Leben
20.03.2016

Wie das Ei zum Osterei wurde

Der Star der Woche ist das Ei. Wie es zum Ostersymbol wurde und welche Zubereitungsart im Trend liegt.

Das sonntägliche Frühstücksei – vielleicht steht es gerade vor Ihnen – hat viele Gesichter. Weich, gekocht, gebraten oder neuerdings, für geübte Köche, pochiert. Das in Essigwasser gekochte Ei mit wachsweichem Dotter und fester Eiweiß-Hülle, Hauptbestandteil der US-amerikanischen Eier Benedict, ist "schwer im Kommen", weiß Stefan Resch. Der Küchenchef des Fünf-Sterne-Hotels Park Hyatt in Wien hat einen guten Überblick über die aktuellen Frühstückstrends: Ei im Glas ist der österreichische Dauerbrenner, indische und arabische Hotelgäste schätzen cholesterinarme Eiweiß-Omelettes, berichtet der Gourmet-Experte.

Trotz harter (bzw. weicher) Konkurrenz ist in der kommenden Woche ein anderes Ei der Star: Es ist gekocht, gefärbt, wiegt hundert Gramm und hat 155 Kalorien. Rund um Ostern wird es 70 Millionen Mal verspeist – das entspricht einem Zehntel des österreichischen Ei-Jahresverbrauchs. Es handelt sich – natürlich – um das Osterei.

Heil- und Zahlungsmittel

Bevor das Ei vom Osterfest vereinnahmt wurde, war es vor allem ein Symbol für Fruchtbarkeit, weiß Franz Grieshofer, ehemaliger Direktor des Volkskundemuseums Wien. "In vielen Schöpfungsmythen, etwa bei den Chinesen, Hindus oder Finnen, gilt das Ei als Symbol des Universums und für das Leben, es dient als Heil- und Abwehrmittel. Besonders die am Gründonnerstag und Karfreitag gelegten Eier galten als heilkräftig." Eine tote Hülle, aus der neues Leben schlüpft – das passte zum Oster- wie der Stern zum Weihnachtsfest.

Dass das Ei zu Ostern eine große Rolle spielt, hat auch praktische Gründe, erläutert Brauchtumsforscherin Helga Maria Wolf in ihrem Buch "Österreichische Feste und Bräuche im Jahreskreis" (NP Verlag). In der 40-tägigen Fastenzeit durften keine Eier gegessen werden – was die Hennen freilich unbeeindruckt ließ: Sie legten weiter fröhlich vor sich hin und sorgten dafür, dass es zu Ostern ein Überangebot an Eiern gab. Was also tun? "Nun dienten sie als Naturalabgabe, z. B. für den Pfarrer", schreibt Wolf. Bis ins 15. Jahrhundert verstand man unter "Ostereiern" deshalb auch ein "bis zu Ostern abzulieferndes Zinsei".

Das durch Kochen haltbar gemachte und verzierte Osterei, so Helga Maria Wolf, "war ein Geschenk der Eltern und Paten an die Kinder, der Bauern an Dienstboten, Freundschafts-, Minne- und Verehrungsgabe". Der oder die Liebste, berichtet Franz Grieshofer, wurde mit einem roten Ei bedacht.

Eine andere Theorie: Man färbte die Eier, die gesegnet werden sollten, um sie von den restlichen zu unterscheiden. Wer sich kein Blattgold leisten konnte, kochte die Eier mit Blüten und Blättern, damit sie deren Farbe annahmen. Das bunte Osterei wird als solches seit dem 16. Jahrhundert verwendet.

Aus Lamm wird Hase

Und warum bringt ausgerechnet ein Hase die bunten Legeprodukte? Klar ist, dass schon die alten Ägypter den fortpflanzungsfreudigen Nager als Fruchtbarkeitssymbol verehrten. Dass er justament zu Ostern auftaucht, begründen manche Volkskundler mit einem Backmissgeschick: Im Mittelalter war vom Osterhasen noch keine Rede, man buk traditionell ein Lamm – eines der ältesten christlichen Symbole – aus Teig. Die Legende besagt, dass das rohe Backwerk aus der Form lief – und plötzlich Meister Lampe ähnelte. Als Eierbringer wurde der Hase erstmals im 17. Jahrhundert erwähnt. In dieser Zeit entstand auch der Brauch des Eiersuchens: Er sollte den Kindern weismachen, dass der Hase die Eier in den Garten gelegt hat, um ihnen beim Suchen Freude zu bereiten.

Eine Frage, erzählt Küchenchef Stefan Resch, stellen seine Gäste immer öfter: "Sie wollen wissen, woher ihre Eier kommen." In der kommenden Woche gibt es darauf nur eine Antwort: vom Osterhasen.