Leben
29.10.2017

Diesen Nachteil haben schöne Menschen im Job-Alltag

Attraktive Menschen könnten im Nachteil sein, wenn sie sich für wenig begehrte Jobs bewerben. Das berichten Forscher des US-amerikanischen Psychologenverbandes.

Gut aussehende Menschen haben es im Leben leichter, sagt die Wissenschaft. Vor allem im Bewerbungsprozess soll es Studien zufolge förderlich sein, wenn man gängigen Vorstellungen von Schönheit entspricht. In manchen Berufen nützt es aber offenbar gar nichts schön zu sein. Im Gegenteil: Es ist sogar hinderlich. Bewirbt man sich für einen wenig ansprechenden Job, beispielsweise für eine unterbezahlte Stelle, könnte Attraktivität die Chance eingestellt zu werden, verringern. Das folgern Wissenschafter aus den Ergebnissen einer aktuellen Untersuchung, die im Fachblatt Journal of Personality and Social Psychology publiziert wurde.

Schöne Menschen im Nachteil

"Unsere Untersuchung legt nahe, dass attraktive Menschen möglicherweise diskriminiert werden, wenn es um einen Job geht, der relativ unspannend ist", berichtet Studienleiterin Margaret Lee von der London Business School. Diese Erkenntnisse stünden im Kontrast zu einer Reihe von Studien, die allesamt zu dem Ergebnis kamen, dass Attraktivität im Bewerbungsprozess förderlich für den Kandidaten oder die Kandidatin ist.

Das Team rund um Lee führte eine Reihe von Experimenten mit insgesamt 750 Teilnehmern durch, darunter Studenten und Führungskräfte, die auch im echten Leben Personalentscheidungen treffen. Den Probanden wurden jeweils zwei bebilderte Bewerbungen vorgelegt. Dabei war ein Bewerber attraktiv, der andere weniger. Dann wurden die Probanden gebeten anzugeben, wen sie für eine bestimmen Job auswählen würden. Als nicht allzu begehrte Jobs wurden beispielsweise Lagerarbeiter oder Hausmeister genannt. Begehrte Jobs waren hingegen Manager-Positionen oder Stellen im IT-Bereich.

In allen Experimenten zeigte sich, dass attraktive Personen signifikant seltener für unbeliebte Stellen ausgesucht wurden. Bei guten Jobs wirkte sich das Äußere jedoch wieder vorteilhaft aus. Lee geht davon aus, dass man automatisch davon ausgeht, dass schöne Menschen in begehrteren Jobs arbeiten würden und mit unbegehrten Berufen nicht zufrieden seien. Aus diesem Grund hätten die Probanden die attraktiven Personen für die unbegehrten Berufe abgelehnt.

Wer Dekolleté zeigt, wird bevorzugt

Laut einer Untersuchung, die vergangenes Jahr an der Univeristät Bristol publiziert wurde, wird eine Bewerberin eher zum Vorstellungsgespräch eingeladen, wenn sie am Bewerbungsfoto Ausschnitt zeigt (mehr dazu hier). Eine israelische Untersuchung hatte 2012 die Erkenntnis zutage gefördert, dass attraktive Frauen deutlich seltener zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden als attraktive männliche Mitbewerber oder Frauen mit einem durchschnittlichen Äußeren. Möglicher Grund dafür ist der Studie zufolge die Tatsache, dass besonders attraktive Bewerberinnen im Nachteil sind, wenn eine Frau in der Personalabteilung die Entscheidungsmacht trägt. Hierbei seien Argwohn, Neid, Vorurteile oder Konkurrenzgedanken mögliche Einflussfaktoren. Attraktive Männer genössen bei Frauen hingegen einen Bewertungsbonus.