Leben
05.12.2011

Der verpatzte Nachzipf als zweite Chance

Nachprüfung: Alleine in Wien sind derzeit 12.000 Schüler davon betroffen. Und wenn's nicht klappt? Tipps für den Umgang mit dem Scheitern.

Ein Fleck im Zeugnis und jetzt auch noch die Nachprüfung verpatzt. Ein Schock für Schüler, Eltern und "oft auch für die Lehrer selbst", meint Irene Dürkop. Sie ist AHS-Lehrerin und Psychotherapeutin und betreut unter anderem Schüler an der AHS Anton-Baumgartner-Straße in Wien, die den Nachzipf nicht geschafft haben.

"Für einige Schüler ist es die größte Katastrophe, mit der Nachricht nach Hause zu kommen, dass sie die Nachprüfung nicht geschafft haben", erzählt Professorin Dürkop. "Schlimm wird es für das Kind vor allem dann, wenn Eltern wütend werden und schimpfen oder ihr Kind sogar bestrafen. Dabei würde der Sohn oder die Tochter jetzt besonders den seelischen Trost und Beistand von den Eltern benötigen."

Da sein

Die Psychotherapeutin rät in einer solchen Situation, besonnen zu bleiben: "Seien Sie jetzt besonders für Ihren Sohn oder Ihre Tochter da. Sagen Sie: So, das ist jetzt passiert. Du hast das Schuljahr nicht geschafft. Das ist aber keine Katastrophe. Wir haken das Jahr ab und sehen zu, dass wir gemeinsam die kommenden Monate besser meistern." Leider gebe es in unserem Land keine Kultur des Scheiterns. "Doch wie man damit umgeht, wenn etwas nicht klappt, lernen Kinder oft im Elternhaus."

Muss ein Schüler die Klasse wiederholen, heißt das für ihn unter anderem: Er hat jetzt neue Mitschüler. Auch da können Eltern helfen. "Animieren Sie Ihr Kind, die neuen Freunde nach Hause einzuladen", sagt Dürkop.

Falsche Schule

Wenn Schüler nach einem verpatzten Nachzipf zu ihr kommen, schaut sie sich erst einmal an, wo das Problem liegt: "Wenn ich das Gefühl habe, der Schüler sitzt einfach nicht in der richtigen Schule und ist total überfordert, empfehle ich, die Schule zu wechseln. Der Mensch braucht für ein glückliches Leben keine Matura. Manche jungen Leute schaffen sie auf dem zweiten Bildungsweg. Sie brauchen eine längere Pause vom Gymnasium."

Manchmal hat das Kind aber nur einen Hänger, weil sich zum Beispiel die Eltern scheiden lassen. Oder es ist gerade in der Pubertät und investiert mehr Energie in die neue Freundin als in Hausübungen. "In diesem Fall helfen Gespräche mit Eltern und Schülern. Gemeinsam kann man versuchen, das Problem an der Wurzel zu packen", weiß die Psychotherapeutin aus Erfahrung.

Lernstrategie

Wenn ein Kind scheitert, liegt es aber oft auch nur an der falschen Lernstrategie: "Eltern und Schüler sollten wissen, dass Kinder am besten in kleinen Einheiten lernen. Und natürlich auch regelmäßig. Das heißt: Sie sollten sich einen Plan machen, welcher Stoff für welche Schularbeit wann gelernt wird. Sind die Kinder noch jung, brauchen sie dabei unbedingt die Unterstützung der Eltern," weiß die Psychotherapeutin. Aber auch die Schulen selber können den gescheiterten Kindern helfen. "Wir haben in einer Klasse mit drei Neulingen Kennenlernnachmittage und Ausflüge organisiert, um so eine neue Klassengemeinschaft entstehen zu lassen."

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