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Leben
09/10/2016

BB: Brigitte Bardot

Nur wenige Menschen sind alleine mit ihren Initialen zu Legenden geworden. MM etwa, oder JFK. Und natürlich BB. Brigitte Bardot war ein Sexsymbol und für viele bis heute die schönste Frau der Welt.

Als sie zur Welt kam, war sie brünett. Doch sie wurde zur berühmtesten Blondine ihrer Zeit. Sie sitzt im Bikini in einem Korbsessel auf der Terrasse ihres Anwesens La Madrague in St. Tropez. Ein Bein ist hochgezogen, das blonde Haar fällt locker über ihre Schultern. Die vollen Lippen leicht geöffnet, der Blick aus ihren großen, braunen Augen fixiert den Betrachter.

Bilder wie dieses entstehen im Kopf, wenn der Name Brigitte Bardot fällt. Oder das einer anmutigen Frau in Capri-Hosen mit eng anliegendem T-Shirt und Ballerinas. Oder das märchenhafte Wesen im rosa Kleid mit Vichy-Karo. Oder wie sie ihre Mähne, zur "Sauerkraut-Frisur" aufgetürmt, zu zähmen versucht – das hochgesteckte Haar, aus dem sich Strähnen lösen und ihr ins Gesicht fallen.

Brigitte Bardot machte Mode, ohne modisch zu sein, sie setzte Trends, die Jahrzehnte hielten, sie kleidete sich und war für viele Vorbild, ohne sich zu verkleiden. Die Bilder von damals, aus den 1950er- und 60er-Jahren sind immer noch präsent. Und modern.

DIE GARSTIGE

Dabei wollte BB das eigentlich gar nicht. Die Tochter einer schönen, aber herrischen Mutter und eines konservativen Industriellen, die ihre Eltern siezte, galt als die "Garstige" der beiden Schwestern. Die Hüte und Modeaccessoires, die ihre Mutter anfertigte, fand sie lächerlich. Trotzdem posierte sie damit in der "Elle". Obwohl die Eltern verboten, dass ihr Name genannt wird und dass sie Geld dafür bekam, war das der Beginn ihrer Modelkarriere. Bardot war in Frankreich rasch omnipräsent und wurde für den Film entdeckt.

Der große Durchbruch kam 1956 – mit einem Skandal. Roger Vadim, Bardots erster Ehemann, führte Regie. BB war das laszive Waisenkind Juliette, das mit seiner Anziehungskraft auf die Männer spielt. "Und ewig lockt das Weib." Im prüden Amerika löste der mit Sexszenen gespickte Streifen Proteste aus – und wurde zum Kassenschlager. Erst danach wurde er auch in Frankreich zum Blockbuster. Der Mythos BB war geboren.

Die junge Schauspielerin wird zum bewunderten Star. "Brigitte Bardot war anbetungswürdig. Eine der hübschesten Frauen der Welt", urteilt etwa Modeschöpfer Hubert de Givenchy. "Eine sinnliche Katze mit einem Traumkörper", sagt Schauspieler-Kollegin Marisa Berenson über die Bardot. Mylène Demongeot schwärmt: "Ich war von ihrer Grazie beeindruckt, ihrem zarten Hals, ihrer Art, den Kopf zu halten und zu gehen. Für Alice Schwarzer ist sie "Europas Antwort auf Marilyn Monroe". Modeschöpfer reißen sich drum, den Star einkleiden zu dürfen. Und Gunter Sachs, der ihr dritter Ehemann werden sollte, ließ zur Verlobung aus einem Hubschrauber 1000 Rosen über ihr Haus in St. Tropez regnen.

DIE KONSERVATIVE

Sie war Sexsymbol und eine der begehrtesten Frauen der Welt. Und erzkonservativ. Während 1968 in Paris die Studentenrevolte ihren Höhepunkt erreichte, ging auch sie auf die Straße. Bei der Gegendemonstration marschierte sie zwischen Charles de Gaulle und Alain Delon und geißelte den Verfall der Werte und der Moral. Seit mehr als 24 Jahren ist sie inzwischen mit Bernard d’Ormale, Freund von Jean-Marie Le Pen und einer der Köpfe des Front National, verheiratet. Die Rechten feiern sie als ihre Heldin.

Ihr Glück fand die Bardot im Ruhm nicht. 1973, mit 38, schmiss sie alles hin und drehte nie wieder. Ihre Memoiren leitet sie so ein: "Ich danke allen, die mich gelehrt haben, mit Tritten in den Hintern zu leben; die mich verraten und meine Naivität ausgenutzt haben und mich damit in eine tiefe Verzweiflung stürzten, aus der ich mich durch ein Wunder befreien konnte."

Vergöttert, verführt, fallengelassen. Das Schicksal vieler Weltstars. Und oft ein tödlicher Mix. Doch Bardot, die im September 82 Jahre alt wird und sich bis heute jeder Schönheits-OP verweigert, hat es verstanden, sich selbst neu zu erfinden. Heute lebt sie für den Tierschutz und ihre Fondation Brigitte Bardot. Bekämpft die Jagd und das Schächten, Legebatterien und blutigen Stierkampf. Um dafür Geld aufzutreiben, verkaufte sie ihre Pelzmäntel. Und um fünf Euro kann man heute auf der Website der Stiftung ein Foto von BB mit Hunden, Pferden oder einer Robbe erwerben. Es gibt unwürdigere Wege zu altern.

"Sie war Europas Antwort auf Marilyn Monroe. Wie elend MM geendet ist, ist bekannt. BB hat überlebt. Wenn auch nur knapp. Mehrere Selbstmordversuche scheiterten. Es ist eben im Leben keine Freude, Projektionsfläche zu sein statt Mensch." ALICE SCHWARZER über BB

Kann man sagen, dass es einen Bardot-Stil gab und immer noch gibt?
Ja, es gab immer einen Bardot-Stil, und er betrifft nicht nur die Mode.

Kannst du definieren, was man heute den “Bardot-Stil“ nennt?
Das bin ich.

Erinnerst du dich daran, wie Mitte der 50er-Jahre die weiblichen Filmstars angezogen waren?
Ja, da ich ja teilweise schon ein bisschen zu ihnen gehörte. Das war nicht so toll, das war eher omamäßig.

Welche Maße hattest du?
90-50-89.

Kannst du dich erinnern, wann und wie du das Vichy-Karo entdeckt (und in die Welt gebracht) hast?
Es war, als ich an den Schaufenstern von Jacques Esterel vorbeikam: Ich sah das Kleid in rosa Vichymuster, das von sich reden machen sollte. Ich fand es hübsch, frisch, und ich löste einen Vichy-Tsunami aus.

Kannst du dich erinnern, wann und wie du den Matrosenpulli entdeckt (und in die Welt gebracht) hast?
Nein, daran erinnere ich mich nicht … ich muss ihn jemandem geklaut haben, er war übrigens nie mein Lieblings-Outfit.

Und die Sauerkraut-Frisur?
Na klar! Mein Knoten war danebengegangen, die ganzen herumhängenden Strähnen nervten mich, und so hatte ich die Idee, sie in Wellen zu legen und um mein Gesicht herum zu drapieren. Plötzlich hatte ich die „Sauerkraut-Frisur“ erfunden.

Ich erspare dir die Frage nach Pelz, denn ich kenne die Antwort …
Ich trug Pelz aus Mangel an Bewusstsein und ohne mir klarzumachen, was ich da eigentlich überstreifte. Zu der Zeit gab es noch keine Anti-Pelz-Kampagnen. Als mir später bewusst wurde, wie schrecklich das war, hat mich das krank gemacht, ich habe geweint und mir schwere Vorwürfe gemacht.

Was hast du mit den Haute-Couture-Kleidern gemacht, die man dir geliehen hat?
Ich habe den Couturiers die geliehenen Sachen immer zurückgegeben. Aber im Allgemeinen bekam ich sie geschenkt.

Was ist jetzt aus deiner Garderobe geworden, die eindrucksvoll sein muss?
Ich habe alles versteigert, um mit dem Geld meine Stiftung gründen zu können.