Leben
03.04.2017

Darum will Mike Pence nicht mit Frauen allein sein

Die Einstellung des streng religiösen Politikers zu Frauen stößt auf Unverständnis.

Dass verheiratete Männer mit einer anderen Frau als ihrer eigenen ohne Hintergedanken essen gehen, beispielsweise aus beruflichen Gründen, ist für die meisten Menschen eigentlich kein Diskussionsgrund. Anders ist das beim US-Vizepräsidenten Mike Pence, der ein strenggläubiger evangelikaler Christ ist. Er befolgt die Regel, niemals alleine mit einer Frau außer seiner eigenen, Karen Pence, in einem Raum zu sein oder essen zu gehen. Benannt nach dem berühmten amerikanischen Prediger Billy Graham wird diese Regel auch "Billy Graham-Regel" genannt. Sie soll vor "Untreue und Unzucht" schützen.

Vor wenigen Tagen hat die Washington Post ein Porträt über Karen Pence veröffentlicht, in dem die Verhaltensregeln von Pence thematisiert werden. Die Autorin zitiert darin aus einem Interview, das Mike Pence im Jahr 2002 der Zeitung The Hill gegeben hat.

Systematische Benachteiligung

Aus dem Artikel geht hervor, dass Pence an keinen Veranstaltungen ohne seine Frau teilnimmt, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird. Er wolle seine Ehe schützen, indem er sich keinen Versuchungen aussetzt. In den sozialen Medien wird diese These seither heiß diskutiert, vor allem weil es gerade im politischen Betrieb nicht unüblich ist, dass Gespräche unter vier Augen geführt werden. Für Clara Jeffery, Chefredakteurin des linksliberalen Magazins Mother Jones ein Beispiel dafür, dass Frauen und Männer nicht gleich behandelt werden. Sie schreibt auf Twitter: "Wenn Pence nicht mit Frauen allein essen will, wird er keine Frauen in führende Positionen berufen. Wie soll eine Frau Stabschefin werden, oder seine Anwältin, oder Kampagnenmanagerin?"

Eine andere Journalistin wirft die Frage auf, wie ihre Karriere verlaufen wäre, wenn sie sich geweigert hätte, alleine mit männlichen Redakteuren und Interviewpartnern essen zu gehen.

Einige Konservative in den USA loben Pence wiederum für die Maßnahme und halten diese für sinnvoll.

In einem Artikel im Atlantic wird beschrieben, wie durch ein Verhalten, wie Pence es an den Tag legt, Frauen benachteiligt werden. Darin wird eine Untersuchung aus dem Jahr 2010 angeführt, die zu dem Ergebnis kam, dass es viele Männer in Führungspositionen vermeiden, Frauen zu fördern, weil das einen falschen Eindruck erwecken könnte.

Mike Pence hat als Gouverneur des US-Bundesstaates Indiana die strengsten Abtreibungsregeln in den USA eingeführt. Homosexualität hält er für eine Sünde, die es zu behandeln gelte.