Leben 22.01.2018

Dreiste Anfrage: Bloggerin von Hotel bloßgestellt

© Bild: Youtube/Screenshot/Elle Darby

Blogger haben in einem Dubliner Hotel seit Kurzem Hausverbot. Grund dafür ist die Anfrage einer britischen Youtuberin.

Gratis Hotelübernachtungen sind in der Blogger-Szene gang und gäbe. Im Gegenzug gibt es von den Influencern eine Rezension, die Leser ermutigen soll, das jeweilige Hotel zu buchen. Für eine britische Youtuberin ging ein solches Gegengeschäft kürzlich nach hinten los. Der Vorfall, der seit vergangener Woche international für Schlagzeilen sorgt, hat mittlerweile weite Kreise gezogen und online eine Welle der Reaktionen ausgelöst.

Elle Darby fragte bei dem Dubliner Hotel "The White Moose Café" an, ob man an einer Zusammenarbeit interessiert sei. Konkret erhoffte sich die Bloggerin, der allein auf Youtube über 94.000 Menschen folgen, fünf kostenlose Nächte rund um den Valentinstag. In ihrer Anfrage per Mail hieß es: "Ich arbeite als Social-Media-Influencerin, hauptsächlich in den Bereichen Lifestyle, Beauty und Reise. Mein Partner und ich planen vom 8. bis zum 12. Februar für ein verfrühtes Valentinstag-Wochenende nach Dublin zu kommen, um die Umgebung zu erkunden." Darby schrieb weiter, dass sie bei der Suche nach passenden Hotels auf das "The White Moose Café" gestoßen sei und dieses "liebend gerne" auf ihren diversen Social-Media-Accounts vorstellen und weiterempfehlen würde. Dafür erwarte sie sich einen Urlaub umsonst. Am Ende der Anfrage wies die junge Frau darauf hin, dass sie in der Vergangenheit bereits erfolgreiche Kollaborationen dieser Art mit anderen Hotels durchgeführt hätte. Diese seien "großartig" für die Betreiber gewesen.

"Die Antwort ist nein"

Paul Stenson, Besitzer des "The White Moose Café", fand das Angebot aber gar nicht großartig. Im Gegenteil. Stenson war über die dreiste Zuschrift der 22-Jährigen erbost. Der Hotelbesitzer reagierte öffentlich auf die Kontaktaufnahme und postete das Mail der Bloggerin auf Facebook – zusammen mit einer sehr deutlichen Absage.

"Danke für deine E-Mail, in der du nach kostenloser Unterkunft im Austausch für Publicity fragst. Es braucht ganz schön viel Mut, so eine E-Mail zu schreiben, dafür nicht besonders viel Selbstachtung und Würde. Wenn ich dich hier für ein Video übernachten lasse, wer bezahlt die Mitarbeiter, die sich um dich kümmern? Wer bezahlt das Housekeeping, das dein Zimmer putzt? Die Kellner, die dein Frühstück servieren? Die Rezeptionistin, die dich eincheckt?" Der Text endet mit der klaren Ansage: "P.S.: Die Antwort ist nein".

Obwohl Darbys Kontaktdaten im Posting zensiert wurden, konnten sich anhand der Kennzahlen, die sie in ihrem Mail erwähnt hatte, viele Blogger und Youtuber ausmalen, wer hinter der Anfrage steckte. Es dauerte nicht lange und Darbys Name wurde öffentlich.

Es folgte ein massiver Shitstorm: Viele User machten sich über die Dreistigkeit der Bloggerin lustig und schilderten, wie angewidert sie vom anmaßenden Verhalten mancher Influencer seien. Der Beitrag auf dem Profil des Hotels verbreitete sich außerdem viral. Bisher haben über 28.000 Menschen das Posting gelikt, über 4.000 haben es kommentiert.

"Unschuldigste Motive"

Die scharfe Kritik an ihrer Person setzte Elle Darby ordentlich zu. Unter Tränen verteidigte sie sich auf Youtube. In einem Video mit dem Titel "Ich wurde bloßgestellt (so peinlich)" argumentierte sie, dass sie nur aus den "unschuldigsten Motiven" heraus gehandelt habe. "Als ein 22-jähriges Mädchen, das von Zuhause aus ihr Business führt, glaube ich nicht, etwas Falsches getan zu haben". Die Reaktion des Hotelbetreibers bezeichnet sie auf Facebook als "bösartig".

Youtube g8zElbN2_hg

Daraufhin riss Paul Stenson endgültig der Geduldsfaden. Er verbannte kurzerhand alle Blogger aus seinem Hotel.

Wenige Tage später legte er nach. Auf Twitter postete Stenson am Samstag auf dem Account der Hotels ein Bild eines Rechnungsbelegs, den er laut eigenen Angaben an Darby ausschicken werde. Als Grundlage für die finanzielle Forderung nennt Stenson die enorme Reichweite, die die Bloggerin durch die Aktion generiert hätte.

Drohungen & Satire-Video

Für seine Konsequenz wird Stenson im Netz gefeiert, aber auch kritisiert. Während einige Nutzer ihm beipflichten, geben andere zu bedenken, dass Blogger eine eigene Berufssparte darstellen, die auch nach eigenen Regeln funktioniert. Zudem wurde die harsche und teils beleidigende Kritik an Darby verurteilt. Die Blogger-Community versucht unterdessen ihren Einfluss zu nutzen, um das Dubliner Hotel zu schädigen. Auf Instagram wurde angekündigt, das Hotel mit schlechten Bewertungen auf Facebook zu bestrafen.

Hotelchef Stenson inszenierte daraufhin am Sonntag eine satirische Pressekonferenz, die er über den Youtubekanal seines Hotels veröffentlichte. "Shamed Cafe owner Apologizes to blogger", zu Deutsch "Bloßgestellter Cafe-Besitzer entschuldigt sich bei Bloggerin", nannte er den Clip. "Ich habe mich schlecht benommen, was zu einem Publicity-Sturm geführt hat, der Millionen eingebracht, uns beide aber exakt null Euro gekostet hat", betont er darin.

Youtube 3ArrHIVvxEE

Wie man die Sache auch dreht und wendet, klar scheint, dass beide Parteien ihre Präsenz in den sozialen Medien für sich zu nutzen wissen.

( kurier.at , pama ) Erstellt am 22.01.2018