Leben
02.06.2017

Ein Nacktmull soll Buben vor sexueller Ausbeutung bewahren

Eine kanadische Kinderschutzorganisation empfiehlt Buben und jungen Männern, Nacktmull-Fotos anstatt sexuell expliziter Bilder in Chat-Programmen zu versenden.

Zugegeben, das aktuelle Kampagnensujet des Canadian Centre for Child Protection – es zeigt einen Nacktmull auf regenbogenfarbenem Hintergrund – wirkt auf den ersten Blick verstörend. Auf den zweiten erschließt sich der ernstzunehmende Hintergrund der Aktion.

Die kanadische Kinderschutzorganisation will mit der Initiative Buben und Männer im Teenageralter auf die Gefahren von Sexting (

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) und die Risiken, die damit einhergehen, aufmerksam machen. Die Kampagne soll die Zielgruppe ermutigen, nicht auf im Chat ausgesprochene Forderungen nach sexuell expliziten Bildern einzugehen. Statt einem Foto des eigenen Körpers, kann man das von der Organisation vorgefertigte Bild des mausähnlichen Nagetiers verschicken. So kann sexuelle Ausbeutung durch Erpressung verhindert werden. Der Nacktmull, der in den Halbwüsten Ostafrikas heimisch ist, ist blassrosa, komplett fellfrei und acht bis zehn Zentimeter lang.

"Man muss kreativ denken"

Die Reaktionen auf die Kampagne seien überraschend positiv, wie Lianna McDonald, Leiterin des Canadian Centre for Child Protection, gegenüber der Huffington Post erklärt: "Es hat unsere Erwartungen übertroffen. Die Rückmeldungen sind superpositiv gewesen. Wir bekommen sie nicht nur aus Kanada, sondern auch aus Australien oder Neuseeland." Im Interview mit dem New Yorker sagt McDonald: "Wenn man mit jungen Menschen zu tun hat, muss man kreativ denken. Wenn wir nicht ihre Aufmerksamkeit bekommen, machen wir unseren Job nicht."

Auch Buben betroffen

Obwohl das Thema der sexuellen Ausbeutung, also der Erpressung eines Menschen durch die Androhung der Veröffentlichung der zuvor zugesandten sexuellen Inhalte, vielfach Mädchen und junge Frauen betrifft, sind mittlerweile immer öfter junge Männer betroffen. Wie der New Yorker berichtet, häufen sich in jüngster Vergangenheit die Fälle von "Sextortion", so der englische Fachausdruck für Erpressung im Netz, bei Buben. Das bestätigt auch McDonald im Interview. Die Jugendlichen seien verzweifelt und verängstigt. Es sei zudem anzunehmen, dass die Dunkelziffer in diesem Bereich enorm hoch sei.

Humorvolle Aufklärung

Für die Umsetzung der aktuellen Kampagne holte man sich die in Toronto ansässige Kreativagentur "No Fixed Address" mit ins Boot. Obwohl die Ähnlichkeit des Nacktmulls mit dem männlichen Geschlechtsteil frappant und die Bildsprache damit durchaus provokant ist, sei die Optik nicht das entscheidende Kriterium gewesen. "Natürlich stach es heraus, weil es etwas ist, das wir nicht kennen und bei einem 13-jährigen Buben vielleicht für ein Schmunzeln sorgen könnte. Das Ziel war hier aber die Scham wegzunehmen", sagt Dave Lafond von "No Fixed Address" der Huffington Post. Zusammen mit seinen Mitarbeitern habe er nach einem humorvollen Zugang gesucht, das Netz nach bildtechnischen Analogien durchstöbert und sei schließlich auf den Nacktmull gestoßen.

Bilder des Nacktmulls können Jugendliche hier downloaden. Auch Merchandise-Produkte stehen mittlerweile zum Kauf zur Verfügung. Auf der zur Kampagne gehörenden Homepage dontgetsextorted.ca werden zudem Infomaterial für Kinder, Eltern und Lehrende und ein Link zu einer anonymen Beratungsstelle bereitgestellt.

Mit den Bildern des absurd hässlichen Tiers will man letztendlich natürlich die Smartphones der Jugendlichen erobern. Derzeit warte man McDonald zufolge noch auf die Bestätigung von Apple das Meme des Nacktmulls für iPhones zur Verfügung zu stellen.