"Digital Detox"-Camp in Navarro, Kalifornien.

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Leben
10/20/2015

Ausschalten! Wege aus der Smartphone-Sucht

Handyfreie Tage oder "Digital Detox": Jeder muss selbst entdecken, was hilft.

„Es ist wie bei der Ernährung, so als machten wir eine digitale Diät: Die Frage, die wir uns stellen sollten, ist: Welche Auswahl ist gesund?“, regt die US-Soziologin Sherry Turkle zum Nachdenken an. Auf die Frage, wie Informatiker und Buchautor ("Digitaler Burnout") Alexander Markowetz denn eigentlich selbst mit dem Smartphone umgehe, sagt er nur: "Da geht es mir kaum anders als anderen Menschen. Jeder muss versuchen, sein Verhalten selbst in den Griff zu kriegen." Aber er ist überzeugt, dass irgendjemand etwas erfinden wird – so etwas wie das "digitale Atkins". "Ich sehe mich da als Wegbereiter". Ein paar Anregungen und Tipps für die Smartphone-Junkies, die Entwöhnung brauchen – vor allem aber: die ihre Smartphones "meistern" wollen.

Digitale Diät

Es geht gar nicht darum, das Smartphone für immer beiseite zu legen. Ein Ding der Unmöglichkeit. Es geht um bewusste Reduktion. Manche schaffen das nur, indem sie sich ein "Digital-Detox" verordnen, abgeschirmt irgendwo im Rahmen eines Retreats. Wo Menschen im Offline-Modus Energie tanken und abschalten. Vorreiter sind da natürlich die US-Amerikaner. "Camp Grounded" gilt als einer der bekanntesten Veranstalter. Auf der Homepage wird der Aufenthalt in der digifreien Naturzone mit einem "Feriencamp für Erwachsene" verglichen. Auch in Europa gibt es schon zahlreiche Anbieter und Hotels, die auf das Thema "Offline" setzen – etwa auf der schwedischen Insel Furillen.

Kein Handy im Schlafzimmer! Schluss mit Surfen vor dem Schlafen!

Kein Twitter & Facebook während der Arbeitszeit Weil es die Aufmerksamkeit schont – und das Gehirn.

Wochenenden offline

Erklären Sie den Samstag oder Sonntag zum handyfreien Tag und genießen Sie wieder das Glück des "Flows" – ungeteilte Aufmerksamkeit für etwas, das Sie gerne tun und zufrieden macht. Man bemerkt rasch, dass die Zeit langsamer vergeht und dass man wieder "ganz bei der Sache" ist - also konzentriert etwas tun kann, das Spaß macht und das einen in den zeitlosen Glückszustand des "Flow" versetzt.

Rücksicht nehmen!

Markowetz plädiert für eine neue digitale Etikette: "Kein Mensch hätte früher zwischen 12 und 15 Uhr gestört, das galt als Ruhezeit. Aber die Technik war schneller als die Kulturtechnik. Hier braucht es ein kollektives Umdenken. Daher müssen wir uns in Hinkunft jedes unreflektierte Whats App genau überlegen – ob und vor allem wann wir es an jemanden schicken." Ähnliches gilt natürlich auch für SMS oder eMails. Man kann außerdem telefonieren, statt Messages zu verschicken. "Darüber nachzudenken, wie man anders kommuniziert, lohnt sich. Wir sind da nicht hilflos", so der Wissenschaftler.