zum nächsten. Auch die aktiv fliegenden Fledermäuse wurden in die Studie aufgenommen, um das untersuchte Fortbewegungs-Spektrum zu erweitern.

Bogengänge

Obwohl Gleithörnchen und Fledermäuse eigentlich mehr Informationen über ihre Lage im Raum benötigen, haben sie deutlich dünnere Bogengänge und damit weniger empfindliche Gleichgewichtsorgane als die am Boden lebenden Tiere, so die Forscher. Die größten und feinfühligsten Bogengänge fanden sie bei grabenden Arten.

"Wenn sich ein Tier aktiv durch die Luft bewegt und rasch in den drei Dimensionen zurechtfinden muss, dann müssen die passenden Informationen in das Gleichgewichtsorgan einfließen, damit es nicht tödlich gegen den nächsten Baum knallt", sagte Cathrin Pfaff, die am Department für Paläontologie der Universität Wien forscht, im Gespräch mit der APA. Sie und ihre Kollegen würden davon ausgehen, dass die Grundsensitivität des Gleichgewichtsorgans bei solchen Tieren niedriger ist, damit ihre Gehirne nicht von Informationen überflutet werden.

Ziel der Studie sei es jedoch vor allem gewesen, dass man in Zukunft die Lebensweisen ausgestorbener Nagetiere einfacher ermitteln kann, sagte Pfaff. "Wenn jemand ein fossiles Tier findet, kann er einen CT-Scan des Innenohres machen und anhand unserer Vergleichsdaten sehen, wie es sich einst bewegt hat", erklärte die Wissenschafterin.

(kurier/apa / ege) Erstellt am
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