Das ist Deutschlands einziger bloggender Opa

© Laut Gabriele Kuhn, Opas Blog<br />
Detlef Untermann<br />
…
Foto: /Detelef Untermann Detlef Untermann hat mit mit Opas Blog eine Marktlücke entdeckt.

Detlef Untermann (64) beweist mit seinem Projekt, dass "in jedem Alter noch etwas los sein kann".

"64 Jahre alt, 41 Jahre verheiratet, zwei Kinder, zwei Enkelkinder, glücklich. Also Opa": So beschreibt sich Detlef Untermann auf seinem "Opas Blog", den er vor vier Jahren – im Alter von 60 – begonnen hat. Dort schreibt er unter anderem Anekdoten über seine Enkel, als "Versuch, diese vielen Kleinode dem Vergessen zu entreißen". Der Erfolg des Blogs zeigt: Es ist nie zu spät, noch einmal Neues zu lernen – und Neues zu beginnen.

KURIER: Wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, zu bloggen?

Detlef Untermann: Bei einem Gespräch meinte jemand, im Zeitalter von Facebook und Twitter brauche man mit dem Bloggen gar nicht mehr anzufangen. Der Satz ging mir nicht mehr aus dem Kopf. Denn noch nie in der Kommunikationsgeschichte hat ein neues Medium ein altes komplett verdrängt. Selbst Rauchzeichen werden zur Kommunikation noch eingesetzt und das von einer Institution, die sich wahrlich auf Kommunikation versteht: der Vatikan, bei jeder Papstwahl. Insofern wollte ich es einfach wissen und habe mich intensiver mit dem Bloggen beschäftigt, das für mich bis dahin übrigens überhaupt keine Rolle spielte. So fing alles an.

Ihr Blog war in kurzer Zeit sehr erfolgreich – wie kam das?

Das ist schwer zu sagen. Zum einen wahrscheinlich deshalb, weil ich mich für das Thema, über das ich blogge, richtig begeistern kann. Das ist beim Bloggen eine der Grundvoraussetzungen, wenn man erfolgreich sein will. Zum anderen habe ich offensichtlich eine "Marktlücke" entdeckt. Jedenfalls bin ich bislang nach wie vor der einzige bloggende Großvater Deutschlands.

Waren Sie gleich "Blog-fit"?

Ganz sicher nicht. Aber ein paar Grundkenntnisse sollte man mitbringen. Dazu gehört der geübte Umgang mit der deutschen Sprache. Auch sollte das Konzept stimmig sein. Es gibt viele Blogs, denen man anmerkt, dass sie nicht (gut) durchdacht sind.

Viel Ältere sind im Umgang mit den Möglichkeiten der digitalen Revolution unsicher und ängstlich. Was raten Sie?

Einfach machen. So schnell löscht man das Internet auch nicht. Aber Sie haben natürlich recht. Viele Ältere sind im Umgang mit den neuen Medien unsicher und ängstlich. Da sind vor allem die Enkelkinder gefragt, ihren Großeltern zu helfen. Zwischen Kindern und Eltern ist das schwieriger. Während die Kinder zu ungeduldig sind, lassen sich die Eltern ungern etwas sagen.

Ist die digitale Welt nicht auch eine gute Möglichkeit, Kontakt zu halten – gegen Vereinsamung?

Ganz sicher. Wer den Umgang mit den verschiedenen Medien beherrscht, ist da klar im Vorteil. Das setzt aber auch voraus, dass die technische Anbindung gegeben ist. In Städten ist das kein Problem. Aber viele ländliche Regionen sind da von der Welt abgeschnitten. Deutschland ist auf diesem Gebiet leider immer noch Entwicklungsland.

Sie berühren im Blog auch Themen wie Sterben. Zuletzt erwähnten Sie das Buch "Der 100-Jährige, der aus dem Fenster stieg". Wie wichtig ist es, im Alter den Mut zu haben, "aus dem Fenster zu steigen"?

Sterben gehört zum Leben genauso dazu wie die Geburt. Ich finde es nicht gut, wenn dieses Thema verdrängt wird. Das gilt auch für Krankheiten oder Altern. Manchmal kommt mir das vor wie beim Vogel Strauß, der den Kopf in den Sand steckt. Jede Lebenssituation hat ihre Vor- und Nachteile. Also ich kann nur jeden ermuntern, "aus dem Fenster" zu steigen. Es muss ja nicht so turbulent zugehen, wie bei dem Hundertjährigen. Aber in jedem Alter kann noch was los sein.

Man sollte sich auch im Alter neuen Herausforderungen stellen ...

Ich glaube, dass man nie ausgelernt hat, und bin ein Verfechter lebenslangen Lernens. Wer nicht mehr neugierig ist, sollte sich einbalsamieren lassen.

Was sagen Ihre Kinder und Enkel über ihren bloggenden Opa?

Ich glaube schon, dass sie mich ganz cool finden. Allerdings habe ich da gegen Oma keine Chance. Die ist halt die Allerbeste.

Welche Pläne haben Sie noch?

Ein Kochbuch und ein anderes Buchprojekt wartet auf seine Vollendung. Dann ist da noch unser Verein "Kinder kochen" (www.kinder-kochen.org), der eine Herzensangelegenheit von meiner Frau und mir ist. Dabei geht es um die Vermittlung von Kochpaten an Schulen, an denen die Paten dann Kochkurse für Schulklassen geben. Da stehen wir derzeit am Anfang.

Was ist "Altersweisheit" für Sie?

Hemingway hat einmal gesagt: "Die Altersweisheit gibt es nicht. Wenn man altert, wird man nicht weise, sondern nur vorsichtig." Der Philosoph Hans Saner sieht in der Altersweisheit dagegen die "Quersumme eines gelebten Lebens". Ich tendiere eher zu Letzterem, wenngleich ich manchmal noch Flausen im Kopf habe wie ein Jungspund.

„Bildungsarbeit fördert Selbstbewusstheit“

Fernstudium Herr Guggenberger…
Foto: /Zentrum für Fernstudien Österreich

Lernen ist sein Leben. Deshalb zitiert Rudolf Guggenberger, 73, Henry Ford: „Jeder der aufhört zu lernen, ist alt, mag er zwanzig oder achtzig Jahre zählen. Jeder, der weiterlernt, ist jung, mag er zwanzig oder achtzig Jahre alt sein.“

Die Lern-Vita des ehemaligen Pädagogen und Leiter einer Berufsschule liest sich beeindruckend – ein Auszug: Er hat drei Lehramtsprüfungen für Berufsschulen absolviert, eine Meisterprüfung im Schlossergewerbe und eine Ausbildung zum Staatlichen Schweißtechnologen in der Tasche. Er ist Europaingenieur und Ingenieurpädagoge. Als „Höhepunkt“ bezeichnet er  sein Magisterstudium an der Fernuni in Hagen für Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie.

Lehrer als Angelpunkt

Ein zentraler Motivator für ihn ist die Jugend. Ihr möchte er Vorbild sein: „Im Laufe meiner 30-jährigen pädagogischen Arbeit habe ich versucht, die Auszubildenden nicht nur zum lebensbegleitenden Lernen zu motivieren, sondern habe ihnen auch vorgelebt, dass eine kontinuierliche Weiterbildung einen immer wichtigeren Faktor in unserem beruflichen und privaten Leben darstellt.“ Dreh und Angelpunkt dabei sei der Lehrer, auf ihn komme es an: „Wenn es ihm gelingt, dem Jugendlichen in einer glaubwürdigen, klaren und zuverlässigen Weise zu begegnen, dann ist die Chance hoch, eine gute Beziehung auch zu den sensiblen, im Kern aber durchaus leistungsbereiten Jugendlichen, aufzubauen.“   

Wie optimaler Unterricht aussehen sollte? „Praxisrelevant, projektbezogen – es braucht Lernen durch Erfahrung, multimediale Lernplattformen, soziales Lernen, aber auch Wirtschaftsnähe.“ Schule sei Lebensraum.

Lernen als Prozess

Lernen ist für Guggenberger auch im Alter ein kontinuierlicher Prozess, der  viel bringt: „Bildungsarbeit fördert Selbstbewusstheit und bewussten, kompetenten Einsatz für das Gemeinwohl. „Mit der alle Altersstufen einbeziehenden Verständniserweiterung des Begriffs Altenbildung hin zu einer Altersbildung, in der Fragen des Alterns in intergenerativen Bezügen thematisiert werden können, ist eine Öffnung erfolgt, die Abschottungstendenzen  – im Sinne unverbundener Lebenswelten von Alt und Jung – vorbeugt“, sagt er.

Fernstudium

Fernstudien eignen sich speziell für lebenslanges Lernen. „Damit sind unsere Studentinnen und Studenten örtlich und zeitlich flexibel“, sagt Josef Reif, Leiter des Zentrums Österreich der Johannes Kepler Universität Linz, welches in Kooperation mit der Fernuniversität in Hagen international anerkannte Bachelor-, Master- und Doktoratsstudien anbietet.

Mehr als 3000 Österreicher studieren derzeit von zu Hause aus. Der älteste Student ist 82 Jahre alt. Auch Rudolf Guggenberger will „selbstverständlich weiter studieren.“  Er möchte an der Fernuniversität Hagen promovieren.

(kurier) Erstellt am
Posts anzeigen
Posts schließen
Melden Sie den Kommentar dem Seitenbetreiber. Sind Sie sicher, dass Sie diesen Kommentar als unangemessen melden möchten?