Leben
08.06.2017

Warum es unter Trump mehr Abtreibungen geben könnte

Donald Trump ist ein dezidierter Abtreibungsgegner. Mit seiner Politik könnte der US-Präsident die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche jedoch in die Höhe treiben.

Während des US-Wahlkampfes im vergangenen Jahr waren sich Donald Trump und Hillary Clinton in keinem politischen Punkt wirklich einig. Beim Thema Abtreibung waren die Fronten besonders verhärtet. Während sich Clinton für die reproduktiven Selbstbestimmungsrechte von Frauen einsetzt, positioniert sich Trump klar als Abtreibungsgegner.

Schließlich gewann Donald Trump die Präsidentschaftswahl, danach gingen die Wogen bei Abtreibungsbefürwortern und Frauenrechtsaktivisten hoch. Online zeigten sich zahllose Frauen zudem besorgt, was den Zugang zu diversen Verhütungsmitteln betrifft (mehr dazu hier).

"Es ist eine beängstigende Zeit"

Cecile Richards, Präsidentin der Non-Profit-Organisation Planned Parenthood, prognostizierte den USA in einer Rede bei der diesjährigen Code Conference vergangene Woche einen Anstieg der Abtreibungsraten – und das obwohl Trump mit seiner Politik dies eigentlich zu verhindern versucht. "Es ist eine beängstigende Zeit", sagte Richards. "Eine Gruppe von Männern versucht jetzt gerade unsere Zukunft im US-Senat zu planen".

Richards bezieht sich in ihren Aussagen auf Pläne der Trump-Administration, die einen Abzug von staatlichen Geldern aus dem Bereich der Frauengesundheit vorsehen. Die Abschaffung von Obamacare, der von Ex-Präsident Barack Obama im Jahr 2010 installierten Gesundheitsreform, würde demnach verhütende Frauen vor neue, beträchtliche finanzielle Hürden stellen und den Zugang zu Verhütung massiv einschränken. Einen Anstieg der Abtreibungsraten sieht Richards als logische Konsequenz dieser Entwicklungen.

Neue Realität für verhütende Frauen

Bereits während des Wahlkampfs hatte Trump mehrfach angekündigt, den Patient Protection and Affordable Care Act abzuschaffen. Das Gesetz regelt den Zugang zur Krankenversicherung und damit einen wesentlichen Aspekt des US-Gesundheitssystems. Auch die Kosten für alle von der amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) abgesegneten Mittel zur Empfängnisverhütung wurden damit bisher abgedeckt. Dadurch wurden Verhütungsmittel in den vergangenen Jahren für Frauen wesentlich zugänglicher und die Wahl des Verhütungsmittels konnte unabhängig von den Kosten getroffen werden (mehr dazu hier).

Wie Vox.com zu Wochenbeginn berichtete, liegt Trump bereits ein Entwurf vor, der die Finanzierung von Empfängnisverhütung künftig neu regeln soll. Dem Bericht des Online-Portals zufolge könnten durch die Umsetzung tausende Frauen dazu gezwungen werden, selbst für ihre Verhütung aufzukommen.

Planned Parenthood ohne staatliche Gelder

Trumps Budgetpläne sehen auch keine Fördermittel für Organisationen wie Planned Parenthood mehr vor. Die seit 1970 von der amerikanischen Bundesregierung unterstützte Organisation bietet in über 650 Kliniken im Land medizinische Dienste, vor allem in den Bereichen Sexualmedizin, Gynäkologie und Familienplanung, an. Hierzu gehören Schwangerschaftstests und Schwangerschaftsbegleitmaßnahmen, bestimmte Krebsvorsorgeuntersuchungen, Tests auf sexuell übertragbare Erkrankungen und deren Behandlung, Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche. Für Schwangerschaftsabbrüche darf der Verein rechtlich jedoch keine Gelder ausgeben. Sollte Trumps Budgetplan besiegelt werden, wird jegliche staatliche Finanzierung von Planned Parenthood abgezogen.