Herzkrankhei­ten: frühe Diagnose per Handy

Herz
Foto: Lizard/Fotolia Neue App als Herzhelfer

Zwei österreichische Wissenschaftler entwickeln eine Smartphone-App zur Früherkennung von Herz- Kreislauf-Risiken.

Lässt sich die Herzgesundheit eines Menschen anhand seiner Gesichtsfarbe ablesen? Oder aber mithilfe seines Fingers? Davon sind die Brüder David und Tamas Madl überzeugt. Die Experten für Künstliche Intelligenz arbeiten an einer App namens HeartShield, die zukünftige Erkrankungen des Herzens möglichst früh erkennen soll. Eine einfache, aber eindrückliche Demonstration dessen, was die Technologie kann, gelang den beiden Wissenschaftlern während der TV-Schluss-Debatte von Hillary Clinton und Donald Trump. Nur anhand des Fernseh-bilds wurde deren Herzfrequenz gemessen – und zwar mittels Hautfarbe auf der Stirn der Kandidaten. Die Analyse zeigte, dass Clintons Herzfrequenz im Gegensatz von Trump konstant meist niedrig war. Nur bei Themen wie Waffenbesitz erhöhte sich die Rate merklich, während Trumps Herzschlag beim Thema Immigration in die Höhe schnellte.

Früherkennung mittels App

Ziel dieser Aktion war es, auf das Start-up-Projekt aufmerksam zu machen, für das die beiden Österreicher noch eine Finanzierung suchen – ein einfaches Frühwarnsystem für Herzkrankheiten auf Smartphones.

App Interview -1.jpg… Foto: /Privat David und Tamas Madl sind überzeugt, mit ihrer Technologie pro Jahr Tausende Leben retten zu können. "Unsere Mission ist die Verringerung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Alleine in Europa wären mehr als 1,4 Millionen Todesfälle pro Jahr vermeidbar. Das Problem: Nur einer von vier Menschen kennt die Symptome einer Herzerkrankung, dazu kommt, dass ein krankes Herz oft keine Symptome verursacht. Je früher eine Diagnose möglich ist, desto eher kann den Betroffenen geholfen werden. Etwa mithilfe von Medikamenten oder einer Änderung des Lebensstils (Rauchen, Ernährung, Gewicht, Bewegung), die alleine ausreichen, um zirka die Hälfte der Erkrankungen zu verhindern", sagt Tamas Madl.

Künstliche Intelligenz

"HeartShield" schafft es, mittels künstlicher Intelligenz festzustellen, ob jemand ein potenzieller Kandidat für einen Herzinfarkt oder aber für Herzinsuffizienz ist. Für die Nutzer funktioniert das denkbar einfach: Sie legen ihren Finger 60 Sekunden auf die Kamera des Smartphones. Ähnlich wie bei der Pulsoximetrie – ein Messverfahren, das in Krankenhäusern zum Einsatz kommt. Und bei dem mittels Licht und Durchleuchtung der Haut per Fingersensor der Sauerstoffgehalt im Blut gemessen wird und die Herzfrequenz abgeleitet werden kann.

"Durch die genaue zeitliche Erfassung der einzelnen Herzschläge entsteht ein Modell der Dynamik des Herzmuskels. Die Anpassungsfähigkeit des Körpers beeinflusst diese Dynamik, wenn die Durchblutung des Herzens nicht stimmt, also wenn etwa die Arterien verengt sind. Unser Lernverfahren – basierend auf Algorithmen – kann die gesunde Dynamik von jener bei Herzkrankheiten unterscheiden", erläutert David Madl.

… Die Technologie verwendet statt altbekannter statistischer Ansätze, wie sie sonst in der Kardiologie üblich sind, ein neuartiges maschinelles Lernverfahren. Dabei lernt der Computer aus einer großen Menge an Daten. "Wir zeigen dem Algorithmus Tausende von Patientendaten, sowohl gesunde, als auch kranke, und lassen ihn automatisch lernen, was genau die beiden unterscheidet. Das ist der Kernpunkt unserer Innovation", erläutern die beiden Brüder. Dieser Ansatz sei signifikant genauer als der aktuelle wissenschaftliche State of the Art.

"Sehr überzeugend, tolle Sache", zeigt sich Herzspezialist Univ.-Prof. Werner Mohl, MedUni Wien, von dem Projekt angetan.

Nun sind die Madl-Brüder gerade dabei, eine Finanzierung für ihre klinischen Studien aufzustellen, um die Genauigkeit der Applikation in der Praxis zu beweisen.

Interessierte können sich übrigens unter https://heartshield.net für die Beta-Version registrieren.

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(kurier) Erstellt am