Leben
27.04.2017

"Frauenverachtend": BJV über Brust-Aktion von Kronehit

Eine Promo-Kampagne des Privatradiosenders Kronehit, bei der Mutter und Tochter bei einer Brust-OP begleitet werden sollen, hatte zu Wochenbeginn für Aufregung gesorgt. Nun hat sich die Bundesjugendvertretung in einem offenen Brief an die Redaktion gewandt.

In dem Schreiben äußert die Bundesjugendvertretung (BJV) "gravierende Bedenken" zum "Experiment Tutti Kompletti". Im Zuge der Aktion wird ein Mutter-Tochter-Gespann gesucht, welches sich zusammen einer Brustvergrößerun unterzieht. Den Teilnehmerinnen wird dafür ein Honorar von je 5.000 Euro für Aufnahmen, Studiobesuche und PR-Termine geboten. Für die BJV ist das "frauenverachtend, moralisch verwerflich". Man fordert in dem Brief das Aus der Aktion.

"Tiefpunkt in der Medienlandschaft Österreichs"

Die Aktion "markiert einen neuen Tiefpunkt in der Medienlandschaft Österreichs", schrieb die Bundesjugendvertretung. "Wir bedauern es zutiefst, dass Ihnen für Aufmerksamkeitsheischerei jedes Mittel recht scheint, ohne auf die Konsequenzen zu achten", heißt es im Brief weiter. Die negativen Auswirkungen der Aktion würden auf der Hand liegen, damit würde jungen Menschen ein künstliches und unnatürliches Körperbild als "normal" und erstrebenswert suggeriert. Auch befindet die BJV, dass mit dem von Kronehit selbst ernannten Experiment "mit der Gesundheit und dem Wohlbefinden junger Menschen gespielt" werde, "was äußerst gefährlich ist".

Das Schönheitsoperationengesetz (ÄsthOpG) verbietet seit 2013 Werbung für ästhetische Behandlungen und Operationen sowie Preisausschreiben, Spiele, Verlosungen oder vergleichbare Verfahren. Wie der Radiosender in seinen Teilnahmebedingungen allerdings schreibt, stellt "das Experiment kein Gewinnspiel dar".

Mit der BJV meldet sich nach der SPÖ nun die zweite politische Institution in de Sache zu Wort. SPÖ-Frauenvorsitzende Gabriele Heinisch-Hosek hatte am Montag eine Anzeige gegen Kronehit und den behandelnden Arzt angekündigt. "Das ist unterste Schublade und geschmacklos. Mit Frauenkörpern experimentiert man nicht", kritisierte die Frauenvorsitzende.

Offene Diskussion über Frauenbild

Gegenüber kurier.at rechtfertige Daniela Linzer, stellvertretende Programmchefin bei Kronehit, die Kampagne am Dienstag: "Jede Frau sollte selbst über ihren Körper bestimmen dürfen, darum geht es uns." Man wolle mit der Aktion eine offene Diskussion über das in der Gesellschaft vorherrschende Frauenbild ermöglichen und fördern. "Dafür sind wir als Medium da, dass wir Themen, die gerade diskutiert werden, aufgreifen." Tatsächlich handelt es sich Linzer zufolge nicht um eine Verlosung der OPs im Sinne eines Gewinnspiels: "Die Teilnehmerinnen müssen selbst für die OP-Kosten aufkommen. Weil wir sie dabei begleiten dürfen, gibt es von unserer Seite das Honorar (mehr dazu hier).