Männlich, weiblich oder neutral?

Austria's Conchita Wurst smiles as she addresses a
Foto: REUTERS/LEONHARD FOEGER Conchita Wurst - Travestie als Kunstform.

Abendkleid, langes Haar, Bart – Conchita Wurst sorgt in punkto Geschlechterklischees ein wenig für Verwirrung. Wer ist was - und warum?


Ein homosexueller Mann, der als Frau auftritt und dabei Bart trägt. Conchita Wurst sorgt bei manchen für kollektive Verwirrung – ist sie nun transsexuell, Transgender oder Travestie-Künstler(in)?

Letzteres, sagt Julia "Kitty" Willenbruch. Sie veranstaltet Burlesque-Shows (Salon Kitty Revue) und ist mit Tom Neuwirth alias Conchita Wurst befreundet. "Er sang und moderierte bei uns – aber nur als Conchita. Was Tom macht, ist für mich Travestie-Kunst." Eine der berühmtesten Travestiekünstlerinnen im deutschsprachigen Raum ist Lilo Wanders. Wenn sie ihre blonde Perücke abnimmt, wird aus Lilo Wanders wieder Ernst-Johann Reinhardt, der mit Frau und Kindern zusammenlebt – trotz seiner Homosexualität.

"Travestie ist eine Kunstform", sagt Sexualpsychologin Daniela Renn. "Es bedeutet, dass man sich künstlerisch im anderen Geschlecht betätigt. Das Besondere an Conchita Wurst ist, dass sie mit den langen Haaren und dem Bart selbst als Travestiekünstlerin noch beide Geschlechter verkörpert."

Während Wanders und Wurst zwischen den Geschlechtern switchen, hat sich Erik Schinegger in den 1960er-Jahren bewusst dafür entschieden, als Mann zu leben. Der Ex-Skirennläufer ist intersexuell. Er wuchs als Mädchen auf, später wurde festgestellt, dass seine männlichen Geschlechtsteile nach innen gewachsen waren. Renn: "Intersexuelle Personen tragen weibliche und männliche Merkmale in sich, können keinem Geschlecht zugeordnet werden. Meist merkt man das erst in der Pubertät. Intersexualität wird als das dritte Geschlecht bezeichnet."

Transsexuelle werden hingegen in einem eindeutigen biologischen Geschlecht geboren, wollen aber im anderen weiterleben. 2008 gab Chaz Bono, Tochter der Popsängerin Cher, bekannt, transsexuell zu sein. Sie ließ geschlechtsangleichende Operationen durchführen. "Ein solcher Eingriff ist kein Muss mehr. Man kann auch ohne Operation im nicht biologischen Geschlecht leben", sagt Renn.

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(kurier) Erstellt am
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