Leben
14.08.2017

Junge Frau stellt Grapscher in der S-Bahn zur Rede

Die Berlinerin Pina Charlotte wurde sexuell belästigt. Auf Facebook berichtete sie von dem Erlebnis und will andere dazu ermutigen, sich zu wehren.

Am vergangenen Montag teilte die Berlinerin Pina Charlotte auf ihrer Facebook-Seite ein unscheinbares Bild von sich. Es wurde an einem Sommertag aufgenommen und zeigt sie an ein Fahrrad gelehnt, in Jeans und T-Shirt und mit Sonnenbrille in den Haaren. Bis Montag wurde das Bild über 6.900 Mal gelikt, über 1.300 Mal geteilt und über 470 Mal kommentiert. Der Grund dafür ist der Text darunter, in dem Pina Charlotte davon berichtet, dass ihr ein junger Typ an den Hintern gegriffen hat, während sie sich am Fahrkartenautomat ein Ticket für die S-Bahn gekauft hat. Danach ist er gemeinsam mit seinen johlenden Freunden in die S-Bahn gestiegen. Die jungen Männer haben aber nicht damit gerechnet, dass Pina sie dort vor allen anderen Fahrgästen zur Rede stellt und zwar mit der Ansage: "So Jungs, jetzt reden wir mal! Das kann ruhig die ganze Bahn hören! Wer von euch Muttersöhnchen haut wildfremden Frauen auf den Arsch?"

"Macht den Mund auf!"

Pinas Facebook-Posting beginnt mit den Sätzen: "Heute ist ein guter Tag. Heute wurde ich sexuell belästigt." Damit meint sie nicht, dass sie sexuelle Belästigung gut findet. Sondern, dass die anderen Leute in der S-Bahn ihr Anerkennung dafür gegeben haben, dass sie sich wehrt. Das habe ihr "den Tag gerettet". Darum lautet Pinas Botschaft, dass man sich als Frau laut wehren soll, den "Mund aufzumachen", wenn einem ein Spruch oder eine Berührung nicht passt. Wichtig sei auch, Frauen in solchen Situationen nicht alleine zu lassen und einzuschreiten, wenn man einen solchen Übergriff beobachtet.

Für Menschen, die ihr Erlebnis in den Kommentaren unter dem Facebook-Posting mit Geflüchteten in Verbindung bringen wollen hat Pina auch eine Botschaft. Rassismus und nationalistische Handlungsansätze seien der falsche Weg, Alltagssexismus zu begegnen. "Der Doppelstandard, den viele 'Volksdeutsche' bezüglich Gleichberechtigung und Feminismus fahren, kotzt mich fast genauso an."