Leben
15.04.2017

Erste Osterfeier: "Hoffentlich vergesse ich nichts"

Wie fühlt man sich, wenn man zum ersten Mal die Ostermesse hält? Drei Jungpriester erzählen

Für katholische Priester sind die Tage vor Ostern nicht nur die wichtigste, sondern auch die stressigste Zeit im Jahr: Die Liturgien für die Auferstehungsfeier in der Osternacht und für das Hochamt am Sonntag müssen vorbereitet werden, dazu kommen Krankenkommunionen und Beichten.

Besonders aufregend ist die Karwoche für Berufseinsteiger. Drei Jungpriester bzw. -pfarrer schildern dem KURIER, wie es ihnen kurz vor dem großen Tag geht, warum sie diesen Beruf gewählt haben und was uns die Botschaft von Ostern lehrt.

Vom Fußballfeld zur Ostermesse

Vor sieben Monaten wurde Simon de Keukelaere zum Priester geweiht. Nun zelebriert der 33-Jährige zum ersten Mal die Ostermesse in der Pfarre Alt-Ottakring. "Gott sei Dank bin ich bis jetzt nicht allzu aufgeregt", lacht der sympathische Belgier, der vor eineinhalb Jahren nach Wien kam. "Kurz davor kommen diese Gedanken sicher noch: Hoffentlich liegt alles am richtigen Ort! Hoffentlich vergesse ich nichts! Bei der Osterliturgie gibt es viele Details, die es sonst nicht gibt. Zum Beispiel wird die Osterkerze gesegnet und symbolisch für die ganze Welt mit vier Nägeln versehen. Es ist eine dichte Zeit. Aber man spielt ja in einem Team, zusammen mit den Ministranten und anderen."

Apropos: Jeden Freitag kickt Pater Simon mit den Studenten der Uni Wien. Studentenseelsorger ist er nämlich auch. "Die Arbeit mit den Studenten ist eine große Ermutigung für mich. Als Christ ist es nicht das Wichtigste, in der Kirche zu sitzen, sondern auf die Leute zuzugehen. Ich frage oft, hey, hast du Lust, auf ein Bier zu gehen? In der Fastenzeit natürlich auf einen Kaffee", schmunzelt der Jungpriester. Das Interesse der Studenten sei groß. "Viele sind sehr gläubig, aber auch mit den Atheisten entstehen tolle Gespräche. Sie freuen sich, wenn sie mit einem Priester reden können, und auch ich lerne von ihnen."

Eigentlich wollte Simon, der Sprachen studiert hat und sich sehr für Wissenschaft interessiert, ja Profi-Fußballer werden. "Ich war kein frommer Jugendlicher, im Gegenteil. Ich dachte, das mit Kirche und Gott ist nichts Schlechtes, aber dass es unvernünftig ist, an Gott zu glauben. Ich ging alle heiligen Zeiten in die Messe und stellte mir vor, vier Kinder zu haben."

Das Buch des Anthropologen René Girard, der durch die Forschung zum Glauben fand, brachte ihn zum Nachdenken. "Ich habe angefangen zu beten. Beim Gedanken, nur mit Gott zu sein, kam große Freude auf. Jemand hat einmal gesagt: Wenn man einen kleinen Schluck Wissenschaft trinkt, könnte einen das von Gott wegtreiben. Trinkt man jedoch die ganze Flasche, findet man auf dem Boden Gott wieder. Man staunt über die Schönheit der Dinge und wie alles funktioniert."

Sein erstes Osterfest als Priester ist etwas Besonderes. "Ostern bedeutet, dass keine Situation ausweglos ist, wenn man sich für das Gute öffnet. Dass Gott so groß ist, dass er selbst aus schwierigen Situationen etwas Gutes holen kann. Dass das Wichtigste die Liebe ist – und diese siegt."

Ein bisschen Aufregung, viel Freude

Der Ostersonntag beginnt für Bernd Gunter Kolodziejczak, genannt Kolo, früh. Um 4:30 Uhr feiert er in der Erlöserkirche Wiener Neustadt die Osternacht – zum ersten Mal mit "seiner" Gemeinde. "Ich stehe jeden Tag um 5 Uhr auf, also ist das keine große Herausforderung", lacht der 45-Jährige, der im Juni zum Priester geweiht wurde. Ja, Kolo ist ein Spätberufener: Er studierte erst Kulturtechnik und Wasserwirtschaft und arbeitete 16 Jahre als Domführer in St. Stephan, bevor er ins Priesterseminar eintrat. "Ich bin ein Familienmensch, habe drei Geschwister und fünf Nichten und Neffen. Ich kann zwar keine eigene Familie gründen, verzichte aber auch nicht: Wenn du in einer Pfarre lebst, bist du in vielen Familien beheimatet." Nach dem Osterhochamt um 9 Uhr ist er bei einer Familie aus dem Ort zum Essen eingeladen. "Es ist schön, wenn man so viele, vor allem junge Familien begleiten kann."

Ob er aufgeregt ist? "Sicher. Heuer ist Ostern etwas ganz Besonderes. Wir feiern zwar alle gemeinsam, aber es braucht eben einen, der durch die Feier führt. Ich gehe die Liturgie im Kopf immer wieder durch. Aber die Freude überwiegt, ich freu mich irrsinnig darauf." Die ganze Karwoche hat er sich intensiv auf das große Fest vorbereitet, mit Ministranten geprobt, die Predigt geschrieben, gebeichtet. "Die Osterbeichte ist ein wichtiger Teil der Vorbereitung. Sie dient dazu, die innere Kompassnadel wieder neu auszurichten, sich zu reinigen."

Daran, dass etwas schiefgehen könnte, denkt Kolo nicht. "Die Freude steht im Mittelpunkt. Wir werden von Gott geliebt, so, wie wir sind, auch mit den Dingen, die uns nicht gelingen. Ich wünsche mir, dass morgen jeder diese Freude spüren kann."

Eine gute Vorbereitung ist alles

Für Maximilian Pühringer, geboren 1985, steht heuer eine besondere Premiere an: Er feiert Ostern doppelt, in den Pfarren Oberkappel und Neustift im Mühlkreis. Das stellt ihn vor Herausforderungen. "Jede Pfarre will die Osternacht zur besten Zeit feiern, doch wir haben eine Lösung gefunden." Die Abläufe sind überall anders. "Man muss sich sehr genau vorbereiten. Und man darf bei der einen Liturgie nicht zu lange brauchen, damit man bei der zweiten pünktlich ist."

Doch Pater Maximilian ist gut vorbereitet. Seine Predigt stand schon vor der Karwoche. "Ich mach das immer zeitig, weil in der Karwoche so viele andere Dinge anstehen." Etwa Krankenkommunionen für jene, die nicht in die Kirche kommen können. Oder die Chrisammesse im Linzer Dom, bei der die heiligen Öle geweiht werden. Am Gründonnerstag ging es los mit den feierlichen Liturgien.

Was ist für ihn die Essenz von Ostern? "Dass wir an einen Gott des Lebens glauben. Viele verbinden mit Ostern die Auferstehung nach dem Tod, dabei sollte die Auferstehung schon jetzt, im alltäglichen Leben, erfahren werden – indem unser Herz immer wieder frei wird von unangenehmen Erfahrungen."