Bernhardiner Barry (1800-1814) steht ausgestopft im Naturhistorischen Museum Bern.

© /Christiane Oelrich

Hundelegende
06/12/2014

Berühmter Eidgenosse rettete ohne Schnapsfass

Zum 200. Todestag von Nationalhund Barry räumt die Schweiz mit Mythen auf.

Treue Augen, kuschliges Fell, bärenstark, mutig und ein echter Freund aller Menschen in Not: So lebt Barry vom Großen St. Bernhard in den Legenden fort. Mindestens 40 Menschen soll der Bernhardiner einst in den Hochalpen vor dem eisigen Tod bewahrt haben, ehe er 1814 starb. 200 Jahre danach ehrt die Schweiz ihren Nationalhund nun mit einer neu gestalteten Ausstellung in Bern.

Pensionist

Als Barry 1812 altersschwach wurde, brachten ihn die Augustinermönche vom Berner Hospiz auf den St. Bernhard-Pass. Keiner der vielen Hunde, mit denen Mönche seit Mitte des 17. Jahrhunderts in der rauen Bergwelt auf 2500 Metern Höhe nach Verirrten suchten, war so hilfreich und zuverlässig wie Barry.

Als Baary schließlich 1814 starb, zeigte der Prior der Augustiner-Chorherren seine Dankbarkeit, indem er den Rettungshund präparieren ließ. Seit 1923 steht der wohl berühmteste Bernhardiner der Welt ausgestopft in dem Berner Museum. Und zwar mit einer Requisite um den Hals, die zwar Kult ist, aber mit der Wahrheit nichts zu tun hat: das Schnapsfässchen mit dem Schweizer Kreuz.

Mythos

Spätestens seit 1956 ist klar, dass die Geschichte mit dem „Lebenswasser“, das Barry steif gefrorenen Lawinenopfern gereicht haben soll, ein Fantasieprodukt ist. "Was aber das Rumfässchen betrifft“, gab damals ein Geistlicher des Hospizes zu Protokoll, „so haben die Hunde zu keiner Zeit eines getragen.“

Die Aufklärung kam zu spät. Barry war längst eine Schweizer Ikone. Ihr das Schnapsfass zu nehmen, wäre Barry-Fans in aller Welt wie eine Denkmalschändung vorgekommen. Längst hatte auch die Werbewirtschaft die „Schnapsidee“ für alle möglichen Einsatzzwecke entdeckt.

Zur Legendenbildung trugen einst französische Soldaten bei, die mit Napoleon Bonaparte den Pass überquert hatten. Mehrere von ihnen hatten sich verlaufen, waren in Schneewehen oder gar Lawinen geraten und von Barrys empfindlicher Nase aufgespürt worden.

Wahrheit

Wahr ist, dass die Mönche des im 11. Jahrhundert von Bernhard von Menthon gegründeten Hospizes etwa ab Mitte des 17. Jahrhunderts mit Hunden täglich die Höhenwege in der Grenzregion zwischen der Schweiz und Italien absuchten. Mit Hilfe der Vierbeiner konnten sie im Laufe von rund 200 Jahren etwa 2000 Menschen retten - Söldner und Händler, Zöllner ebenso wie Schmuggler und auch viele Tagelöhner, die den Pass auf der Suche nach Arbeit überquerten.

Von Bauern aus der Umgebung, die Bernhard als Heiligen verehrten, bekamen die Mönche robuste Vierbeiner geschenkt. Später begannen sie mit der Zucht der nach dem Hospizgründer benannten Rasse. Als Retter werden Bernhardiner heute nicht mehr eingesetzt. Aber als Therapiehunde in der Pflege und Rehabilitation sind die kontaktfreudigen Tiere mit ihrem ausgeglichenen Gemüt in der Schweiz beliebt. Und die heutigen Mönche bieten Touristen als besondere Attraktion Wanderungen auf dem Pass mit Bernhardiner-Begleitung an.

Ausstellung

Die Ausstellung wird am 13. Juni im Naturhistorischen Museum in Bern eröffnet. Sie greift Legenden auf und zeigt zugleich, was Realität und was Mythos ist.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.